SkF schlägt Alarm: Viel zu wenig bezahlbare Wohnungen

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Immer mehr Menschen in Eschweiler droht wegen wirtschaftlicher Probleme eine Räumungsklage. Dies geht aus dem Bericht des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) hervor, der in seiner Geschäftsstelle an der Peilsgasse unter anderem Beratungen für Menschen in Notlagen anbietet.

So hat sich die Zahl der Menschen, denen ein Rauswurf aus ihrer Wohnung bevorstand, von 30 (2012) auf 61 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander“, teilt Carmen Rosendahl-Küpper von der SkF-Schuldnerberatung mit.

Auch die Zahl derer, die beim SkF Hilfe benötigen wächst. 445 Familien und Alleinstehende nahmen im vergangenen Jahr die Allgemeine Soziale Beratung (ASB) in Anspruch. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es noch 350. Aktuell arbeiten zwei Sozialarbeiterinnen in diesem Bereich. Eine davon ist Barbara Quadflieg, die nicht nur von einer steigenden Fallzahl, sondern auch von einem höheren Umfang der einzelnen Beratungen berichtet. Die Problemlagen der Betroffenen seien zunehmend komplexer und vielfältiger. „Eine personelle Aufstockung wäre natürlich wünschenswert, ist aber aus finanziellen Gründen nicht möglich“, sagt sie.

Auch der Zustrom von Flüchtlingen im vergangenen Jahr machte sich in der Beratungsstelle bemerkbar. Sie wenden sich laut SkF meist mit folgenden Problemen an die Sozialarbeiterinnen: „Sie besitzen teilweise keine oder nur unvollständige Papiere, stecken mitten im Asylverfahren, müssen sich bei verschiedenen Ämtern um finanzielle und soziale Hilfen bemühen und versuchen, ihre meist sehr schwierige Wohnungssituation zu verbessern“, heißt es in dem SkF-Bericht. Das Fazit des Sozialdienstes: „Die Wohnungssituation stellt sich besonders schwierig dar, da es viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt.“ Diese Situation werde sich in den Augen der Beraterinnen in der nächsten Zeit nicht ändern.

Da die überwiegende Zahl der Flüchtlinge nicht über Deutschkenntnisse verfügen, gestalte sich die soziale Beratung schwierig. Dennoch stelle die Beratungsstelle für viele Flüchtlinge die einzige Anlaufstelle dar, bei der man sich über Probleme austauschen könne. Die häufigsten Anlässe der Kontaktsuche: Formularhilfen (18 Prozent), allgemeine Rechtsfragen (16) und Existenzsicherung (13).

Der Bericht rückt nicht nur Flüchtlinge in den Mittelpunkt, sondern richtet seinen Blick auch auf Rentner: „Vor allem Frauen sind im Alter von Armut bedroht“, schreibt Carmen Rosendahl-Küpper. Sie geht davon aus, dass die Zahl der Menschen, die mit dem Ende der Berufstätigkeit in die Armut fallen, weiter steigen wird. Ihre Begründung: „Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die geringen Verdienste während der Berufszeit werden die Renten immer geringer.“ Zudem sei die Zahl der Menschen gestiegen, die trotz Berufsausübung als arm gelten.

Die Arbeit der Beratungsstelle wächst, aber auf anderer Ebene fürchtet der SkF finanzielle Einschnitte von der Städteregion. „Soziale Arbeit steht heute unter einem besonderen Legitimations- und Kostendruck“, berichtet Rosendahl-Küpper. Ihr Vorwurf: Die Fallzahlen seien wichtiger geworden als der nachhaltige Beratungsprozess, bei dem der Ratsuchende im Mittelpunkt stehe und nicht irgendeine Statistik. Manche Bereiche stehen auf der Kippe.

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