Eschweiler - Senioren-Dorado oder weiterhin Energiestadt?

Senioren-Dorado oder weiterhin Energiestadt?

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Den demographischen Wandel als Chance begreifen: Die Indestädter werden statistisch gesehen älter und weniger. Darauf muss sich eine Stadt frühzeitig einstellen. Foto: ddp

Eschweiler. Liegt die Zukunft Eschweilers auf der anderen Seite des Atlantiks? Dort, im US-Bundesstaat Arizona, liegt „Sun City”. Ein wahres Rentner-El-Dorado. Pflege, Wellness, barrierefrei und Sonne von morgens bis abends, 365 Tage im Jahr.

Und noch etwas Amerikanisch-Verrücktes zeichnet „Sun City” aus, wie Kerstin Schmidt im Eschweiler Ratsaal verriet: In die 40.000-Senioren-City dürfen Menschen unter 50 Jahren nur einmal pro Monat rein - und zwar für höchstens vier Stunden. „Wir müssen uns also fragen, was wollen wir für unsere Stadt”, blickte die Gründerin des Beratungsunternehmens „Demographie lokal” in die Gesichter der rund 50 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Verbänden, die die Auftaktveranstaltung der Stadt Eschweiler und der Städteregion zum Thema „Demografischer Wandel” besuchten.

Es ist wohl weniger eine „Sun City”, die Bürgermeister Rudi Bertram vorschwebt, wenn er von der Zukunft Eschweilers spricht. Doch er weiß: „Der Demografische Wandel ist ein Thema, das sehr schwer zu greifen ist. Er ist aber schon da”, möchte Bertram vor allem die Chancen sehen, die damit verbunden sind.

„Wir werden immer weniger, älter und bunter”, stellte zuvor Städteregionsrat Helmut Etschenberg fest. Der 62-Jährige, der sich selbst mit einem Schmunzeln und Hinweis auf sein ergrautes Haar zur Gruppe der „Silver Ager” zählte, machte mit Blick auf die zehn Städteregionskommunen deutlich: „Wir müssen das Thema aufgrund einer wissenschaftlich fundierten Analyse lokal sehr individuell anpacken.”

Genau diesen Ansatz verfolgt die Stabsstelle Kultur, empirische Forschung und Gleichstellung. Dr. Nina Mika-Helfmeier, Dr. Gabriele Veldkamp, Jessica Lerche und Antje Rüter stellten den Demografischen Wandel in Bezug auf Eschweiler vor. Wie sieht die Bevölkerungsstruktur im Jahr 2030 aus? Wie stellt sich das Verhältnis von Alten und Jungen dann dar? Welche Auswirkungen hat dies auf das öffentliche Leben, auf die Infrastruktur, auf die Jugend-, Familien- und Seniorenpolitik?

Erste Erkenntnisse: „Das Alter ist nicht mehr so homogen”, fasste Antje Rüter zusammen. Zusammen mit ihren Kolleginnen leitete sie im Anschluss an einige Vorträge drei Arbeitsgruppen, in denen die Auswirkungen des Demografischen Wandels speziell auf Eschweiler diskutiert und analysiert wurden. Denn eines, unterstrich Moderatorin und AZ/AN-Redakteurin Jutta Geese bei der gut vierstündigen Veranstaltung, sei klar: „Die Daten haben, ist das eine. Die Daten nutzen, das andere.” Reine Rechenspiele, wie sich Einwohnerzahlen entwickeln und so das Stadtbild der Zukunft theoretisch beeinflussen könnten, bringen rein gar nichts.

Daher wurden Chancen und Risiken der Indestadt fleißig an konkreten Beispielen diskutiert. Eschweiler als Energiestadt, als Stadt am Wasser, als Kooperationspartner von Hochschule und Wirtschaft, aber auch: Eschweiler mit dem Image einer Seniorenstadt. Vieles ist möglich und denkbar.

Wenn es nach dem Willen von Stadtkämmerer Manfred Knollmann und Bürgermeister Bertram geht, soll in Zusammenarbeit mit der RWTH eine sogenannte Kleinraumanalyse entstehen. Titel: „Erfordernisse und Optionen der zukunftsfähigen Ausgestaltung der kommunalen Daseinsfürsorge in der Stadt Eschweiler im Rahmen des Demografischen Wandels”. Für den Kämmerer eine notwendige Investition in die Zukunft.

Doch vieles steht und fällt mit den Finanzen, darüber waren sich alle Teilnehmer auch mit Blick auf die demografische Entwicklung einig. Mika-Helfmeier machte trotzdem Mut: „Wir haben heute eine Basis geschaffen.” Ziel sei es nun, dass Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam in einem „Kompetenzgremium für die Zukunft” Chancen des Demografischen Wandels für Eschweiler erarbeiten.

Eschweiler im Wandel der Zeit: Weniger junge, mehr alte Menschen

Während in Eschweiler momentan mehr Menschen sterben als geboren werden, ist das Wanderungssaldo positiv. Das heißt: Es ziehen Menschen an die Inde als wegziehen. 1032 Personen, die 2008 aus ehemals Kreis und Stadt Aachen nach Eschweiler zogen, stehen 832 Abgewanderte gegenüber.

Eschweiler gehört zu den fünf Kommunen der Städteregion, die bis 2030 mit abnehmenden Einwohnerzahlen rechnen müssen. Die weiteren Städte: Stolberg, Alsdorf, Simmerath und Monschau.

Bevölkerungszuwächse werden für Würselen, Herzogenrath, Roetgen, Baesweiler und Aachen erwartet.

Die Indestadt verliert laut der Prognosen deutlich Einwohner in der Gruppe der 5- bis 20-Jährigen. Waren es 2008 noch 8844, werden es 2030 nur noch 7110 sein, was ein Verlust von 19,6 Prozent bedeutet. Die Altersgruppen der 65- bis 80-Jährigen Jahre (von 8530 auf 11.080, plus 29,9 Prozent) und der Über-80-Jährigen (von 2820 auf 3570, plus 26,6 Prozent) legt der derweil kräftig zu.
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