Senotel: 96 Senioren müssen ihre Koffer packen

Von: Andreas Röchter
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Betreuung im Senotel: Wegen verschärfter Auflagen muss das Seniorenzentrum gründlich sanieren. Die AGO-Gruppe übernimmt. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Im Jahr 1986 ins Leben gerufen, genießt das Senotel als Alten- und Pflegeheim in Eschweiler einen guten Ruf. 80 Pflegebetten und 16 Plätze in Wohngemeinschaften stehen den Senioren in der Englerthstraße sowie an der Indepromenade zur Verfügung. „Es besteht kein Renovierungsstau, unsere Bewohner fühlen sich wohl”, betont Geschäftsführer Peter Mostert ausdrücklich.

Und doch ist das Senotel momentan nicht zukunftsfähig! Die Bewohner müssen zumindest vorübergehend ihre Koffer packen.

Der Grund: Die rot-grüne Landesregierung stellt ab 2018 höhere Anforderungen an Einrichtungen für Senioren, die im Senotel erhebliche Sanierungsarbeiten unumgänglich machen.

So müssen ab diesem Zeitpunkt unter anderem 80 Prozent der Zimmer als Einzelzimmer ausgewiesen sein und die Bäder vergrößert werden. „Für uns heißt das, die Bäder vollständig zu entkernen”, macht Peter Mostert deutlich. Darüber hinaus wird die Installation eines neuen Außenaufzugs im Innenhof notwendig, ebenso stehen ein neuer Rezeptionsbereich sowie Arbeiten am Notruf, der Elektrik und der Heizung auf der Agenda.

„Gespräche mit dem Architekturbüro haben ergeben, dass die notwendigen Renovierungsmaßnahmen während des laufenden Betriebs eine Bauzeit von rund vier Jahren mit sich brächten. Dies ist weder den Bewohnern noch unseren Mitarbeitern zuzumuten”, so der Geschäftsführer, der im Dezember 64 Jahre alt wird und auch aus diesem Grund die Weichen für die Zukunft des Senotels stellen möchte.

Er ist zuversichtlich, eine „Ideallösung” gefunden zu haben: Denn ab dem 1. Februar 2013 übernimmt die AGO Seniorenzentrum Eschweiler GmbH die Senotel Pflegeheim Betriebs gGmbH. „Aufgrund des Neubaus der Einrichtung am Jägerspfad verfügt das AGO-Seniorenzentrum über ausreichende Kapazitäten, um ab Februar des nächsten Jahres 40 Bewohner der Indepromenade aufzunehmen”, so der Senotel-Gründer.

„Nach dem Umzug wird zunächst die Indepromenade renoviert, anschließend Schritt für Schritt das Haupthaus in der Englerthstraße”, erläutert er die Pläne. Die Dauer der gesamten Baumaßnahme, die am 1. März des kommenden Jahres startet, wird auf 13 Monate angesetzt. Im April 2014 soll sie abgeschlossen sein.

„Danach können die Senioren wieder zurückkehren oder auf eigenen Wunsch auch in der neuen Einrichtung am Jägerspfad wohnen bleiben”, versichert Mathias Neumayer, Geschäftsführer der AGO-Betriebsgesellschaft für Sozialeinrichtungen, die momentan noch ein Haus in der Bismarckstraße unterhält, dieses aber verlassen muss und deswegen einen Neubau am Jägerspfad errichtet (wir berichteten).

Ganz wichtig: Die Übernahme ist ein Betriebsübergang gemäß § 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches, so dass alle Arbeitsplätze der Senotel-Mitarbeiter erhalten bleiben und auch beim neuen Arbeitgeber die gleichen arbeitsrechtlichen Bedingungen gelten. „Ziel ist es, die Einrichtung im Hinblick auf die kommenden Jahrzehnte zukunftsfähig zu machen. Das Qualitätsniveau des Senotels war und ist unstrittig, diesem fühlen wir uns verpflichtet”, blickt Mathias Neumayer, der die Pläne in den vergangenen Tagen den Bewohnern, deren Angehörigen sowie den Mitarbeitern vorgestellt hat, nach vorne.

Die betroffenen Senioren sollen, so teilt zumindest die Heimleitung mit, dem Vorhaben gelassen entgegensehen. „Der anfänglichen Angst folgte das Aufatmen”, beschreibt Pflegedienstleiter Klaus Tiede die Stimmungslage im Haus.

Schließlich ist der Einschnitt nach einem guten Vierteljahrhundert groß: „Zum 1. Februar 2013 beende ich meine Berufstätigkeit als Heimleiter und Geschäftsführer des Senotels”, stellt Peter Mostert klar. „Da ich aber weiterhin Eigentümer der Gesamtimmobilie bleibe und diese an die AGO-Seniorenzentrum GmbH vermiete, werde ich die Umzüge und Baumaßnahmen mit größter Sorgfalt begleiten”, verspricht er. „Ursprünglich Bauingenieur, kehre ich also quasi zu meinen Wurzeln zurück.”

Dennoch: „Eine Entscheidung, die alles andere als leicht fällt”, bekennt seine Frau Cilli Mostert, die als Chefin der Verwaltung fungiert. Erleichtert reagiert auch Bürgermeister Rudi Bertram auf die Nachricht, dass es nach der Übergabe weitergeht. „Das habe ich vor kurzem anders erlebt”, spielt er auf die Schließung des ehemaligen Lynen-Werks an. „Hier wurde verantwortungsvoll gehandelt, die Bewohner und die Mitarbeiter standen bei den Verhandlungen im Mittelpunkt”, so der Verwaltungschef, der den guten Ruf des Senotels und des AGO-Seniorenzentrums betont.

Wie nach der Übergabe der Name der Einrichtung sein wird, ist noch nicht beschlossen. „Aber ich bin sicher, dass der Begriff Senotel enthalten sein wird”, erklärt Mathias Neumayer.
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