„Slam gegen Gewalt“: Ein Schulprojekt mit Hintergrund

Von: ran
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Gewalt, Auftritt, Lieder
Eindringliche Texte: Mit drei selbstgeschriebenen Liedern brachten die Darsteller ihre Gedanken zum Thema „Überwinden von Gewalt“ zum Ausdruck. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Der erste Schultag nach den Ferien: Auf Initiative des Direktors ist eine neue, „schuldige“ Klasse gebildet worden. In ihr sind ausschließlich Schülerinnen und Schüler vertreten, die in der Vergangenheit „Probleme“ bereitet haben. Die Jugendlichen sind zum Beispiel mit Drogen in Berührung gekommen, sind als Schulverweigerer aufgefallen, haben gestohlen oder ihren Lehrer tätlich angegriffen. Doch warum eigentlich?

Eine der Aufgaben des neuen Klassenlehrers lautet, die Hintergründe des Handelns seiner Schützlinge herauszufinden. Die Schüler, die sich zunächst kaum kennen, merken ihrerseits, dass sie das eigene Verhalten, aber auch das Handeln ihrer Mitschüler hinterfragen müssen, um miteinander auszukommen und sich kennenzulernen. Sie müssen miteinander reden!

Konflikte und deren gewaltfreie Lösung bilden das Leitthema des Projekts „Slam gegen Gewalt“ des Arbeitskreises „Face – für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“. Seit September des vergangenen Jahres haben Schüler der Gesamtschule Waldschule, der Realschule Patternhof, des Berufskollegs Eschweiler, der Bischöflichen Liebfrauenschule sowie Besucher des Jugendtreffs „Check in“ an der Hehlrather Straße in Zusammenarbeit mit unter anderem der Mobilen Jugendarbeit der Stadt Eschweiler und den indestädtischen Schulsozialarbeitern das selbstverfasste Theaterstück „Die Klasse“ auf die Beine gestellt.

Am Montagabend fand nun auf der Bühne der Aula der Bischöflichen Liebfrauenschule die Premiere des durchaus turbulenten, hintergründigen und mit eindringlichen eigenkomponierten Musikstücken ergänzten Schauspiels statt. Und dabei wurde den Zuschauern und -hörern alles andere als leichte Kost geboten: Denn Krieg, Flucht, Rassismus, Gewalt, Missbrauch und vor allem Angst lauten einige der Schlagworte, die die Schüler umtreiben.

Einige Jugendliche sind in der Lage, über ihre Erlebnisse zu reden, einige suchen andere Wege. So erhält der Klassenlehrer einen Brief eines seiner Schüler, in dem dieser über seine Flucht aus Afghanistan berichtet, während der seine Eltern ihr Leben verloren. Seitdem fühle er sich kalt und abgestumpft, unfähig, Mitgefühl für seine Mitmenschen aufzubringen.

Eine Schülerin, die Mitschüler bestiehlt und sich deren Zorn zuzieht, berichtet, vom leiblichen Vater missbraucht worden zu sein. „Vielleicht erklärt das ja, warum ich so bin wie ich bin?“, fragt sie sich. Doch durch diese Kommunikation untereinander lösen sich Barrieren und die Schüler befreien sich von ihren „dunklen“ Erfahrungen.

„Jeder Schüler verkörpert die Form von Gewalt, die ihm am meisten Angst einjagt“, erklärte Melanie Lumma, Leiterin des Schauspiel-Workshops, vor Beginn der Aufführung. „Die Masken, die die Darsteller tragen, symbolisieren die aufgebauten Fassaden. Doch im Verlauf des Stücks fallen die Masken nach und nach“, erläuterte sie.

Ausdrucksstark interpretierten darüber hinaus die Teilnehmer des Musik-Workshops, der von Michael Heidmann geleitet wurde, ihre Songs „Stop Mobbing“, „Reach your dreams“ und „Wenn du fällst“. Lautstarker und langanhaltender Applaus belohnte die mit großer Energie und Leidenschaft agierenden Schauspieler nach der letzten Szene, die offenbarte, dass Auswege immer gefunden werden könn(t)en, wenn sich Menschen gegenseitig unterstützen.

Eine zweite Aufführung des sehenswerten Theaterstücks „Die Klasse“ findet am Donnerstag, 2. Juni, in der Gesamtschule Waldschule statt. Der Eintritt ist frei. Kartenreservierungen sind unter Telefon 02403/7487460 oder über die E-Mail-Adresse nicole.hillemacher@eschweiler.de möglich. Und auch in Stolberg werden die jungen Schauspieler und Sänger ihr Werk auf die Bühne bringen: Im Rahmen des Schüler-Theaterfestivals gibt es „Die Klasse“ am Freitag, 10. Juni, im Kulturzentrum Frankental.

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