Eschweiler - Sonntag, Sonne, 27 Grad: Freibad zu!

Sonntag, Sonne, 27 Grad: Freibad zu!

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Am Wochenende liefen die Freibad-Besucher vor ein vergittertes Tor. An beiden Nachmittagen war trotz sommerlicher Temperaturen von bis zu 27 Grad der Dürwisser Freibad geschlossen. Das ist kein Einzelfall, sondern die Regel, beteuern Stammgäste des Freibads. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Das Freibad in Dürwiß soll eigentlich samstags und sonntags bis 20 Uhr abends geöffnet sein. Außer bei Dauerregen, Sturm oder Kälte. Tatsächlich aber wurde das Bad in dieser Saison mit einer einzigen Ausnahme an allen Wochenenden um jeweils 13 Uhr geschlossen, selbst bei Sonnenschein und Temperaturen weit über 20 Grad.

Jetzt beschweren sich Badegäste und äußern sogar die Vermutung, die Stadt Eschweiler wolle die Besucherzahlen absichtlich niedrig halten, um das Freibad ganz schließen zu können. Diesem Verdacht widerspricht die Stadt vehement.

„Wasserratten dürfen sich wieder auf Freibadwetter freuen“, war in der Samstagausgabe unserer Zeitung zu lesen, und dazu veröffentlichten wir ein Foto aus dem Dürwisser Freibad, denn: „Sommerliche Temperaturen sind für das Wochenende angekündigt.“ Im Freibad selber war man anderer Ansicht.

Am Samstag und auch am Sonntag wurde das Bad trotz Sonnenschein und Temperaturen weit über 20 Grad bereits mittags geschlossen. Begründung am Sonntag: Gewittergefahr. Die Badegäste wurden nach Hause geschickt bzw. auf das Hallenbad verwiesen.

Das gab Tränen bei Kindern, die sich auf einen Nachmittag im Freibad gefreut hatten, berichtete am Sonntag eine Leserin. Sie hatte am Sonntag um 12 Uhr mit ihrer Familie am Tor gestanden. Da war das Kassenhäuschen schon nicht mehr besetzt. Um 12.20 Uhr wurde die Wasserrutsche gesperrt, wenige Minuten später das Publikum auf das nahe Ende der Badezeit hingewiesen.

Als die letzten Besucher kurz vor 13 Uhr das Bad verließen, zeigte das Thermometer 25,3 Grad im Schatten an. Am Nachmittag stieg die Temperatur weiter, es wurde immer schwüler. Nur von einem Gewitter war weit und breit nichts zu sehen.Die Familie, die mittags mit einem weinenden Mädchen abgezogen war, war mit ihrem Frust nicht allein.

Am Nachmittag, als unser Foto aufgenommen wurde, kamen innerhalb von zehn Minuten dreimal Badegäste – ein Pärchen auf dem Motorrad, dass sich die Helme gleich wieder aufsetzen konnte, ein weiteres Pärchen, bepackt mit Decken, Spielgeräten und Limoflaschen, und eine Cabrio-Fahrerin, die extra aus Alsdorf gekommen war und die es gar nicht fassen konnte, wie in Eschweiler mit Freibad-Besuchern umgegangen wird: Es sei „unfassbar, wirklich ein Frechheit!“

Nach Berichten der Badegäste, die regelmäßig das Bad in Dürwiß besuchen, war das vergangene Wochenende kein Einzelfall. Vielmehr sei es die Regel, dass an den Wochenenden das Freibad nur vormittags geöffnet sei. Eine Besucherin: „In den letzten drei Jahren war es schon ähnlich, aber in diesem Jahr ist es extrem. Sonst war wenigstens an allen Feiertagen garantiert auf, was nun auch nicht mehr der Fall ist.“ Zwar sei das Wetter in diesem Sommer tatsächlich außergewöhnlich schlecht gewesen – aber einige schöne Wochenenden gab es durchaus.

Die aus den Vorjahren frustrierte Besucherin hat in diesem Jahr Buch geführt. Das Ergebnis: Seit Öffnung des Freibads am 9. Mai bis heute war das Bad nur an einem Wochenende auch nachmittags offen.

Das war am 9. und 10. Juli. Und auch da am Samstag „erst nach langer Beratung“ des Schwimmbad-Personals. Der Samstag hatte mittags 24 Grad und blauen Himmel. Am Sonntag allerdings hätte man wirklich keine Ausrede mehr gehabt. An diesem mit 31 Grad bisher heißesten Tag des Jahres kamen dann circa 2300 Badegäste.

An allen anderen Wochenenden jedoch war das Bad nachmittags geschlossen. Die Liste liegt der Redaktion vor, hier ein paar Auszüge. Samstag, 21. Mai: Geschlossen ab 13 Uhr bei 26 Grad Celsius und Sonnenschein. Fronleichnam, 26. Mai: Ganzer Tag geschlossen bei 25 Grad und Sonnenschein. Samstag, 28. Mai: Geschlossen ab 13 Uhr bei 22 Grad und Sonne. Sonntag, 5. Juni: Geschlossen ab 13 Uhr bei 25 Grad und Sonne, um 17 Uhr Gewitter. Samstag, 11. Juni: Geschlossen ab 13 Uhr bei 22 Grad und Sonne. Zusatz dieser Besucherin: „An Wochentagen wird aber eisern bis 20 Uhr durchgezogen, selbst bei 10 Grad plus und Regen!“

Besonders die ganztägige Schließung am Fronleichnamstag sorgte bei den ständigen Besuchern des Freibads für Empörung. Den Zeitungsredaktionen war tags zuvor mitgeteilt worden: „Aufgrund der zu erwartenden Temperaturen an Fronleichnam, 26. Mai, bleibt das Freibad an diesem Tag geschlossen.“ Auf der Internetseite der Stadt Eschweiler sei diese Änderung aber nicht erschienen. Tatsächlich war Fronleichnam ein wunderschöner Sommertag, und die Freibad-Besucher standen scharenweise vor den Gittern des verschlossenen Freibads.

Die Stadtverwaltung versicherte am Sonntag, am Fronleichnamstag habe man das Freibad „entgegen der ursprünglichen Meldung“ geschlossen, weil im Vorfeld für den Tag niedrige Temperaturen gemeldet worden seien. Diese Änderung habe man aber sowohl über eine Pressemitteilung als auch auf der städtischen Internetseite unter „Aktuelles“ kommuniziert. Dass es für den Sonntag im Internet keinen Hinweis auf die Schließung gegeben hat, erklärt die Stadt mit einer technischen Störung der gesamten Internetpräsenz.

Unter den Eschweilern, die Stammgäste im Freibad sind und eine Jahreskarte (Normalpreis 250 Euro) haben, kursiert der Verdacht, dass die Stadt Eschweiler ihr Freibad absichtlich vor die Wand fahren will. „Wir haben den Eindruck, dass man alles dafür tut, dass die Besucherzahlen unten bleiben, damit man das Freibad irgendwann ganz schließen kann.“ Den Eindruck, man wolle Kunden vergraulen, haben die Besucher nicht nur wegen der Öffnungszeiten.

Sie berichten auch von lautstarken Reinigungsarbeiten mit Wasserstrahl schon während der Badezeit, vom Sperren der Rutsche lange vor der Schließung des Bades, von mangelnder Aufsicht und von dem Bemühen, die Badegäste möglichst schon vor dem Ende der ohnehin gekürzten Öffnungszeit loszuwerden: „Da steht man als Frau um halb Eins unter der Dusche, und von draußen ruft der Schwimmeister: Ist da noch jemand?“

Diesem Verdacht wird von der Stadt widersprochen. Das könne er in keiner Weise bestätigen, teilte Stadtsprecher René Costantini mit. Und bittet auch um Verständnis für das Personal: „Die Reinigungsvorgänge werden der jeweiligen Verschmutzung angepasst.“ Und: „Die Rutsche wird ausgeschaltet, wenn kein Bedarf besteht. Sobald Schwimmbadbesucher die Rutsche nutzen möchten, wird diese selbstverständlich wieder freigegeben.“ Eine feste Temperatur, bei der das Freibadpersonal sagt: Heute machen wir früher Schluß! gibt es nicht. Costantini: „Da fließen mehrere Kriterien ein. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Regenwahrscheinlichkeit.“

Die Entscheidung soll stets gegen 10 Uhr fallen, damit man Besucher rechtzeitig, auch im Internet, informieren kann. Und ein Umlenken der Besucher in das Hallenbad sei auch von den Besucherzahlen her sinnvoll: „Aus der langfristigen Erfahrung ist bei schlechter Witterung mit etwa 40 bis 80 Besuchern im Freibad zu rechnen, im Hallenbad mit circa 250 bis 500 Besuchern.“ Allerdings war am vergangenen Wochenende alles andere als „schlechte Witterung“.

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