Seniorenlotsen: Sie helfen Rentnern durch das Pflege-Dickicht

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Alt, gebrechlich, auf den Rollator angewiesen: Hier sind Seniorenlotsen gefragt. Sie weisen betroffenen alten Menschen und auch ihren Angehörigen Wege durch das Pflege-Dickicht. Foto: Imago/stock&people
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Einen dicken Aktenordner mit hunderten guter Tipps für Senioren und Angehörige hat Gabriela Korsten immer griffbereit. Sie ist eine der beiden ehrenamtlichen Seniorenlotsen in Eschweiler. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. „Da hätte ich mich besser gleich an Sie gewandt!“ ist ein Satz, den Seniorenlotsen kennen. Dass sie ihn kennen, liegt aber daran, dass noch viele Leute die Seniorenlotsen nicht kennen. In Eschweiler gibt es bereits zwei Lotsinnen. Sie beraten ehrenamtlich und kostenlos ältere Menschen und deren Angehörige.

„Als meine Schwiegermutter pflegebedürftig wurde, bin ich von Pontius zu Pilatus gelaufen“, erinnert sich Gabriela Korsten. Sie wohnt in Röhe und ist eine der beiden Eschweiler Seniorenlotsinnen. Jetzt möchte sie ihr mühsam erarbeitetes Wissen weiter geben und etwas dazu beitragen, dass andere Menschen in der gleichen Lage es einfacher haben. Da kam das Angebot der Städteregion Aachen, ehrenamtliche Seniorenlotsen auszubilden, gerade recht.

Nicht jeder Menschen bleibt rüstig bis ins hohe Alter. Wenn Senioren pflegebedürftig werden, gibt es plötzlich Fragen, mit denen man sich vorher nie befasst hat: „Wo gibt es Essen auf Rädern und wie komme ich da dran?“ oder „Mein Vater wird dement – wissen Sie, wer mich da beraten kann?“ Die vielen Bestimmungen, Gesetze und Fördermöglichkeiten, aber auch die unterschiedlichen Zuständigkeiten wirken zunächst wie ein Dschungel. Gabriela Korsten: „Dass man zum Beispiel einen Rollstuhl auf Rezept kriegt ab einer bestimmten Pflegestufe, das wissen die Leute einfach nicht.“ Und viele Menschen trauen sich auch nicht, bei ihrer Krankenkasse um Hilfen nachzufragen, berichtet sie. „Dabei finanzieren die Kassen ziemlich viel!“

Als erste Wegweiser im Pflege-Dschungel bildet die Städteregion Aachen seit 2015 Seniorenlotsen aus. „Wir machen Kümmerer“, formuliert es Stephan Löhmann knapp. Löhmann ist Pflegeberater der Städteregion Aachen und stolz auf das Projekt mit den Seniorenlotsen. Das wird inzwischen anderswo im Land Nordrhein-Westfalen bereits nachgemacht, zum Beispiel in Arnsberg.

Nach einem ersten Kursus im Jahr 2015 mit 15 Teilnehmern, unter ihnen auch Gabriela Korsten, erhielten jetzt zwölf weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Urkunden für die absolvierte Ausbildung zum Seniorenlotsen. Die Teilnehmer haben sich in 26 Unterrichtsstunden auf die Beratungen vorbereitet. Da ging es unter anderem um Kranken- und Pflegeversicherung, um verschiedene Versicherungsformen, um das ganze Spektrum der Beratungsangebote für Senioren und deren Angehörige. Themen wie Demenz, Patientenverfügung und Wohnungsanpassung im Alter wurden angesprochen, die Angebote der Hospizpflege vorgestellt.

Einen dicken Ordner mit Informationsmaterial, Verordnungstexten, Telefonnummern und Namen von Ansprechpartnern hat Gabriela Korsten seitdem immer griffbereit neben ihrem Computer liegen. Und wenn jemand Rat sucht, bringt sie nicht nur diesen dicken Ordner mit, sondern – ganz wichtig – Geduld und Zeit zum Zuhören.

Wie notwendig solche Lotsen sind, weiß Stephan Löhmann aus seiner täglichen Arbeit. „In der Städteregion sind rund 80 000 Menschen über 70 Jahre alt. Die meisten von ihnen wollen auch bei zunehmendem Hilfebedarf möglichst lange selbstbestimmt und selbständig in der eigenen Wohnung bleiben“, benennt er eines der wichtigsten Themen für Beratung. „Seniorenlotsen wissen, wo diese Menschen die jeweils erforderliche Unterstützung erhalten.“ Vor allem, wenn ältere Menschen pflegebedürftig werden, sei der Beratungsbedarf groß. In der Städteregion gibt es rund 21 000 Pflegebedürftige, und rund drei Viertel davon werden zu Hause versorgt, meist von den Angehörigen.

Nach 26 Unterrichtsstunden kann natürlich niemand erschöpfend Auskunft geben zu komplizierten rechtlichen Fragen. Das ist aber auch gar nicht nötig. Die Seniorenlotsen sollen als erste Ansprechpartner für ältere Menschen und deren Angehörige Kontakte zu den richtigen Behörden und Dienststellen vermitteln, sie sollen den Menschen, die sich ratsuchend an sie wenden, unnötige Lauferei ersparen. Das hat für beide Seiten Vorteile, weiß Beraterin Korsten: „Wenn ich auf einer Dienststelle anrufe und sage, ich bin von den Seniorenlotsen, kann ich gleich mal mit jemandem vorbeikommen – dann machen sie doch die Türen auf, das ist für die doch auch einfacher.“

Die Größe ihrer Zielgruppe können die Seniorenlotsen sich ein wenig selbst aussuchen: Familie und Freunde natürlich, der Bekanntenkreis, aber auch die Nachbarschaft im Wohnviertel. Sie können ihr ehrenamtliches Beratungsangebot aber auch in der ganzen Stadt öffentlich machen. Eigentlich, findet Löhmann, seien zwei Seniorenlotsinnen für ganz Eschweiler ja viel zu wenig.

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