Selbst in der „Chemo“ ist Sport wichtig

Von: Sonja Essers
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Sport in der Krebsnachsorge: Mit Gleichgesinnten die Fitness zu verbessern, gibt den Betroffenen neue Kraft. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Ein Leben ohne Sport kann sich Inge Schmitz (Name von der Redaktion geändert) nicht mehr vorstellen. Krafttraining, Aerobic und Wassergymnastik stehen Woche für Woche auf ihrem Programm. „Es ist toll, wie gut man sich danach fühlt“, sagt sie und lächelt. Es gab allerdings auch andere Zeiten.

In diesen schaffte die Indestädterin gerade einmal wenige Schritte hintereinander. Was dann folgte, war für sie eine Tortur. „Danach war ich völlig außer Atem und musste erst einmal eine Pause machen. Sobald es schon eine kleine Steigung gab, war ich überfordert“, erinnert sie sich und fügt an: „Damals war ich körperlich total am Boden.“ Der Grund dafür: Inge Schmitz litt an Brustkrebs.

Regelmäßige Bewegung

Erst durch die regelmäßige Bewegung nach der Chemotherapie kehrte ihre Fitness Stück für Stück wieder zurück. Wie wichtig Bewegung für Krebspatienten ist, weiß Anne Piepel-Taeger. Sie ist Sportlehrerin und Sporttherapeutin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler und meint: „Eine falsche Schonung macht keinen Sinn.“ Aus diesem Grund veranstaltet die Stiftung „Leben mit Krebs“ ab dem heutigen Samstag die Aktionswoche „Sport und Bewegung für Menschen mit Krebs“. Auch das Eschweiler Hospital wird sich an der Veranstaltung beteiligen (siehe Box).

Derzeit gibt es am Eschweiler Krankenhaus drei Sportgruppen, die unter dem Namen „Sport in der Krebsnachsorge“ aktiv sind. Betroffene gebe es jedoch auch in zahlreichen anderen Gruppen. „Es gibt auch Patienten, die eine solche Gruppe scheuen, weil sie denken, dass dort nur über die Krankheit gesprochen wird. Das muss man akzeptieren“, berichtet Piepel-Taeger.

Inge Schmitz hat diesbezüglich andere Erfahrungen gemacht. „Man ist unter Gleichgesinnten, aber die Krankheit steht nicht immer im Vordergrund.“ Schmitz schätzt vor allem die Gemeinschaft, die sich in der Gruppe gebildet hat. „Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, und ich denke, dass es hier durchaus besser ist, als in einem Sportstudio.“

Dass die individuelle Betreuung der Patienten oberste Priorität hat, weiß Privat-Dozent Dr. Peter Staib, Leiter der Klinik für Hämatologie und Onkologie am St.-Antonius-Hospital, zu berichten. Allerdings: Ab wann mit dem Sport begonnen werden kann, hängt sowohl vom Alter, als auch vom Fitnessgrad des Patienten ab. Bereits während der Chemotherapie sei es manchmal durchaus möglich, sich sportlich zu betätigen. Entsprechende Geräte wurden vom Förderverein angeschafft. So ist es mittlerweile sogar möglich, dass die Betroffenen im Zimmer oder sogar im Bett trainieren.

Staib erlebt trotzdem immer wieder, wie überrascht die Patienten von diesem Angebot sind. „Für die meisten bedeutet es, etwas zu tun, indem sie etwas gegen die Schmerzen einnehmen. Oft sind die Patienten aber überrascht, wenn man sagt, dass sie sich gesund ernähren und bewegen sollen.“ Schließlich könne man auf diese Weise Folgen und Nebenwirkungen der Krankheit lindern.

Bereits im Jahr 1990 wurde die erste Sportgruppe, die sich mit dem Thema Krebs auseinandersetzt, am Hospital gegründet. Die Indestadt gehört damit zu den Vorreitern. Schließlich belegte die Wissenschaft erst Mitte der 2000er Jahre, wie wichtig Sport für Krebspatienten tatsächlich ist. Das weiß auch Staib. „Wir haben weniger Patienten auf den Intensivstationen und bei Brustkrebs kann das Risiko, dass die Krankheit wieder auftritt teilweise sogar um bis zu 50 Prozent gesenkt werden.“

Doch wie kann man sich das Sportprogramm eigentlich vorstellen? Übungen zum Gleichgewicht und Muskelaufbau sind genauso wichtig, wie beispielsweise Übungen zur Vorbeugung von Stürzen.

Das Prinzip der Gruppen, in denen jeweils bis zu 15 Teilnehmer Sport treiben, erklärt Piepel-Taeger so: „Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. Die Teilnehmer werden behutsam wieder an den Sport herangeführt. Wir leiten sie zwar an, sind aber nicht die Chefs. Jeder entscheidet selbst, wie weit er gehen kann.“ Und ganz wichtig: Sport gibt Selbstwertgefühl zurück...

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