Schulprojekt: Antworten für Jungen in der Pubertät

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
12413790.jpg
Stoische Gelassenheit auch bei den schlüpfrigsten Fragen: Urologe Jens Rosellen vom St. Antonius Krankenhaus beim Sexualkundeunterricht für Neuntklässler. Foto: Katharina Menne

Eschweiler. Ist es normal, Pornos zu gucken? Wie groß ist ein Penis durchschnittlich? In der Aula des Städtischen Gymnasiums Eschweiler ist es dem Thema entsprechend unruhig. Hier und da wird gekichert. Vorne am Beamer steht Jens Rosellen und antwortet mit stoischer Gelassenheit auf Fragen, die die Neuntklässler im Vorhinein anonym abgeben konnten.

Der junge Urologe vom St.-Antonius-Hospital (SAH) weiß ganz genau, dass es hier um sensible Themen geht. Doch Aufklärung ist ihm wichtig.

„Jungen in der Pubertät haben viele Fragen und nicht immer jemanden, der sie kompetent beantwortet“, sagt er. „Die meisten wollen einfach nur wissen, ob bei ihnen alles ‚normal‘ ist.“ Ihm ist anzumerken, dass die Situation auch für ihn neu ist, doch er schlägt sich wacker und geht auch ohne mit der Wimper zu zucken auf eher schlüpfrige Details ein.

Im Fokus der Veranstaltung steht das Thema Jungengesundheit. Es ist eine Kooperation der Realschule Patternhof, der Bischöflichen Liebfrauenschule und des Städtischen Gymnasiums und findet im Rahmen des Sexualkundeunterrichts in der 9. Jahrgangsstufe statt. Angeregt wurde das Projekt durch Professor Joachim Steffens, dem Chefarzt der Abteilung für Urologie und Kinderurologie am SAH.

Denn anders als Mädchen, für die der Besuch beim Gynäkologen zur Pubertät einfach dazu gehört, suchen Jungen meist nur im absoluten Notfall den „Männerarzt“ auf. Dabei sei es für sie genauso wichtig, sich einmal durchchecken zu lassen, betont Rosellen. „Seit auch noch die Musterung bei der Bundeswehr für viele weggefallen ist, wird nichts mehr dafür getan, Jungen über Krankheitsrisiken aufzuklären oder sie auf entsprechende Symptome hinzuweisen“, sagt er. Das sei unter Umständen fatal.

Nach dem ersten Teil, der noch gemeinsam mit den Mädchen stattfindet, wird die Gruppe aufgeteilt. Den Schülerinnen steht nun in einem Nebenraum Erdmute Kallenberg Rede und Antwort. Das Thema Mädchengesundheit liegt der Ärztin für Allgemeinmedizin schon lange am Herzen. Sie ist regelmäßig in den Schulen der Region unterwegs, um außerhalb des Biologieunterrichts auf die Fragen der Kinder eingehen zu können.

Den Jungen gibt dagegen Jens Rosellen wichtige Tipps zum Thema Verhütungsmethoden, Geschlechtskrankheiten und Körperhygiene. So solle man zum Beispiel alle drei Monate die Hoden auf Veränderungen und Knoten abtasten und sich im Zweifel nicht davor scheuen, den Kontakt zum Urologen zu suchen.

Und ja, laut Jens Rosellen ist es ganz normal, Pornos zu gucken. Rund 84 Prozent aller Männer tun das.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert