Seelsorger suchen Ehrenamtler für Bereitschaftsdienst in der Nacht

Von: Andreas Gabbert
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Das Seelsorgeteam im St.-Anton
Das Seelsorgeteam im St.-Antonius-Hospital will einen „Ehrenamtlichen Seelsorge Bereitschaftsdienst in der Nacht” aufbauen: (v.l.) Christoph Graaf, Ulrike Sommer, Thomas Kolligs und Theo Wellens.

Eschweiler. Niemand soll alleine sterben. Deshalb will das Seelsorgeteam im St.-Antonius-Hospital einen ökumenisch ausgerichteten nächtlichen Bereitschaftsdienst aufbauen, bei dem Ehrenamtliche zu Sterbenden oder Verstorbenen und deren Angehörigen gerufen werden können.

„Es geht darum, da zu sein, Kontakt aufzunehmen, zuzuhören, auszuhalten und auf Wunsch zu beten”, sagt der Leiter des Seelsorgeteam, Pfarrer Christoph Graaf.

Der nächtliche Dienst am Sterbebett ist für die Hauptamtlichen neben ihren anderen Aufgaben nicht zu leisten. „Es gibt immer weniger Mitbrüder”, erklärt Graaf. Viele Menschen wünschten sich in ihren letzten Stunden aber einen Pastor an ihrer Seite. Der Wunsch nach einem Pastor ist für Graaf aber ein Synonym für den Wunsch nach seelsorgerischer Begleitung. „Egal wer zu den Leuten kommt, wir können viel Gutes tun”, ist Graaf überzeugt.

Dabei soll der neue Bereitschaftsdienst kein Ersatz für „etwas Altes” sein, das Seelsorgeteam möchte etwas Neues auf die Beine stellen. In dem ökumenischen Projekt sollen Christen aller Konfessionen eingebunden werden, wie die evangelische Krankenhauspfarrerin Ulrike Sommer betont.

In den vergangenen Jahren sei der Priesternotruf in erster Linie auf die Spende von Sakramenten begrenz gewesen. Dieses Angebot müsse nun wieder ausgeweitet werden - zurück zu den christlichen Wurzeln. Während die Menschen heute meist im Krankenhaus sterben, sei es in den 1960er-Jahren noch üblich gewesen, dass die so genannten Klageweiber aus der Nachbarschaft zu Hause am Bett des Sterbenden mit der Familie ausharrten und die Angehörigen unterstützten, erklärt der Krankenhausseelsorger und Gemeindereferent Theo Wellens.

Das Seelsorgeteam ist davon überzeugt, das ein Bereitschaftsdienst für alle Beteiligten eine Bereicherung sein wird - für die Sterbenden und ihre Angehörigen, aber auch für die Ehrenamtler, die in ihrer Aufgabe besondere Erfüllung finden können. „Die Ehrenamtler sollen den Menschen die Trauer nicht abnehmen, sie sollen Distanz zwischen Sterbenden und Angehörigen abbauen und den Weg bereiten, dass Trauer zugelassen wird, sagt Graaf.

Ziel ist es, 30 Leute zu finden, von denen jeder jeweils einen Bereitschaftsdienst im Monat übernimmt. Auf den Einzelnen kämen also zwölf Nächte im Jahr zu. Der Dienst wird von 20 bis 8 Uhr dauern. Die Ehrenamtler warten aber nicht zu Hause auf einen Anruf, sie kommen ins Krankenhaus, wo eine Übergabe stattfindet und wichtige Informationen weitergegeben werden. Danach liegt es an den Ehrenamtlern, ob sie nach Hause fahren, ein Zimmer im Hospital beziehen oder die Nacht variabel gestalten möchten. „Wir werden den Ehrenamtlern Handwerkszeugs und Hilfen an die Hand geben, wie sie eine Nacht im Krankenhaus gestalten können”, sagt Graaf.

Damit sie sich während der Einsätze sicher fühlen, werden die Teilnehmer ausgebildet und für den seelsorglichen Beistand qualifiziert. Im Laufe dieser Ausbildung könne man auch erkennen, ob einem der Dienst zusage, sagt Graaf. Der geschützte Rahmen der Ausbildung biete auch die Möglichkeit, in der Auseinandersetzung mit schwierigen Situationen die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Am Samstag, 25. Februar, wird es für alle Interessierten einen Kennenlern- und Auswahltag geben, bei dem das Seelsorgeteam mit externer Hilfe eines Bildungsinstitutes sein Konzept vorstellen und Eindrücke von den Freiwilligen sammeln möchte. Wichtig ist den Seelsorgern, dass die Kandidaten keine Angst vor Menschen haben, eine gute Beobachtungsgabe mitbringen und sich in andere hineinversetzen können. „Sie sollen mehr mit dem Bauch als mit dem Kopf entscheiden”, erklärt Wellens. Wichtig sei aber auch, dass die Ehrenamtler eigene Erlebnisse verarbeitet und reflektiert haben. „Die eigene Vergangenheit darf am Sterbebett nicht hochkommen.”

Nicht geeignet ist die Aufgabe für laute, egozentrische Personen. „Bei Leuten, die schon alles erlebt haben und alles wissen, bin ich eher skeptisch”, sagt Graaf. Die Ehrenamtler sollten in ihren eigenen Bewertungen also eher zurückhaltend sein.

Dem Seelsorgeteam im St.-Antonius-Hospital ist durchaus bewusst, dass die Aufgabe eine Herausforderung darstellt. „Aber gerade deshalb glauben wir auch, dass Menschen darin Erfüllung finden können”, erläutert Graaf. Alleine gelassen werden die Ehrenamtler nicht, die hauptamtlichen Mitarbeiter des Seelsorgeteams werden bei Fragen und Problemen zur Verfügung stehen. Außerdem wird eine regelmäßige Praxisbegleitung angeboten.

An den Kennenlerntag am 25. Februar schließt sich eine Ausbildung an, die die Teilnehmer soweit qualifiziert, dass sie noch vor Ablauf dieses Jahres den Dienst aufnehmen können. Genaueres über Termine und Inhalte der Ausbildung können Interessenten beim Seelsorgeteam des Hospitals unter Telefon 762096 oder Telefon 762099 erfragen. Sollte dort niemand erreichbar sein, kann unter Telefon 761180 eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Das Seelsorgeteam ruft dann zurück.
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