Sebastian Sturms Rückkehr zu Rock am Pool

Von: Tobias Röber
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Sebastian Sturm genießt es, auf der Bühne zu stehen. An seinen ersten Auftritt bei Rock am Pool hat er noch viele Erinnerungen. Foto: stock/imagebroker
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Seit drei Jahren ist Sebastian Sturm mit Exile Airline unterwegs. Heute Abend ist die Formation Headliner bei Rock am Pool. Foto: stock/imagebroker

Eschweiler. Ein Stück weit schließt sich heute der Kreis. Sebastian Sturm stand Mitte der 90er Jahre auf der Bühne bei Rock am Pool, damals noch mit einer Grungeband. Inzwischen macht Sebastian Sturm Reggae und ist weit über die Grenzen der Indestadt hinaus bekannt.

Geboren wurde er 1980 als Sohn einer indonesischen Mutter und eines deutschen Vaters und wuchs in Eschweiler auf. Mit 14 gründete er seine erste Punkband, entdeckte im Laufe der Zeit aber immer mehr seine Liebe zum Reggae. Mit seiner neuen Band Exile Airline ist er heute Abend zu Gast bei „Rock am Pool – reloaded“.

Warst Du früher bei Rock am Pool?

Sturm: Ja, ich habe (1996 oder 1997) dort mit „Talpowolzic“, einer ehemaligen Eschweiler Grungeband, den ersten Open-Air-Gig meines Lebens gespielt!

Welche Erinnerungen hast Du daran?

Sturm: Ich war 16 oder 17 Jahre alt. Ich weiß noch, dass wir irgendwann am Nachmittag dran waren, und wir waren sehr, sehr nervös. Für uns war das ein riesen Event. Aus reiner Angst betranken wir uns vorher fürchterlich, so dass wir wankend auf die Bühne gingen. Mir war speiübel, aber trotz Blackouts und falschen Chords, gaben wir (glaube ich zumindest!?) eine unterhaltsame Show ab. Es wurde gepogt, unsere Kumpels jubelten uns zu, und die Zeitung brachte sogar ein Bild mit einem „Stagediver“ und uns im Hintergrund. Ich war damals sehr stolz darauf und fand es aber irgendwie peinlich zugleich, weil ich diesen Auftritt selber gar nicht genießen konnte. „Es war definitiv ein Grunge-Konzert!“, redete ich mir damals zu meiner Beruhigung ein. Ich stand seitdem nie wieder so betrunken auf der Bühne. Und wie man Konzerte selber wirklich genießen kann, fand ich erst Jahre später heraus.

Du hast mit Punkmusik begonnen, wie bist Du zum Reggae gekommen?

Sturm: Ich glaube, dass die erste Inspiration durch Punkbands, wie NOFX und Sublime, gekommen ist. Danach waren es wohl die alten Bob-Marley-Songs, die mich begeisterten. Die ersten Reggaesongs habe ich dann zusammen mit Lars Germann, ebenfalls ein ehemaliger Eschweiler Musiker, aufgenommen, und das hat so einen Spaß gemacht, dass wir daraufhin in Aachen die Ska-Reggae-Band „Jogit Beat“ gründeten. Das war so um 1999/2000 rum. Mit dieser Band fing eigentlich meine Reise als Reggaemusiker an.

Ist von der Punkmusik noch etwas übrig geblieben?

Sturm: Ich höre immer noch gerne einige Punk- und Grungescheiben von früher. Ab und an besuche ich auch noch diverse Punkkonzerte. Unsere jetzigen Livekonzerte rocken und grooven, was das Zeug hält, aber mit Punkmusik hat das nicht mehr viel zu tun. Reggae rebelliert anders, als der Punk es tut.

Vor zwei Jahren hast Du gesagt, dass Reggae in Deutschland nicht mehr so angesagt ist. Wie sieht es derzeit aus?

Sturm: Im Sommer hat eigentlich fast jeder Deutsche Bock auf ‘ne Reggaeband unter freiem Himmel und im Winter geben dann nur noch richtige Fans Geld für ein Ticket aus. Und die Besucherzahlen bei Reggaekonzerten sind eben von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich.

Gibt es (deutschen) Nachwuchs im Reggae?

Sturm: Internationalen Nachwuchs im Reggae gibt es definitiv, aber es sind verhältnismäßig wenige deutsche Reggaebands unterwegs.

Kannst Du von der Musik leben?

Sturm: Immer wieder gerne.

Was rätst Du jungen Musikern, die ebenfalls eine Karriere starten wollen?

Sturm: Also, hier ein paar Sprüche, von einem „Dude“, der die Weisheit weiß Gott nicht mit Löffeln gefressen hat, und anstatt „Mainstream-Hit-Radio-Mucke“ zu machen, versucht er es auch noch mit Reggaemusik! Hört gut zu: „A Song, is a Song! You gotta be thankful! Who feels it, knows it! Love is the Answer!“ Der Komponist hat an alles gedacht. Weniger ist meistens mehr! Und zu viel Terpentin macht den Pinsel weich! Alles Jute und viel Spaß auf eurem Weg!

Hast Du musikalische Vorbilder?

Sturm: Bob Marley and the Wailers, Sly & Robbie, The Slackers, Groundation, Al Green, Bad Religion, 70‘s Reggae- and Soulmusic.

Die nachdenklichen Momente in Deinen Liedern überwiegen, wie kommt‘s?

Sturm: Weil ich viel nachdenke.

Was kommt nach Exile Airline?

Sturm: Wahrscheinlich eine andere Band. Wer weiß?! Bloß nicht dran denken. Nächste Frage, bitte!

Wie sind Deine musikalischen Ziele?

Sturm: Ich würde gern noch ein paar Platten machen und versuchen, international mit meiner Band zu touren. Hört sich jetzt wahrscheinlich abgehoben an, aber dass es möglich ist, international unterwegs zu sein, haben wir uns in diesem Januar mit einer zweiwöchigen Tour auf Jamaika bewiesen. Manchmal habe ich das Gefühl, das in jedem anderen Land Reggae mehr gefeiert wird, als hier bei uns in Deutschland. Die Idee ist ganz einfach: Und zwar, dorthin zu fahren und zu spielen, wo die Menschen Reggae lieben und hören wollen.

Ein Thema ist die Homophobie in der Reggaemusik. Du hast vor einer Weile gesagt, dass sich so langsam etwas tut. Hat sich etwas verändert?

Sturm: Puh, ich hoffe doch sehr, dass jene jamaikanischen Artists gemerkt haben, das man mit schwulen-feindlichen Texten in Deutschland und europaweit, keine Party feiern und kein Geld machen kann. Da ich die Artists, die homophobe Texte raus gehauen haben, selber nicht höre und deren Entwicklung eben so wenig verfolge, weiß ich nicht, ob sich was in deren Köpfen verändert hat. Ich hoffe es sehr, denn diese Debatte hat die Reggae-Szene damals hart getroffen und in Verruf gebracht. Nochmal für alle: Reggaemusik steht für Liebe, Toleranz und Eintracht! Reggaemusik soll imaginäre Mauern und Grenzen in den Köpfen der Menschen sprengen!

Bist Du noch oft in Eschweiler?

Sturm: Immer mal wieder besuche hier meine Eltern!

Auf was dürfen sich die Besucher heute Abend freuen?

Sturm: Wenn das Wetter gut wird, dann sorgen wir für eine coole, Reggaefestivalatmosphäre. Wir werden Songs von all meinen vier Alben spielen, hier und da bringe ich ein paar Special Guests mit auf die Bühne, und wir spielen mit Sicherheit auch Bob-Marley-Songs, um den Abend abzurunden! Ich persönlich freue mich auf die Jungs von „Hey Hey“ und sende hiermit meine Zeitungsgrüße an die anderen Bands raus!

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