Eschweiler/Aachen - Sportfunktionär Hubert Meisen: „Die Darstellung Katars ist zu negativ“

Sportfunktionär Hubert Meisen: „Die Darstellung Katars ist zu negativ“

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28 Jahre später sitzt er mit Teilnehmern der Trainingsgruppe im Nationalstadion von Doha bei einem Fußballspiel. Foto: Meisen Archiv
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Katar war für Hubert Meisen immer eine Reise wert: 1984 traf er Jamal Sulaiman zwei Jahre nach dem er den Katari bei einem Trainingslager in Aachen kennengelernt hatte. Der Kontakt aus den 80ern besteht bis heute. Foto: Archiv Meisen
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Auch Weltstar Raul spielte in Katar. Foto: Archiv Meisen

Eschweiler/Aachen. Im Jahr 2022 wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stattfinden und es gibt von vielen Seiten eine Menge Kritik an dieser Entscheidung. Wie passend, dass der gebürtige Eschweiler Hubert Meisen ein Buch über das Sportland Katar geschrieben hat. Es trägt den Titel „Die neue Rolle des Emirats Katar in der Welt des Sports“. Mit dem 70-Jährigen, der jetzt in Aachen wohnt, hat unser Redakteur Tobias Röber gesprochen.

Herr Meisen, wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein Buch über das Sportland Katar zu schreiben?

Meisen: Ich bin bislang sieben Mal dort gewesen. In der deutschen Presse wird, gerade mit Blick auf die WM 2022, ausschließlich negativ über das Land berichtet. Das habe ich bei meinen Besuchen aber gar nicht so empfunden. Also wollte ich meine Sicht der Dinge einfach mal äußern. Und außerdem ist Schreiben gut für die geistige Fitness (lacht).

Haben Sie das Buch bewusst persönlich gehalten?

Meisen: Ich wollte meine eigene Meinung darstellen, aber natürlich habe ich Verständnis dafür, dass viele meine Meinung nicht in allen Punkten teilen. Ich denke aber, dass ich alle aufgestellten Behauptungen ausführlich begründet habe. Allerdings gibt es nicht nur Kritik. Ich habe das Buch dem Cheftrainer der Leichtathleten aus Katar mitgegeben. Er hat mir mitgeteilt, dass die Athleten begeistert waren, in einem Buch in Deutschland erwähnt zu werden.

Ein Kritikpunkt ist die mangelnde Begeisterung der Einheimischen…

Meisen: Das ist wirklich so. Obwohl keine Eintrittsgelder bei Fußballspielen der heimischen Liga verlangt werden, schauen die meisten Einheimischen die Spiele lieber im Fernsehen. Auch ausländische Stars ziehen da nicht so. Daher wundert es mich schon etwas, dass Katar so massiv im Ausland in den Fußball investiert. Paris Saint Germain zum Beispiel ist fest in katarischer Hand. Auch die AS Eupen erlebt dank des Geldes aus Katar einen Aufschwung.

Wie ist Ihr Kontakt nach Katar eigentlich zustande gekommen?

Meisen: Im Jahr 1981 führte eine große Gruppe von Leichtathleten aus Katar in Aachen ein Trainingslager durch. Aus einem zunächst dienstlichen Kontakt entstand bald ein privates Interesse, begünstigt durch drei deutsche Trainer, die damals dort gearbeitet haben.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Meisen: Ungefähr zwei Jahre, aber immer wieder mit Pausen. Die habe ich rückblickend auch als gut empfunden.

Zurück zur Fußball-Weltmeisterschaft. Warum ist es aus Ihrer Sicht richtig, dass die WM in Katar stattfindet?

Meisen: Zunächst einmal kann ich das Argument nicht nachvollziehen, dass es zu heiß sei. Die WM wurde auf November/Dezember verschoben, die Temperaturen sind dann optimal. Zudem sollte eine WM auch mal in Regionen stattfinden, die bisher nicht Ausrichter waren. Organisatorisch mache ich mir gar keine Sorgen. Das werden die Verantwortlichen schaffen. Ausreichende finanzielle Ressourcen sind dort ja vorhanden.

Apropos Finanzen: Was halten Sie von der zunehmenden Kommerzialisierung von Veranstaltungen wie Fußball-WM, Olympische Spiele etc.?

Meisen: Das ist leider so und ich denke, dass es künftig nur noch wenige Länder geben wird, die dahinter stehen. Gerade im asiatischen Raum wird es dann verstärkt Länder geben, die sich um die Ausrichtung bewerben. Dort gibt es einige Länder, die noch viel Geld zur Verfügung haben.

Verstehen Sie, dass die Bevölkerung sich oft mehrheitlich gegen die Ausrichtung solcher Großevents ausspricht?

Meisen: Absolut. Die Verbände fordern immer, dass alles neu sein muss. Das ist übertrieben. Wäre das nicht so und würde man vorwiegend vorhandene Strukturen nutzen, wäre es nicht ganz so schlimm. Mittlerweile muss man einfach die meisten Großprojekte kritisch sehen und ich befürchte, dass sich die Zuschauer mehr und mehr abwenden.

Wenden Sie sich als Zuschauer auch bereits ab?

Meisen: Ja, manchmal schon. Nehmen wir zum Beispiel die Sportschau. Die schaue ich schon lange nicht mehr. Eigentlich müsste sie ja ohnehin Fußballschau heißen.

Also steht Fußball aus Ihrer Sicht zu sehr im Mittelpunkt?

Meisen: Ja auf jeden Fall. Nehmen wir noch ein anderes Beispiel. Früher hat man sich wochenlang auf Europapokalspiele im Fernsehen gefreut. Heute ist das nichts Besonderes mehr. Es läuft doch jeden Tag Fußball im Fernsehen. Ich wünsche mir einfach wieder eine größere Vielfalt an Sportarten im Fernsehen und vor allem eine andere Gewichtung.

Fußball – der ist, beziehungsweise man muss jetzt von war sprechen, in Eschweiler immer unweigerlich mit der ESG verknüpft. Das ist nun Geschichte…

Meisen: Ich wohne zwar nicht mehr in Eschweiler und am Patternhof war ich das letzte Mal vor etwa sieben Jahren, aber dass es die ESG-Fußballabteilung nicht mehr gibt und auch der Patternhof verschwinden soll, ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit dieser Sportanlage.

Zum Schluss noch einmal zurück zu Katar: Beschreiben sie das Land doch mal aus Ihrer Sicht.

Meisen: Es ist schon faszinierend. Wenn man mal zwei Jahre nicht dort war, denkt man, dass man in eine andere Stadt kommt. So rasant wird dort gebaut. Trotzdem meine ich, dass das Land seinen typisch arabischen Charakter weitgehend erhalten hat – mehr als Dubai beispielsweise.

Wann geht es für Sie wieder nach Katar?

Meisen: 2019 findet dort die Leichtathletik-WM statt. Dann möchte ich auf jeden Fall hin, wenn dann die Gesundheit mitspielt.

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