Spaziergang durch die Stadt mit Wilfried Schulze

Von: Tobias Röber
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Wilfried Schulze zurück an alter Wirkungsstätte: Der einstige Technische Beigeordnete der Stadt nahm Eschweiler nach Jahren einmal wieder unter die Lupe. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. In den zurückliegenden gut vier Jahren lang ist Wilfried Schulze von Kerpen aus immer an Eschweiler vorbeigefahren, wenn er auf dem Weg nach Aachen war, um seine Mutter zu besuchen. Zweimal pro Woche in der Regel. Jetzt hat der ehemalige Technische Beigeordnete der Stadt Eschweiler noch einmal Station an alter Wirkungsstätte gemacht.

Acht Jahre lang (von 2001 bis 2009) war er in der Indestadt tätig und hat einiges auf den Weg gebracht. Aus seiner Haut kann er auch jetzt nicht. In seinem Heimatort Kerpen-Sindorf baut er fleißig weiter.

Kurz Luft holen

Es ist ein Projekt aus dem Jahr 1996, das er wieder aufgegriffen hat. Wo wir schon bei der Frage wären: Was wurde aus Wilfried Schulze? „Wenn man aus vollem Galopp aus dem Sattel geschossen wird, dann muss man erstmal Luft holen“, blickt Schulze zurück. Will heißen: So ganz verwunden hat er noch nicht, dass er damals gehen musste. Danach hieß es erstmal durchatmen. Wer Wilfried Schulze kennt, der weiß, dass er dann aber wieder etwas tun musste. Er hing an Eschweiler, wie er sagt. So, wie er jetzt an besagtem Projekt in Sindorf hängt. 80 Hektar umfasst das Wohnbauland dort. 120 Millionen Euro sind an öffentlichen Mitteln geflossen, nun wird dort gebaut. Wilfried Schulze und sein Sohn, ein Architekt in Köln, sind mittendrin. Sie haben modern gebaut, in der Form eines Kubus und selbstredend nach den neuesten Energiestandards. Schulze kommt aus der Architektur und gewissermaßen ist er jetzt ein Stück weit dorthin zurückgekehrt.

Zudem berät Wilfried Schulze in seiner Heimatgemeinde einen neuen, jungen Beigeordneten.

Es gibt aber noch mehr Baustellen, auf denen Wilfried Schulze tätig ist. So hat er ein altes Haus aus den 60er/ 70er Jahren gekauft. Ein großes Problem für viele Städte sei, wie mit den großen Siedlungsbereichen aus eben dieser Zeit umgegangen werde. Technisch seien die Häuser auf altem Stand. Schulze will nun exemplarisch zeigen, was machbar ist. Das von ihm erworbene Haus wird erweitert und technisch aufgewertet. Das beinhalte auch eine soziale Komponente, so der ehemalige Technische Beigeordnete. „Wie kann ich mit einer Wohnungsmarktsteuerung junge Leute in alte Quartiere bringen?“, fragt Schulze, der eben solche Wege aufzeigen will.

Wenn er jetzt durch Eschweiler geht oder fährt, sieht er die Stadt häufig immer noch mit den Augen des Technischen Beigeordneten, und dann holt er auch gerne seine Broschüre „Liebe deine Stadt – Eschweiler von 2001 bis 2009“ aus dem Regal. Wobei es Broschüre nicht ganz trifft. Das Werk umfasst rund 100 Seiten und enthält vor allem viele Ausblicke in die Zukunft mit Ideen, die sich Wilfried Schulze für die Indestadt vorstellt. Alle können an dieser Stelle selbstredend nicht aufgeführt werden.

„Parallel und vor Abschluss der Baumaßnahmen in der südlichen Innenstadt sollte der Focus erweitert werden und die nördliche Innenstadt bis zur Dürener Straße mit Marktplatz und Rathausvorplatz, Indestraße und Inde noch mal in Betracht genommen werden“, heißt es beispielsweise. Genau das ist derzeit in der Mache (siehe unten).

Ebenso hatte Schulze angeregt, den Wohnstandort Indestadion zu entwickeln. Die Kindertagesstätte dort gibt es bereits, das Wohngebiet soll jetzt entwickelt werden.

Die Umgestaltung Marienstraße/Neustraße trieb der Technische Beigeordnete damals voran, mit dem Ergebnis zeigt er sich jetzt durchaus zufrieden. Er erinnert sich noch gut an die Widerstände. So protestierten Anwohner vehement gegen den Wegfall von Parkplätzen an der Ecke Moltkestraße. Schulzes Nachfolger Hermann Gödde sieht diesen Bereich als ein großes Pfund, mit dem Eschweiler wuchern könne.

In die Amtszeit Schulzes fielen unter anderem die Einweihung der umgestalteten Graben- und Englerthstraße sowie des Haltepunktes für Busse und Euregiobahn am Talbahnhof.

Die Soziale Stadt Eschweiler-Ost hat Schulze ebenfalls begleitet. Einen Großteil der Maßnahmen erlebte er mit. Endgültig abgeschlossen wurde das Projekt im Jahr 2011.

Zwei Punkte lagen Wilfried Schulze zudem sehr am Herzen. Der Komplex Bushof/Arbeitsamt auf der einen Seite als Eintritt in die Innenstadt, die Schlachthauskurve auf der anderen Seite. Am Bushof schwebte Schulze etwa eine Art Haus der Stadt vor, ein Multi-Themen-Center. Die Idee: Konferenz-, Veranstaltungs-, Kultur- und Gesundheitszentrum sollen mit Hotellerie unter einem Dach zusammengefasst werden.

Ein durchaus umstrittenes Projekt verteidigt Wilfried Schulze auch heute noch: das Marktzentrum am Langwahn. Gleiches gilt für den Standort an der Auerbachstraße. Hermann Gödde hätte am Langwahn lieber einen Schwerpunkt in Richtung Wohnen gesehen. Obwohl Wilfried Schulze nur noch selten in die Indestadt kommt, sind viele Kontakte geblieben. Beim Streifzug durch die Stadt trifft er alte Bekannte. Mit einigen telefoniert er hin und wieder.

Ein musischer Mensch

Und sonst? „Ich bin ein musischer Mensch“, sagt Schulze. So oft es möglich ist, besucht er Oper oder Philharmonie. Und wenn er nicht plant und baut, nimmt vor allem sein Enkel viel Zeit in Anspruch. Außerdem freut sich Schulze bereits auf das zweite Enkelkind.

Nach dem Stadtrundgang auch vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst, sagt Wilfried Schulze: „Eschweiler hat wahnsinnig viele Chancen.“ Von Zeit zu Zeit wird er sicher wiederkehren und schauen, was sich getan hat.

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