Soziales Jahr in Südafrika: 210 Kinder sind jetzt die Familie

Von: rpm
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Hilft bei der Betreuung von 14
Hilft bei der Betreuung von 140 Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren Jonas Schleypen im Siphamandla-Kindergarten im Township Cross Roads.

Eschweiler/Kapstadt. Kapstadt ist traumhaft schön. Die Waterfront mit ihren zahlreichen Boutiquen und Kneipen, der Tafelberg mit seinen atemberaubenden Ausblicken, die traditionsreiche Long Street, einst Wiege des südafrikanischen Jazz, die pulsierende Innenstadt, der Nobelvorort Camps Bay...

Aber Südafrikas Metropole hat auch ihre Schattenseiten. Noch immer hausen hunderttausende Menschen in bitterer Armut dicht an dicht in Wellblechhütten. Daran hat auch das von der Regierung (mit Blick auf das Interesse, das die Fußball-WM im vergangenen Jahr auf die Millionenstadt zog) beschlossene Häuserbauprogramm wenig geändert.

Wellblechhütten, soweit das Auge reicht. Keine Umgebung, in der man freiwillig lebt. Felix Möller und Jonas Schleypen tun dies dennoch. Die beiden jungen Indestädter haben sich zu einem freiwilligen sozialen Jahr entschlossen. Neues kennenlernern, helfen, wo Not am Mann ist - die beiden bisherigen Liebfrauenschüler haben die Herausforderung angenommen. Seit Mitte August sind sie in Südafrika, arbeiten am „Centre for Creative Education”, dem Zentrum für kreative Erziehung, das in den Townships von Kapstadt mehrere Kindergärten und Grundschulen betreibt.

„Man versucht mit diesem Center den Kindern eine Oase zu bieten, in der sie unbeschwert Kind sein, lernen und alles andere vergessen können”, berichtet Felix Möller. „Unsere Aufgabenbereiche liegen unter anderem in der Betreuung der Kinder, in handwerklichen Tätigkeiten, sowie darin, sportliche Aktivitäten mit den Kindern zu unternehmen.” „Strawberry”, Erdbeere, heißt der Kindergarten, in dem Felix 70 Kinder betreuen hilft.

70 Kinder in einem Raum. Kaum Außengelände. Hier spielt er mit den Kleinen, geht den vier „Mamas” zur Hand, hilft bei der Essensausteilung und beim Zähneputzen. „Strawberry” ist der einzige Kindergarten, in dem Englisch gesprochen wird statt xhosa, die zweite der zwölf Amtssprachen des Landes. Der Kindergarten ist zudem nur für Moslems. „Diesen Monat ist Ramadan, jedoch werde ich nicht mitfasten müssen, genau wie die Kinder”, berichtet Felix.

Jonas leistet ähnliche Arbeit im „Siphamanda”-Kindergarten in einem anderen Township. 140 Kinder sind hier untergebracht; das Außengelände ist groß. Und die medizinische wie hygienische Versorgung ist hier wie dort mies. Freude macht die Arbeit dennoch: „Die Kinder in den Kindergärten sind richtig süß, haben vor allem keine Scheu, einen zu umarmen, im Gegenteil. Die Kinder schmusen gerne und wollen immer wieder hochgehoben werden.”

Bevor die beiden jungen Indestädter ihren Job antraten, sahen sie sich in Kapstadt um. Ihre Erlebnisse fasst Felix Möller in Worte: „Heute haben wir eine Townshiptour bekommen und haben alle Educares” (Kindergärten/Grundschulen des Centre for Creative Education) „besucht. Teilweise sind die richtig schön, teilweise richtig runtergekommen.

Wir sind in dem größten Township Kapstadts gewesen, in diesem wohnen offiziell über 1,5 Millionen Menschen. Zurzeit streiken die Townshipbewohner, damit sie Strom und Wasser bekommen. Wir sind sogar mit unserem Bus direkt an den protestierenden Menschen vorbeigefahren, alle hatten Steine in der Hand und Schlagstöcke und andere Waffen. Das war ein richtig ungemütliches Gefühl. Aber die Polizei war ebenfalls da, die waren mit Shotguns bewaffnet, das sah richtig heftig aus.

In den Townships liegt, vor allem wegen des Streiks, richtig viel Müll rum. Die Leute haben die Straßen zum Teil mit Müllcontainern blockiert. Überall laufen Kühe, Ziegen und Hunde rum, die Menschen leben echt in großer Armut”, so Felix Möllers. Immerhin: Der Streik verlief friedlich. Was in der Stadt mit der zweithöchsten Kriminalitätsrate Südafrikas nicht selbstverständlich ist.

Kapstadt ist riesig. Zwar liegt die Unterkunft von Jonas und Felix nur rund fünf Gehminuten vom Centre of Creative Education entfernt, von wo aus sie morgens zu ihren Einsatz-Kindergärten gefahren werden. Doch wer etwas mehr von Stadt, Land und Leuten sehen will als den alltäglichen Weg zur Arbeitsstelle und zurück, der ist auf ein Auto angewiesen. Ein solches zu beschaffen aber hat seine Tücken: „Besonders interessant sind das Fahrverhalten sowie die Preise der zum Teil über 50 Jahre alten Blechbüchsen, die mit einem Kilometerstand von über 200.000 zudem unverhältnismäßig überteuert sind. Daher muss die Wahl unseres Gefährts gut überkegt sein”, so Felix.

Inzwischen haben sie einen Wagen gekauft: einen Mazda Rustler, ein Pick-up für 27.000 Rand, macht rund 2650 Euro.

Den brauchen sie auch, um bei „Sabantwana” aktiv mitzumachen: einem Projekt von Freiwilligen zum Bau von Klettergerüsten, Häusern, zur Durchführung von Renovierungen, zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Kinder und zur Durchführung von Ausflügen mit den Kleinen.

„Insgesamt hatten wir einen aufschlussreichen und geglückten Start in Südafrika und freuen uns auf die bevorstehenden Monate”, schreiben Jonas und Felix.

Über ihre Erfahrungen berichten die beiden auch in ihrem Blog auf http://jonas-felix-za.jimdo.com

Spenden sind jederzeit willkommen

Bisher besuchten sie die Bischöfliche Liebfrauenschule in Eschweiler. Jetzt arbeiten sie am „Centre of Creative Education” im rund 9600 Kilometer entfernten Kapstadt: Seit Mitte August leisten Jonas Schleypen und Felix Möller in Kindergärten des Centers, das Kindern inmitten der Armut der Townships eine Oase sein will, ein Freiwilliges Soziales Jahr. Dazu mussten die Beiden zunächst einen Förderkreis aufbauen, der die Kosten ihres Einsatzes mit trägt. Mit an Bord ist dabei der

Lions-Club Eschweiler Ascvilare; organisatorisch getragen wird die Aktion von der Brückenorganisation „Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.” und dem Programm „weltwärts”, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Wer Jonas und Felix helfen möchte, z.B. Ausflüge mit den Kindern zu finanzieren, Klettergerüste zu bauen oder die schlechte medizinische Versorgung der Kinder zu verbessern, kann dies tun mit einer Spende: Freunde der Erziehungskunst, GLS Gemeinschaftsbank, Blz 430 60967, Konto 130 420 10, Stichwort: Sabantwana.

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