Eschweiler - Solidarität „hat nicht mehr den Stellenwert von einst”

Solidarität „hat nicht mehr den Stellenwert von einst”

Von: ran
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Fordern Solidarität unter den Arbeitnehmern: Albert Borchardt (links), Sprecher der Eschweiler Linken, und Gewerkschaftssekretär Ludger Bentlage. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise nimmt weiter Fahrt auf und trifft auch immer mehr deutsche Unternehmen. Gibt es Auswege? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Unter der Überschrift „Global denken - Lokal handeln” lud nun „Die Linke Eschweiler” zur Podiumsdiskussion in den Talbahnhof ein.

Albert Borchardt, Sprecher der Eschweiler Linken, diskutierte als Moderator mit Ludger Bentlage, Sekretär der Gewerkschaft „Nahrung, Genuss, Gaststätten”, Region Aachen, sowie mit seinen Kölner Parteifreunden Astrid Kraus und Alexander Recht.

„Dabei geht es um die praktische Frage, was wir vor Ort tun können”, betonte Ludger Bentlage. Die Konjunktur sichern und die Nachfrage stärken seien die Antworten.

„Die Reallohnverluste der jüngeren Vergangenheit haben die Binnennachfrage geschwächt. Deshalb gilt es, in Tarifverhandlungen Lohnerhöhungen durchzusetzen”, so der Gewerkschaftssekretär. Da die Arbeitgeber aber nicht von Vernunft geprägt seien und sich dies auch durch die Krise nicht verändere, sei nun Solidarität unter den Arbeitnehmern gefragt.

Doch gerade daran hapere es noch. „Die Menschen sind heutzutage individualisiert. Solidarität hat nicht mehr den Stellenwert, den sie einmal hatte”, beklagt Bentlage.

Als seine wichtigste Aufgabe sieht er das Gespräch mit Arbeitnehmern, um diese über ihre Rechte zu informieren. „Wir müssen für einen Mindestlohn streiten”, fordert der Gewerkschaftler, der auf größere Bewusstseinsbildung unter den Arbeitnehmern setzt.

„Wir werden viel Aufklärungsarbeit leisten müssen, um deutlich zu machen, dass wir eine andere Politik wollen.”

Alexander Recht war zuvor auf die ökonomischen Ursachen der Wirtschaftskrise eingegangen. Eine der wichtigsten Gründe sei das Überangebot an Kapital.

„In der Automobilindustrie ist eine Überkapazität von 30 bis 40 Prozent zu verzeichnen. Es liegen größere Produktions- als Absatzmöglichkeiten vor, was zu sinkenden Renditen führt”, so der Lehrer am Berufskolleg Köln, der zuvor auch an der TH Aachen als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war.

Die Vernachlässigung des Binnenmarktes sowie eine falsche Lohnpolitik seien ebenfalls Ursachen der Krise, merkte Astrid Kraus an.

„Als Exportweltmeister waren die deutschen Unternehmen nicht auf Löhne angewiesen, die es den deutschen Arbeitnehmern ermöglicht hätten, zu konsumieren, schließlich fand man ja im Ausland genügend Abnehmer.”

Weiterhin gelte es, der voranschreitenden Privatisierung entgegenzutreten. „Die öffentliche Hand muss, demokratisch kontrolliert, gestärkt werden.

Dabei darf nicht mehr nur der Aspekt der Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Versorgungssicherheit im Mittelpunkt stehen”, forderte Astrid Kraus, die in einer Verstaatlichung aller Banken jedoch nicht die Lösung aller Probleme sieht.

„Allerdings benötigen wir eine Ökonomie, die sich wesentlich stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Und dazu gehören natürlich öffentliche Sparkassen.”

Um auf die immer größer werdenden Probleme aufmerkasam zu machen, seien soziale Unruhen durchaus wünschenswert, erklärte Albert Borchardt abschließend.

„Das Beispiel Island hat gezeigt, dass es durch sozialen, gewaltlosen Protest möglich ist, eine Regierung zu stürzen und neue gesellschaftliche Hoffnung zu erzeugen”, so der Sprecher der Eschweiler Linken.
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