Eschweiler - Spitzenkandidatin der Freien Wähler: Dr. Gabriele Pauli

Spitzenkandidatin der Freien Wähler: Dr. Gabriele Pauli

Von: sh
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„In Europa verschwindet wertvolles Steuergeld in dunklen Kanälen!” Dr. Gabriele Pauli lässt kein gutes Haar an den bisherigen Europa-Abgeordneten.

Eschweiler. Sie gefällt sich in der Rolle der Kämpferin gegen das Establishment, gegen gestandene Politiker und bürgerferne Partei-Eliten. Als „Königsmörderin” des bayrischen Denkmals Edmund Stoiber sorgte sie bundesweit für Aufsehen. Heute hat Dr. Gabriele Pauli die alte CSU-Heimat hinter sich gelassen und kämpft gewissermaßen auf der anderen Seite gegen die verkrusteten Strukturen des Politsystems.

Als Spitzenkandidatin der Freien Wähler geht sie an den Start. Ihr Ziel: Europa. Ihr ehemaliger Ministerpräsident Stoiber ist dort längst angekommen, arbeitet als EU-Kommissar für Bürokratieabbau. Einige würden von Ironie des Schicksals reden. Gabriele Pauli wohl eher nicht. Kein Blick zurück im Zorn, vielmehr ironische Distanz. Insgesamt richtet sich ihr Blick nach vorn, wie es die zahlreichen Besucher der UWG-Wahlkampfveranstaltung am Samstag in der Gaststätte „Uferlos” miterlebten.

Für die Unabhängige Wählergemeinschaft ist Gabriele Paulis Besuch in Eschweiler ein Meilenstein im eigenen politischen Wirken. „Und diese Frau wird sie überraschen”, verspricht der UWG-Vorsitzende Manfred Waltermann den Zuhörern gleich zu Beginn. Kein schriller Auftritt, kein rebellisches politisches Poltern. Gabriele Pauli macht Eindruck während ihrer Wahlkamprede in der Indestadt.

Hauptthema: Die Krusten, unter denen die politischen Eliten in Brüssel und Straßburg nahezu ungehindert und unbeobachtet agieren, müssen aufgebrochen werden. Der Bürgerwille, für den gerade die Freien Wähler ständen, müsse stärker in die Entscheidungsgremien - sei es Europaparlament oder die EU-Kommission - fließen. „Wir wissen um die Stärke unserer kommunalen Basis mit vielen Gemeinde-, Stadt- und Landräten bundesweit. Diese Kraft müssen wir nun nach Europa transportieren”, schwört die 1957 in Schweich an der Mosel geborene Pauli die Versammlung auf den ersten Europawahlkampf der Freien Wähler ein.

Ihre Kritik am vorhandenen System und ihren Akteuren trägt sie während des knapp einstündigen Vortrags „Für ein Europa der Menschen und ihrer Regionen” vor. Geldgierige Abgeordnete, undurchsichtige Lobbyarbeit in Hinterzimmern, unkontrollierte Subventionspolitik - für Gabriele Pauli gibt es viele Baustellen, die es auszubessern gilt. „Wie frei sind unsere Abgeordneten, wenn sie über den Nichtraucherschutz diskutieren?”, fragt die ehemalige Fürther Landrätin in die Runde. Denn dass EU-Politiker Entscheidungen gegen Interessen der Großunternehmen treffen, sieht die 51-Jährige nicht. „Es ist Tatsache, dass unsere Politiker zu eng mit großen Firmen vernetzt sind. Sie sitzen in Aufsichtsräten und haben oft gar kein Interesse daran, dass sich etwas verändert.”

Dabei habe Europa Änderungen dringend nötig. Gerade den einfachen Mann auf der Straße, glaubt Pauli, habe die Spitzenpolitik auf Bundes- wie auf europäischer Ebene längst aus den Augen verloren. „Die Bürger merken immer mehr: So geht es nicht weiter!” Einmal in Schwung, setzt die Spitzenkandidatin zur umfassenden Gesellschaftskritik an: die allgegenwärtige Macht des Kapitals, festgefahrene Denkstrukturen und schweigende Parteisoldaten. „Wenn ich als Politiker nur danach schaue, was gerade gut ankommt, dann bin ich nicht mehr auf der Spur der Wahrheit”, strebt Gabriele Pauli andere Wege an.

Den 20.000 Lobbyisten in Brüssel, die in 3094 Arbeitsgruppen auf die EU-Kommission Einfluss ausüben, möchte sie widerstehen. Den Mittelstand stärken, eine grenzüberschreitende Steuerharmonisierung vorantreiben, eine offene und ehrliche Debatte über die EU-Erweiterung Richtung Türkei unter sicherheitspolitischen Aspekten führen - all das hat sich Gabriele Pauli auf die Fahne geschrieben.

Inszenierung als Frau des Volkes

Und so zeigt sie sich optimistisch, am 7. Juni, dem Tag der Europawahl, mit den Freien Wählern den Einzug ins Parlament zu schaffen. Wird dann auch die Bundestagswahl anvisiert? „Das ist noch fraglich”, weiß Gabriele ob der kurzen Zeitspanne, die dann nur noch zur Organisation und Aufstellung von Kandidatenlisten bleibt. Sie selbst hat erst einmal Europa im Blick. Mit sachlichen Argumenten möchte sie punkten. Dabei inszeniert sie sich gekonnt als Frau des Volkes, die dem verfilzten Politik-Establishment den Rücken gekehrt hat.

Den Mut zu offenen Worten hat Gabriele Pauli nicht abgelegt, wie ihr inspirierter Wahlkampfauftritt im westlichsten Zipfel der Republik bewiesen hat.
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