Sorge um die Namensgeberin der Indestadt

Von: Annika Kasties
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Vom eingeschleppten Pilz heimgesucht: Die Esche im Stadtwald gehört zu den Sorgenkindern vom städtischen Förster Marco Lacks. Foto: Annika Kasties

Eschweiler. Marco Lacks’ Sorgenkind wird bis zu 40 Meter hoch und eignet sich hervorragend für die Herstellung von Küchen- und Schlafzimmermöbeln: Die Esche im Stadtwald wird zunehmend von einer tückischen Krankheit heimgesucht, dem sogenannten Eschentriebsterben.

Der Eschweiler Förster – verantwortlich für die Wälder in Eschweiler und Würselen – hält die Pilzkrankheit derzeit ordentlich auf Trab. „Das kann man fast nicht bekämpfen. Dieser Pilz bringt Eschen aller Altersstufen zum Absterben.“ Der Übeltäter trägt den blumigen Namen „Hymenoscyphus pseudoalbidus“ oder auch „Falsches weißes Stengelbecherchen“. Er ist vermutlich über den Baltikum nach Europa eingeschleppt worden – und verbreitet sich seit einigen Jahren munter in den heimischen Wäldern.

Die Auswirkungen seinen mitunter gravierend, berichtet Lacks. Da der Pilz den Baum schwäche und somit dessen Standfestigkeit beeinträchtige, bestehe insbesondere an Wegen und Straßen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Betroffene Bäume müssen er und seine Mitarbeiter fällen. Der Pilzbefall der Eschweiler Namensgeberin ist ein Beispiel dafür, wie gebietsfremde Pflanzen-, Tier- und Pilzarten die heimische Flora und Fauna gefährden. Neobiota lautet der übergeordnete Fachbegriff. Und auch im Stadtwald etablieren sich immer mehr Arten, die noch vor einigen Jahrzehnten in gänzlich anderen Breitengraden zu Hause waren.

So auch der Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt. Das Gewächs stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und entwickelt sich in Deutschland zu einem folgenschweren Problem. Nicht nur verbreitet es sich rasant, die Pflanze ist für den Menschen auch giftig. Hautkontakt ruft schmerzhafte Entzündungen hervor. Im Stadtwald habe man die Verbreitung der tückischen Pflanze gut in Griff, berichtet Lacks, regelmäßigem Ausstechen und Mähen sei Dank. Im Bereich der Inde sei das Problem hingegen noch größer.

Auch der Sachalin-Knöterich und das Drüsige Springkraut gehören zu den eingeschleppten Pflanzen, auch Neophyten genannt, die Lacks immer mal wieder im Stadtwald findet. Noch handele es sich lediglich um Einzelfälle. Der Förster bleibt dennoch wachsam. „Das Problem besteht dann, wenn die Pflanzen massenhaft auftreten und die heimischen Gräser verdrängen.“ Auch wenn die Pflanzen keine gesundheitsgefährdenden Auswirkungen auf den Menschen haben wie der Riesen-Bärenklau, verfälschen sie die Flora im Stadtwald, so Lacks.

Eingeschleppte Arten finden Wanderer im Stadtwald aber nicht nur auf dem Boden, sondern mitunter auch hoch in den Baumkronen. In letzter Zeit beobachte der Förster zunehmend tierische Einwanderer der pelzigen Art, auf die die meisten Menschen spontan wohl eher mit Begeisterung als mit Sorge reagieren würden. Die Rede ist von schwarzen Eichhörnchen. Und so unschuldig, wie die Tiere erscheinen, seien sie durchaus nicht immer, meint Lacks. Zumindest nicht, wenn sie in Konkurrenz zu den rötlich-braunen Eichhörnchen treten, wie es ihnen nachgesagt wird. Woher die schwarzen Artgenossen stammen und auf welchem Weg sie nach Eschweiler gelangten, kann der Förster nicht beantworten.

Etwas eindeutiger sei die Sachlage hingegen bei den beiden nordamerikanischen Graskarpfen und den Rotwangenschildkröten, die es sich in einem größeren Weiher im Stadtwald gemütlich machen. „Da wurde wohl bei einigen Leuten das Terrarium zu klein.“ Die Tiere fressen sich seit einigen Jahren munter durch das Gewächs im Wasser. Dass sie den heimischen Bestand der Fische und Kröten beeinträchtigen, kann Lacks nicht abschließend beurteilen. Er befürchtet aber, dass sie die Flora im Gewässer auf lange Sicht verfälschen könnten.

Doch man dürfe nicht alles verteufeln, was neu sei, betont Lacks. Das gelte in der Flora und Fauna ebenso wie in allen anderen Bereichen des Lebens. „Man muss differenzieren“, betont er. Denn gebietsfremde Arten können den heimischen Bestand auch bereichern. Als positives Beispiel nennt Lacks die Douglasie. Der Nadelholzbaum stammt ursprünglich aus Nordamerika. Seit rund 60 Jahren bietet er aber auch im Eschweiler Stadtwald Wanderern Schatten. Lacks’ Vorgänger haben den Baum gezielt gepflanzt, da er sowohl Hitzeperioden als auch dem milden Wintern trotze. „Mit der Sommertrockenheit kommt die Douglasie besser zurecht als die heimische Fichte.“ Zudem sei das Holz des nordamerikanischen Baums eine gute Alternative zur beliebten Fichte. Diese werde im Stadtwald zunehmend zurückgebaut, weil sie sehr windanfällig sei und sich besser fürs Mittelgebirge eigne. Aus diesem Grund sei auch die nordamerikanische Roteiche gepflanzt worden.

Für Lacks ist die Douglasie die Zukunftsbaumart für den Klimawandel. Auch wenn die Ursachen des Klimawandels mitunter noch heiß diskutiert würden, stehe für den Förster außer Frage, dass sich das Klima verändert. „Der Klimawandel ist spürbar, das können wir nicht von der Hand weisen. Wir müssen den Wald darauf vorbereiten, und wenn es mit fremdländischen Bäumen ist.“

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