Songkran-Fest: Der Mönch verteilt Geld als Glücksbringer

Von: Sonja Essers
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Beim Songkran-Fest stehen vor allem die älteren Mitmenschen im Vordergrund. Sie werden, wie auch die Mönche und Buddha-Statuen, mit Wasser beträufelt. Foto: Sonja Essers
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Phra Samut Theesukha (rechts) sammelt gemeinsam mit den anderen Mönchen die vielen Opfergaben der Besucher ein.

Eschweiler. Frische Blumen, exotisches Essen, bunte Gewänder und dazu strahlender Sonnenschein – was sich anhört wie ein weit entferntes Urlaubsparadies, befindet sich mitten in Eschweiler. Die buddhistische Gemeinschaft „Wat Dhammaniwasa“ feierte am Sonntag das Thailändische Neujahrsfest (Songkran) in der Indestadt.

Über 300 Menschen kamen in den Tempel an der Dürener Straße, um gemeinsam zu beten, zu essen und natürlich zu feiern. „Diesen Tag verbringt man in Thailand zusammen mit seinen Familien und Freunden“, erklärt Piyaporn Muangrom, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der buddhistischen Gemeinschaft.

Bereits beim Betreten des Tempels kommt man sich vor, als treffe man gute Bekannte. Auch wenn man der buddhistischen Gemeinschaft nicht angehört, fühlt man sich durch die Gastfreundlichkeit von Beginn an herzlich willkommen. Diese lockt immer wieder viele Neugierige in den Tempel. Das weiß auch Piyaporn Muangrom: „Zu unseren Festen kommen immer viele Besucher von überall her. Wir freuen uns besonders darüber, dass auch immer wieder Menschen aus der Nachbarschaft den Weg zu uns finden, um gemeinsam mit uns zu feiern.“

Beim Songkran-Fest ist die Gemeinschaft besonders wichtig. Darüber freuen sich vor allem die Menschen, deren Familien nicht in Deutschland, sondern in Thailand wohnen. „An diesem Tag können wir den Älteren ein Stück Heimat geben“, sagt Muangrom und fügt hinzu: „Wenn die Familien so weit weg sind, ist es wichtig, dass man nicht allein ist, und bei uns ist es immer so, als würde man mit seiner Ersatzfamilie feiern.“ Auch der respektvolle Umgang miteinander zeigt, wie eng sich die Menschen verbunden fühlen, auch wenn sie nicht miteinander verwandt sind. So ist es in Thailand beispielsweise üblich, dass sich gleichaltrige Frauen als „Schwestern“ bezeichnen und ältere weibliche Mitmenschen mit „Tante“ angesprochen werden.

Das Songkran-Fest selbst beginnt zunächst mit einem Gebet. Mönch Phra Samut Theesukha sitzt mit drei weiteren Mönchen auf einem Podest neben einer überdimensionalen goldenen Buddha-Statue, während die übrigen Anwesenden davor knien. „Noch ist es hier etwas laut“, gibt Muangrom zu und ergänzt: „Aber sobald das Gebet beginnt, werden alle Anwesenden ganz ruhig sein.“ Nur wenige Minuten später wird es dann still und alle lauschen konzentriert den Worten des Mönches.

Danach steht die Opferung an. In Thailand ist es üblich, dass man in den Tempeln Reis, Früchte und weitere Speisen opfert. Diese Tradition wird auch in der buddhistischen Gemeinschaft „Wat Dhammaniwasa“ gepflegt. Alle Anwesenden stellen sich in einem großen Kreis auf und opfern den Mönchen ihre Gaben. Am Ende dieses Rituals finden sich neben Bananen und Gebäck auch Reis in den Töpfen der Mönche. Währenddessen bereiten einige Thailänderinnen aus den vielen weiteren mitgebrachten Speisen ein Buffet vor. „Die verschiedenen Gerichte, die wir heute essen, sind ausschließlich Spenden von unseren Besuchern“, berichtet Muangrom. Es lässt sich kaum beschreiben, wie viele verschiedene Köstlichkeiten gereicht werden, von denen zunächst die Mönche kosten dürfen. Anschließend greifen auch die Besucher zu. Selbst so manches Sternerestaurant wäre wohl mit der Herstellung von so vielen verschiedenen Gerichten überlastet. Bei den Thais ist dies jedoch nicht der Fall. Nur die deutschen Gäste scheinen mit der großen Auswahl, die sich auf Vor-, Haupt- und Nachspeisenbuffets verteilt, überfordert.

Während die Besucher das Essen genießen, nutzen die Mönche die Zeit, um Glücksbringer in Form der thailändischen Währung „Baht“ zu verteilen. Dann beginnt die eigentliche Zeremonie.

Dominierten in der Mittagspause vor allem Lachen und heitere Gespräche, so wird es während der Meditation dermaßen still, dass man selbst in dem mit Teppichen ausgelegten Raum eine fallende Stecknadel hören könnte. Beim Songkran-Fest, das sich auch mit Wasser-Fest übersetzen lässt, werden die Buddha-Figuren, die Mönche und die älteren Mitmenschen mit Wasser beträufelt. Auf diese Weise wünschen sich die Menschen aus Thailand alles Gute für das neue Jahr. „Im April ist es in Thailand sehr heiß“, erklärt Muangrom und ergänzt: „Das Wasser, mit dem die Menschen begossen werden, segnet sie nicht nur, sondern kühlt sie auch gleichzeitig ab.“ Erneut stellen sich alle Anwesenden auf, um zunächst Figuren, dann Mönche und ältere Menschen mit dem Wasser zu segnen.

Sobald der offizielle Teil beendet ist, feiert man gemeinsam. Zu den Klängen traditioneller Musik singt und tanzt man. Für einige Gäste ist der Ausflug in den Tempel jedoch schon vorher beendet. „Heute hatten wir Besucher, die aus München, Hamburg, den Niederlanden und Belgien angereist sind“, sagt Muangrom. Sie traten ihre Heimreise früher an.

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