Spannender Streifzug durch den Stadtwald

Von: Christina Handschuhmacher
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Gut geführt durch den Wald: Bei dem zweistündigen Rundgang entdeckten unsere Leser viele bislang unbekannte Stellen.
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Gruppenbild mit Hund: Auch der verhältnismäßig versteckt liegende „Ferbers Teich“ (im Hintergrund) bildete eine Station beim Waldspaziergang mit Susanne Gohde.
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Eichhörnchen und die Waldschnepfe sieht man selten so nah: Unsere Leser erfahren beim Rundgang auch viel Wissenswertes über die tierischen Bewohner des Waldes. Foto: Christina Handschuhmacher
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Eichhörnchen und die Waldschnepfe sieht man selten so nah: Unsere Leser erfahren beim Rundgang auch viel Wissenswertes über die tierischen Bewohner des Waldes. Foto: Christina Handschuhmacher

Eschweiler. Haben Sie schon einmal ein Glühwürmchen in der Hand gehalten? Wissen Sie, was die grünen und roten Markierungen an den Bäumen im Wald bedeuten? Oder haben sie zuvor jemals von Zukunftsbäumen gehört und sogar selbst welche ausgesucht? 27 von unseren Lesern haben all das am Dienstagnachmittag erlebt – bei unserer vierten Aktion im Rahmen von „7 x Sommer“ stand ein kurzweiliger Streifzug durch den Stadtwald mit Försterin Susanne Gohde auf dem Programm.

Startpunkt ist das Forsthaus an der Bohler Heide: Hier steht erst einmal eine kurze Begegnung mit Tieren auf dem Plan, denen man sonst selten wirklich nahe kommt: Hornissen, Glühwürmchen und verschiedene Käfersorten bietet die Insektensammlung von Susanne Gohde. Dazu gibt es unter anderem Infos zum Paarungsverhalten der Glühwürmchen. Ganz wichtig für Försterin Gohde: „Alle Tiere, die hier in der Sammlung sind, haben wir tot gefunden.“ Das tote Glühwürmchen etwa hat Gohdes Weimaranerin Fa entdeckt.

Nun geht es los: Nach ein paar Hundert Metern folgt direkt der erste Zwischenstopp. An einem sogenannten Rückeweg – das sind drei bis vier Meter breite Wege, die Platz für die forstwirtschaftlichen Maschinen bieten – erklärt die Försterin einen Teil ihre Arbeit. Der Rückeweg ist mit gelber Farbe an den Bäumen als solcher ausgewiesen.

Überhaupt sind Farbspraydosen ein wichtiges Utensil, das Gohde nahezu immer im Wald dabei hat. Markiert die Revierförsterin Bäume mit roter Farbe, dann wissen die Forstarbeiter, dass sie diese fällen sollen. Mit grüner Farbe oder auch einem grünen Band sind unter anderem die sogenannten Zukunftsbäume ausgezeichnet. Das sind besonders schöne, kräftige und vielversprechende Bäume, deren Wachstum und Entwicklung gefördert werden soll. Wenn die Försterin einen Baumbestand auszeichnet – circa einen Hektar Wald bearbeitet sie dann innerhalb einer Stunde – will sie zwischen 80 und 100 Zukunftsbäume finden. Dass das gar nicht so einfach ist, werden auch unsere Leser gegen Ende der Führung noch feststellen...

Beim nächsten Stopp treffen unsere Leser aber erst einmal auf das erste Nagetier im Wald. Susanne Gohde hält vor einer Lichtung mit Fichten. „Schauen Sie einmal ganz genau hin, sehen Sie das Tier dort vorne?“ Das präparierte Eichhörnchen hat Susanne Gohde so gut versteckt, dass keiner unserer Leser es entdeckt. Kein Wunder, ist das Tier mit seinem braunen Fell doch auch optisch nahezu optimal an seine Umgebung angepasst. „Ein ganz schön weiches Fell“, finden Jolina und Gerrit. Das Eichhörnchen geben sie bis zum Ende der Führung nicht mehr aus der Hand.

Weiter geht es zu „Ferbers Teich“ – einem idyllisch gelegenen Ort versteckt im Wald. Seerosen schwimmen auf der Wasseroberfläche, das Schilf wiegt sich im Wind. Ein Ort, der das Prädikat Lieblingsort verdient. So geht es wohl auch Försterin Gohde. „Als ich zum ersten Mal hier war, flog direkt ein Eisvogel hoch und eine Seenatter schwamm durchs Wasser“, schwärmt sie. „Da sind sogar Schildkröten drin.“

Der Teich ist ein ehemaliger Steinbruch. In dem Gewässer befinden sich auch viele Frösche. Sogar Grau- und Kanadagänse sieht man hier, am Ufer wachsen seltene Orchideenarten.

Auch hier hat Gohde vor dem Waldrundgang ein Tierpräparat versteckt – diesmal ist es eine Waldschnepfe, ein Vogel aus der Familie der Schnepfenvögel, der sich mit seinem langen spitzen Schnabel in den Waldboden bohrt und daraus Insekten und Regenwürmer hervor holt. Gohde weiß passend dazu eine Anekdote aus ihrer Ausbildung zu erzählen: „Bei diesen Vögeln kann man den Darminhalt essen, das nennt man Schnepfendreck“, sagt sie. „Als ich den Jagdschein gemacht habe, wurde mir immer erzählt, dass man das machen muss.“ Bislang hat Susanne Gohde diese „Spezialität“ noch nicht probiert.

Weiter geht‘s: Die Försterin führt die Gruppe auf einem schmalen Weg zu einem Buchenbestand, der im Moment mit einem neuen forstwirtschaftlichen Konzept bearbeitet wird. Gute und vielversprechend aussehende Buchen werden freigestellt und die schwächeren Bäume in der Umgebung gefällt. Die Buchen in diesem Waldbereich sind circa 30 Jahre alt. Erst in dem Alter, so erzählt die Försterin, geht das Wachstum bei dieser Baumart richtig los. Der ideale Zeitpunkt, um mit forstwirtschaftlichen Maßnahmen einzugreifen.

„Meine ganze Kraft stecke ich in die guten Bäume und die anderen lasse ich unberührt“, erklärt Gohde. Auch die Qualität des Holzes soll so ansteigen. Für Möbelholz etwa ist es wichtig, dass der Baum auf einem Viertel seiner Länge astfrei ist. In diesem Bereich steckt mehr als die Hälfte des Werts. Ein relativ extremes und modernes Konzept, wie Gohde sagt. Ob es erfolgreich ist, wird sich erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten zeigen.

Weiter geht es zur letzten Station. Und hier wartet auf unsere Leser noch eine Herausforderung. Jetzt heißt es: Zukunftsbäume suchen. Damit sie diese Aufgabe fachmännisch lösen können, bekommen sie zuerst noch ein paar Informationen an die Hand. Die Gruppe erfährt, dass Bäume in unterschiedliche Kraftklassen eingeteilt sind. Manche Bäume sind nur mitwachsend oder stehen unter anderen Bäumen, erklärt Susanne Gohde. Zu Zukunftsbäumen werden nur die Bäume, die auch größere Schäden, etwa einen Sturm, überstehen können. Gohde fasst zusammen: „Wir suchen Bäume, die im Wald das Sagen haben.“

Mit grünen schmalen Bändern geht es für unsere Leser nun in das von Susanne Gohde ausgesuchte Waldgebiet. „Der Baum hat einen Seitenast, der zu weit unten ist. Der hier ist schief und der dort vorne sieht sehr abgestorben aus“, sagt Monika Koch. Endlich findet die Eschweilerin den passenden Baum: „Dieser sieht gut aus“, sagt sie und bindet das grüne Band um den Stamm.

Leser Theo Herwarts hat einen geraden Baum mit kräftiger Krone ausgewählt. Der Stamm ist bereits so dick, dass das grüne Band kaum drum herum passt. „Der Baum ist gut“, lobt Susanne Gohde fachmännisch. Einige neue Zukunftsbäume sind gefunden.

Nun wird es Zeit für den Rückweg – zwei Stunden sind bereits vergangen. Und wie fällt die Bilanz der Leser aus? „Mir hat der Spaziergang sehr gut gefallen“, sagt Theo Herwarts. „Wir sind oft mit unserem Hund im Wald unterwegs, aber für viele Dinge hat man ja so keinen Blick.“ Und auch Rosemarie Thülen ist zufrieden: „Das sind tolle Stellen, die uns die Försterin bei dieser Tour gezeigt hat. Wäre ich allein unterwegs gewesen, hätte ich Angst gehabt, mich zu verlaufen.“

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