„Sieben Mal Sommer“: Leser nehmen am Schnuppergolfen teil

Von: Patrick Nowicki
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Das Einmaleins des Golfens: Beim Abschlag erfolgt die Rotation durch den Oberkörper. Foto: Patrick Nowicki
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Hinweisschilder an den Abschlagsfeldern zeigen die Eigenarten jeder Bahn. Foto: Patrick Nowicki
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Mit einem elektronischen Gerät darf man die Entfernung zum Ziel messen – das ist regelkonform. Foto: Patrick Nowicki
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Golf-Trainer Thomas Schäfer zeigt die unterschiedlichen Schläger in seinem Trolley. Foto: Patrick Nowicki
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Am letzten Loch schaut die Gruppe zu, wie einige Leser erste Versuche beim „Putten“ unternehmen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler/Stolberg. Das Ziel ist 145 Meter entfernt und gut sichtbar. Schließlich markiert eine flatternde Fahne das Loch, wohinein der etwa 50 Gramm schwere Ball geschlagen werden soll. Und das ist gar nicht so einfach, wie nun einige Leser unserer Zeitung erfahren konnten. Sie nahmen am Schnuppergolfen teil, wozu das Haus Kambach im Rahmen unserer Reihe „Sieben Mal Sommer“ eingeladen hatte.

In über zwei Stunden lernten sie alles das kennen, was den Golf prägt: die verschiedenen Schlägertypen, das Putten, das Handicap, den Abschlag und vieles mehr.

Doch der Reihe nach: Gut gelaunt empfangen die Golflehrer Thomas Schäfer und Sven Pohl die Gruppe an der Driving Range. Dort werden die weiten Schläge trainiert. Denn wer einmal den 18-Loch-Golfplatz in Kinzweiler bespielen will, muss zunächst die Platzreife erreichen. Dafür sind einige Übungsstunden mit anschließenden Prüfungen erforderlich. Ein Schnuppergolfen alleine reicht dafür nicht.

Schlägerköpfe eingepackt

Zunächst geht es zur Bahn 17, der vorletzten also, wenn man eine komplette Runde spielt. „Wir wollen vor allem, dass wir Spaß haben“, sagt Thomas Schäfer. Er betreibt in Haus Kambach eine Golfschule und kennt jeden Winkel der Anlage, die Anfang der 90er Jahre eröffnet wurde. In seinem Trolley, mit dem er zum Abschlag schreitet, befinden sich alle Schläger, die man fürs Golfspiel benötigt, die er sogleich mal präsentiert. Alle Schlägerköpfe sind eingepackt – sie würden sonst aneinanderstoßen und andere Schläger beschädigen. Was ein Exemplar kostet, will ein Leser wissen. „Zwischen 400 und 500 Euro pro Schläger, für den Anfang gibt es aber auch günstigere“, sagt Schäfer.

Vor dem Abschlag schauen sich die Spieler die Bahn genau an. Bei Profiturnieren gehen die Spitzensportler rund und notieren sich jede Unebenheit und jeden Winkel. An den Bahnen in Kinzweiler erläutern Hinweistafeln, was die Spieler erwartet, wo sich ein Sandbunker oder sogar ein Wasserloch befinden und grob, welche Höhenunterschiede das Gelände aufweist. All diese Aspekte sind wichtig. „Golfen ist eine der Sportarten, bei denen man die meisten Fehler machen kann und die hoch anspruchsvoll ist“, erzählt Sven Pohl und schiebt lächelnd hinterher: „Aber dafür macht es auch Spaß.“

„Par 3“ steht auf dem Schild am Abschlag geschrieben – dies bedeutet, Bahn 17 sollte man mit drei Schlägen absolvieren. Benötigt man weniger, umso besser. Natürlich bestehen für die verschiedenen Möglichkeiten auch Fachbegriffe in der Golfsprache. Hat jemand einen „Birdie“ erreicht, dann blieb er tatsächlich einen Schlag unter Par, bei einem „Bogey“ musste ein zusätzlicher Schlag herhalten. Und wie war das mit dem Handicap? „Das lässt sich am einfachsten mit Handicap 36 erklären, denn dies bedeutet, dass der Spieler im Schnitt zwei Schläge pro Bahn über Par spielt“, erläutert Sven Pohl.

Für die Leser ist erst einmal zugucken und -hören angesagt. „Aber keine Sorge, ihr dürft gleich auch ausprobieren“, sagt Thomas Schäfer. Man ist per Du – also gar nicht elitär, die Golfer! 145 Meter ist etwa das Loch vom Abschlag entfernt. Frauen dürfen etwas näher ans Ziel ranrücken und bei einer Entfernung von 128 Meter den ersten Schwung wagen. Obwohl die Entfernung angegeben ist, zückt Thomas Schäfer einen elektronischen Abstandsmesser. Der ist auch bei Turnieren erlaubt. „Allerdings darf man keine Wasserwaage oder andere Hilfsmittel benutzen“, teilt er mit.

Zahlreiche Fehlerquellen

Befindet sich der Ball auf dem Pin, beginnt die eigentliche Schwierigkeit. Man kann zahlreiche Fehler alleine beim Abschlag machen. Idealerweise rotiert nur der Oberkörper, die Abschlagfläche des Schlägers zeigt gerade zum Ziel. Da kommt es auf jedes Grad an denn: „Drei Grad Abweichung beim Abschlagswinkel bedeuten etwa 30 Meter Abweichung zum Ziel“, erklärt Thomas Schäfer. Zwei Mal wischt er mit seinem Schläger über das Gras, ohne den Ball zu treffen – als Trockenübung. Dann visiert er den Ball an. Er entscheidet sich für einen Eisenschläger. Dieser garantiert einen flacheren und kontrollierteren, aber auch kürzeren Flug. Der Schlag sitzt, allerdings landet der Ball zu früh im „Fairway“, also dem längeren Gras. Kollege Sven Pohl setzt seinen Abschlag hingegen sauber aufs Grün.

Wer die etwa 400 Quadratmeter betritt, fühlt sich auf einem Hochflor-Teppich: Vier Millimeter kurz und ganz dicht beieinander sind die Grashalme dort. Dies birgt für die Spieler auch manche Tücke, denn gerät der Schlag ein wenig zu fest oder visiert der Spieler das Loch im falschen Winkel an, rollt die Kugel am Loch vorbei. Beim ersten Putt-Versuch aus einem Abstand von etwa zwölf Metern passiert dieses Malheur Professional Sven Pohl, wohingegen Thomas Schäfer den Ball sauber ans Loch chippt. Drei Schläge benötigt – Soll erfüllt! Nein, Moment: Thomas Schäfer packt in seine Tasche und holt eine Pitchgabel hervor. Damit steckt er das Grasstück fest, dass er beim Putten gelöst hat. „Das gehört zur Etiketteregel beim Golfen dazu, schließlich wollen auch nach uns noch Leute Spaß haben“, sagt er. Ganz schön viel zu beachten beim Golfen...

Auf dem Weg zum Loch 18 merken die Leser schon, dass man fürs Golfspiel weite Strecken hinter sich lassen muss. „Etwa zwölf bis dreizehn Kilometer kommen zusammen“, berichtet Thomas Schäfer. Eine ganze Partie über 18 Löchern dauert über vier Stunden. Man kann aber auch weniger Bahnen spielen, die letzte in Kinzweiler führt Richtung Wasserschlösschen. 272 Meter Länge misst sie für die Herren (Damen 240 Meter) mit der Schwierigkeit, dass man das Ziel am Abschlag nicht sehen kann. Also packen die beiden Golflehrer den Driver aus und dreschen den Ball in die Richtung, wo sie das Ziel wissen. Aber Vorsicht! Links lauert ein Wasserloch, rechts vor dem Grün befindet sich ein Sandbunker. Landet der Ball im Wasser, dann ist ein Strafschlag fällig. Gleiches gilt, wenn er über den Rand des Spielfelds segelt, das mit weißen Pfählen markiert ist. Passiert zum Glück nicht. Auf dem Grün des 18. Lochs versuchen sich die ersten Leser dann am Putter.

Erste Übungen

Die Praxis steht auf dem Programm: So bekommen die Leser alle einen Golfschläger in die Hand. Eine Gruppe übt an der „Driving Range“ weite Schläge, die zweite Gruppe locht auf dem „Putting Green“ ein. Die erste Übung hat es schon in sich, denn der Griff des Golfschlägers muss sitzen. Alle Finger befinden sich an dem Griff. Bei dem Schlag gilt zu beachten, dass man leicht die Knie anwinkelt und die Rotationsbewegung mit Oberkörper erfolgt. Um dafür ein Gefühl zu entwickelt, pendeln alle Teilnehmer, dann darf auch schon geschlagen werden. Mit ganz unterschiedlichen Erfolgen, aber mit unbändigem Ehrgeiz. Wer einen guten Treffer gelandet hat, der blickt ungläubig: Wie ist mir das nun gelungen?

Wenige Meter entfernt ist noch mehr Gespür erforderlich. Mit einer Rampe demonstriert Thomas Schäfer, wie der Ball auf die Neigung des Grüns reagiert und wie sie den Weg zum Loch beeinflusst. Es darf geschätzt werden. Wie weit neben dem Loch muss man das Ziel setzen, damit er einen Bogen ins Ziel hinein macht? Die Überraschung für die Teilnehmer: Richtet man die Spitze der Rampe auf einen Punkt etwa 75 Zentimeter neben dem etwa zweieinhalb Meter entfernten Loch, dann rollt die Kugel sauber hinein. Vorausgesetzt natürlich, der Schwung ist nicht zu groß, denn dann holpert der Ball drüber. Nach dieser Demonstration sollen die Leser selbst nach Herzenslust in einem kleinen Parcours mit fünf unterschiedlichen Stationen „putten“. Bei den Übungen geht es vorrangig darum, ein Gespür für den Weg des Balles und die Entfernung zu entwickeln.

Wie im Flug vergehen die zweieinhalb Stunden. „Und? Hat es denn etwas Spaß gemacht?“, fragt Thomas Schäfer in die Runde. Die Antwort ist eindeutig. Das Schnuppergolfen hat begeistert. Und wer bis dato dachte, dieser Sport wäre eher etwas für ältere Menschen, der sah sich spätestens am nächsten Tag getäuscht. Der Muskelkater zeugte davon, dass die wenigen Schläge auf der „Driving Range“ und auf dem Grün ihre Spuren hinterlassen haben. Aber auch da weiß Thomas Schäfer einen Rat: „Am Anfang schlägt man noch sehr verkrampft, das wird mit der Zeit immer lockerer.“

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