Seit 25 Jahren unermüdlicher Einsatz für Europa

Von: Andreas Röchter
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Die Antriebsräder des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ mit dem Präsidenten des Europäischen Parlaments: Martin Schulz lobte den Enthusiasmus und den Kampfgeist, den Geschäftsführerin Annelene Adolphs und GPB-Präsident Peter Schöner seit 25 Jahren täglich für Europa unter Beweis stellen, in höchsten Tönen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es hat sich viel getan: Als Peter Schöner und Annelene Adolphs gemeinsam mit einigen Mitstreitern am 1. September 1991 den Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) ins Leben riefen, zählte die Europäische Union zwölf Mitgliedstaaten (aktuell 28).

An Beitritte von Ungarn, Polen, Tschechien oder der Slowakei (alle 2004) war noch überhaupt nicht zu denken. Und doch haben die Verantwortlichen der GPB im zurückliegenden Vierteljahrhundert zu zahlreichen Diplomaten auch und gerade dieser noch jungen EU-Mitgliedstaaten gewinnbringende Kontakte knüpfen können. Am Freitagabend waren nun zum Jubiläumsempfang aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Vereins im Raum van Gogh des Hotels De Ville unter anderem die Generalkonsuln Italiens, Griechenlands und Ungarns zugegen. Dazu ein gebürtiger Indestädter, der vor gut 60 Jahren das Licht der Welt in Hehlrath erblickte, und zur Zeit wie kaum ein anderer für Europa steht und einsteht: Niemand anderes als Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, hielt die Festrede und fand bewegende Worte in einer Zeit, „in der Mut notwendig zu sein scheint, um positiv über Europa zu reden“.

Als Bewohner eines Kontinents, der Jahrtausende lang keinen Tag ohne Krieg gekannt habe, dürften die Europäer niemals vergessen, dass die Europäische Einigung 70 Jahre Frieden gebracht habe. „Ich gehöre zur ersten Generation, die von sich behaupten kann, keinen Krieg erlebt haben zu müssen. Doch inzwischen sind wir so weit, dass Menschen aussprechen, dieses als ‚Friedensdividende‘ bezeichnete unfassbare Glück interessiere doch keinen mehr“, empörte sich Martin Schulz und nannte diese Entwicklung „dramatisch“. Er selbst sei durch zwei „Historische Bewegungen“ beeinflusst worden: Zum einen durch die Ostpolitik Willy Brandts, die unter der Überschrift „Wandel durch Annäherung“ zur ersten Entspannung im Kalten Krieg geführt habe. Und zweitens durch den Fall des Eisernen Vorhangs bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands, bei der Helmut Kohl instinktiv richtig gehandelt habe und „für ein europäisches Deutschland und nicht für ein germanisiertes Europa“ eingetreten sei. Doch aktuell erklärten immer mehr Menschen all dies für falsch, in dem sie für nationale Währungen, Grenzen und für Politik gegen andere einträten. Klar sei, dass Europa alles andere als perfekt ist: „Europa ist der reichste Kontinent, aber nicht jeder Europäer ist reich. Doch der schlechteste Tag der europäischen Integration ist besser als der leuchtendste einer Diktatur“, so der EU-Parlamentspräsident.

Viele Fragen müssten gestellt werden: Warum reicht ein Vollzeit-Arbeitsplatz nicht aus, um die Miete bezahlen zu können? Warum ist es möglich, dass multinationale Konzerne so gut wie keine Steuern zahlen? „Europa muss den Menschen wieder das Gefühl geben, sich um ihre individuellen Schicksale zu kümmern! Ich rede in Brüssel fast ausschließlich über Milliarden. Aber für 95 Prozent der Bevölkerung sind 1000 Euro verdammt viel Geld. Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass wir genau über diese 1000 Euro reden!“, forderte Martin Schulz. Einen Zaun um sein Land zu ziehen und zu glauben, die Globalisierung zöge somit vorbei, sei definitiv nicht zielführend. „Kein Mensch, der vor Mord und Vergewaltigung geflohen ist, lässt sich von einem Zaun aufhalten“, ging der Sozialdemokrat auch auf das Thema Flüchtlinge ein. Es könne keine kleinteiligen Antworten auf globale Herausforderungen geben. Aber bei weitem nicht jede Herausforderung habe globalen Charakter. „Global denken, lokal handeln“, erinnerte er an einen früheren Leitgedanken, der es wert sei, wieder hervorgeholt zu werden. Eindeutig sei aber auch, dass die Welt nicht auf Europa warte. „Wir wissen dies alles und lassen trotzdem zu, dass alles schlecht geredet wird. Wir wissen alle, was passieren würde, wenn die EU zusammenbricht. Nichts würde besser werden!“ Die Mobilisierungskraft liege derzeit jedoch auf Seiten derer, die zerstören wollten. Hoffnung machten aber unter anderem die Menschen, die sich innerhalb des Europavereins GPB dem Kampf für Europa widmeten und damit eine ganz wichtige Aufgabe erfüllten. „In Europa muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist“, schloss Martin Schulz seine Ausführungen, für die er stürmischen Applaus der Zuhörer im vollbesetzten Saal erhielt.

Zum Auftakt des Jubiläumsempfangs hatte der Vorsitzende Peter Schöner kurz auf 25 Jahre GPB zurückgeblickt, die viele Höhen und auch einige Tiefen gesehen hätten. „Bei der Gründung haben böse Zungen vorhergesagt, dass der Verein wohl nur eine Lebenszeit von ein bis zwei Jahren haben werde. Doch die GPB zeichnet aus, dass die Mitglieder immer wieder neue Ideen entwickeln und Herausforderungen annehmen“, so der Gastgeber.

Bürgermeister Rudi Bertram hob hervor, dass es sich beim Engagement der GPB‘ler stets um ehrenamtliche Arbeit handele. „Die GPB strahlt weit über die Region hinaus und holt immer wieder hochkarätige Gäste nach Eschweiler. Das Thema ‚Europa‘ lebt in den Herzen der Indestädter. Und dazu hat der Europaverein viel beigetragen!“, so der Verwaltungschef. GPB-Mitglied Karl-Heinz Lambertz, ehemaliger Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) und aktueller Präsident des Parlaments der DG, zitierte zu Beginn seines kurzen Grußwortes Papst Franziskus: „Was ist mit dir los, humanistisches Europa?“, lautete die Frage. Habe zur Gründungszeit der GPB Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts unmittelbar nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine große Europabegeisterung geherrscht, bringe man derzeit die Menschen vor allem in Stimmung, wenn man auf und über Europa schimpfe. „Das Motto lautet: An allem Unglück dieser Welt sind die Politiker in Brüssel Schuld“, kritisierte Karl-Heinz Lambertz. Doch Äußerungen wie die des US-Präsidenten Barack Obama, Europa sei eine der größten Leistungen unserer Zeit, machten deutlich, dass es keine wünschenswerte Alternative gebe. „Selbst ein großes und starkes Land wie Deutschland kann die anstehenden Herausforderungen nicht alleine bewältigen. Von Belgien oder der Deutschsprachigen Gemeinschaft ganz zu schweigen!“

Um das in Schieflage gekommene Europa wieder auf Kurs zu bringen, sei es notwendig, eine vor allem sozialpolitisch erfolgreiche Union zu schaffen. „Aus den Regionen muss ein Schub erfolgen, der Europa wieder in die Köpfe und die Herzen der Menschen eindringen lässt. Deshalb sind 25 Jahre GPB eminent wichtig. Vergleichbare Arbeit muss überall in Europa stattfinden. Die GPB wird von Menschen getragen, die anpacken!“

Weitere Grußworte an die Jubilare richteten der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck sowie GPB-Mitglied Detlef Wendt, Präsident des thüringischen Landesamtes für Verbraucherschutz. Nach der Feierstunde hatten die internationalen Gäste die Gelegenheit, sich in Gesprächen auszutauschen. Miteinander reden – einer der Leitgedanken der GPB seit 25 Jahren.

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