SPD will Auftritte von Wildtieren untersagen

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
14244986.jpg
Ein Elefant unter der Zirkuskuppel: Tierschützer wollen Wildtiere in Zirkusvorstellungen generell untersagen. In Eschweiler ist ein solches Verbot nicht erforderlich, weil auf dem Drieschplatz keine artgerechte Haltung möglich ist. Foto: Sven Hoppe/dpa

Eschweiler. Früher waren sie eine Attraktion, heute stehen sie in der Kritik: Zirkusunternehmen, die in ihren Programmen Löwen, Elefanten und Tiger präsentieren. Die indestädtischen Sozialdemokraten gaben nun der Verwaltung den Auftrag zu prüfen, ob Zirkusveranstaltungen mit Wildtieren in Eschweiler generell verhindert werden können.

Die Antwort aus dem Rathaus ist eindeutig: Ein derartiges Verbot ist nicht erforderlich, weil in der Inde­stadt keine Veranstaltungsfläche besteht, auf der ausreichend Raum für die artgerechte Tierhaltung vorhanden ist. Allerdings stellt die Verwaltung klar, dass ein Verbot ohnehin juristisch umstritten sei.

Die indestädtischen Sozialdemokraten berufen sich auch auf die Bundestierärztekammer. „Eine artgemäße und verhaltensgerechte Wildtierhaltung ist praktisch nicht möglich, da reisende Zirkusse häufig ihren Standort wechseln und Gastspiele mitten in der Stadt durchführen“, schreibt die SPD. Die Zirkuswagen seien in der Regel klein, in den temporären Gehegen könnten die Tiere keine Reviere einrichten, zitieren die Genossen den Präsidenten der Bundestierärztekammer.

Bei den Anforderungen an die Haltung von Wildtieren gilt das Tierschutzgesetz als Grundlage. Dort sei ausdrücklich festgelegt, dass die Unterbringung eines Tieres artgemäß, bei exotischen Wildtieren daher sogar klimatisiert sein müsse. Die Ernährung und Gruppenzusammensetzung seien arttypisch zu gestalten, damit artgemäßes Verhalten möglich sei.

„Wanderzirkusse können diesen Anforderungen aufgrund ihrer Standortwechsel und Tiervorführungen heute zu oft nicht mehr gerecht werden“, schreibt die SPD-Fraktionsvorsitzende Nadine Leonhardt. Ausbrüche von Bären, Elefanten und anderen Wildtieren an Gastspielorten würden ferner die problematischen Sicherheitsvorkehrungen bei temporären Gehegen belegen.

Dabei könnten im schlimmsten Fall Zirkustiere ihr Leben verlieren oder sogar Menschen zu Schaden kommen. Zahlreiche Kommunen und Länder hätten sich bereits dem Verbot angeschlossen. Leonhardt: „Der Zirkus als Kulturgut kann auch ohne Wildtiere erhalten bleiben, wie diverse Unternehmen mit großem Erfolg beweisen.“

Im Eschweiler Rathaus sind allerdings in der „längeren Vergangenheit“ keine Anfragen von Zirkusunternehmen mit Wildtierhaltung in Eschweiler bekannt. Bei Bewerbungen prüfe man auch die Tierhaltung. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, komme für ein solches Gastspiel ohnehin nur der Drieschplatz in Betracht. Andere städtische Flächen schieden nach Ansicht der Verwaltungsmitarbeiter aus.

Der Drieschplatz erweise sich „unter dem Aspekt einer zeitlich befristeten Tierhaltung“ nicht als ideal. Eine Anfrage für den Drieschplatz müsse man demnach ablehnen. „Aufgrund der multifunktionalen Nutzung des Drieschplatzes kann einem antragenden Zirkusunternehmen immer nur eine kleinere Fläche des Drieschplatzes zur Verfügung gestellt werden, welche eine Wildtierhaltung – sei es auch nur für kurze Zeit – nicht ermöglichen würde.“

Kurzum: Auf ein Verbot kann man in Eschweiler verzichten. Allerdings sei ein Verbot ohnehin juristisch schwierig. Manche Urteile geben klagenden Zirkusunternehmen Recht, indem sie dieses Nein der Gemeinde als Eingriff in die Freiheit der Berufsausübung werten. Andere Urteile stärken die Kommunen in ihrer Entscheidungsfreiheit, was auf städtischen Plätzen zulässig ist oder nicht. Die Eschweiler Verwaltung schreibt dazu: „Eine obergerichtliche Rechtsprechung zu dieser Fragestellung liegt – jedenfalls für das Land Nordrhein-Westfalen – noch nicht vor.“

Im Frühjahr des vergangenen Jahres wagte der Bundesrat einen erneuten Vorstoß, wilde Tiere wie Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde nicht mehr im Zirkus zur Schau zu stellen. Die Länderkammer forderte die Bundesregierung dazu auf, eine entsprechende Verordnung zu erarbeiten.

Nach dem Wunsch des Bundesrates sollten Übergangsfristen nur für bereits im Zirkus lebende Tiere gelten, die keine Verhaltensstörungen wie aggressives oder depressives Verhalten zeigen. Die Länder forderten zudem Regeln für die Zirkustiere, für die das Verbot nicht gilt, etwa Pferde. Zirkusse mit Tiershows sollten über ein festes Quartier verfügen, um eine artgerechte Ernährung, Pflege und Unterbringung zu gewährleisten.

Bisher ist die Bundesregierung allerdings nicht tätig geworden. Bereits in den Jahren 2003 und 2011 gab es ähnliche Vorstöße. Ein Verbot nach dem Tierschutzgesetz sei nur dann möglich, wenn die Tiere an wechselnden Orten nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten oder transportiert werden könnten, teilte das Landwirtschaftsministerium vor einem Jahr mit.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert