Schützenbruderschaft: Rolf Krause will „Wir-Gefühl“ schaffen

Von: Irmgard Röhseler
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Der 58-jährige Polizei-Hauptkommissar möchte die Tradition des Schützenwesens nicht nur hochhalten, sondern auch frischen Wind in das Brauchtum bringen. Foto: I. Röhseler
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Rolf Krause heißt der neue Bezirks-Bundesmeister der Schützen. Sein Ziel ist es, die Bruderschaften zu einer starken Gemeinschaft zu vereinen. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Der Bezirksverband der Schützen hat ein neues Oberhaupt. Bezirks-Schießmeister Rolf Krause hat seit wenigen Wochen das Amt des Bezirks-Bundesmeisters inne, das zuvor viele Jahre von Dieter Woche bekleidet wurde.

In seiner neuen Funktion als Bezirksbundesmeister ruft Rolf Krause zu neuer Aufbruchsstimmung und Zusammenarbeit auf. Viele Aktivitäten des Verbandes und der Schützenbruderschaften machen das Gemeinwohl aus: Fahnenschwenken, Schießsport, Freizeitvergnügen oder einfach nur die Gruppenstunden in der Woche.

Der 58-jährige Polizei-Hauptkommissar möchte die Tradition nicht nur hochhalten, sondern auch etwas frischen Wind in das Brauchtum bringen. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen hofft er auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit aller Schützenbruderschaften.

Was ist das Faszinierende an der Gemeinschaft einer Schützenbruderschaft?

Krause: Für mich war es die Aufnahme in eine Gesellschaft Gleichgesinnter mit einem hohen Anteil an sozialem Engagement und Jugendarbeit. Dazu kam auch die sportliche Variante des Sportschießens im Bezirk und Diözese. Erweiterung des Horizonts und sich an einer Aufgabe messen.

Welche Bedeutung hat das Schießen noch?

Krause: Obwohl der Schießsport durch vielerlei äußere Einwirkungen ins Gerede gekommen ist und die Waffengesetze immer strenger werden, hat dieser Sport innerhalb vieler Bruderschaften einen hohen Stellenwert. In Eschweiler gibt es rund 240 aktive Schützen, die regelmäßig an den Schießsportwettkämpfen teilnehmen. Aus- und Fortbildung der Schützen wurde sehr intensiviert, verantwortungsvoller Umgang mit dem Sportgerät ist oberste Pflicht. Man sollte bedenken, dass der Schießsport auch eine olympische Disziplin ist und ein hohes Maß an Verantwortung, Kondition und Körperbeherrschung voraussetzt. Dass manche Irre dies leider nicht verstehen, macht den Schießsporttreibenden das Leben richtig schwer.

Der ursprüngliche Zweck, Kirche zu verteidigen, hat sich ja längst erledigt? Wo stehen die Schützen heute?

Krause: Ja das stimmt wohl. Schützenbruderschaften stehen immer noch für Glaube, Sitte und Heimat. Sie bieten in unserer Gesellschaft einen Anlaufpunkt für Menschen aller Art, in der die Kirche bzw. der Glauben immer noch eine gewichtige Rolle spielt. Die Bruderschaften in Eschweiler, so kann ich aus eigener Erfahrung berichten, sind weltoffen und versuchen alle Interessierte zu integrieren.

Können auch Muslime Mitglied einer Schützenbruderschaft werden?

Krause: Ja, das geht auch! Wenn sich Muslime oder auch Andersgläubige an den Grundsätzen der Bruderschaften bzw. den Richtlinien des Bundes orientieren, ist eine Mitgliedschaft kein großes Problem mehr, jedoch nur innerhalb der lokalen Bruderschaften. Ein nicht christlicher König, kann zum Beispiel noch nicht Bezirks,- Diözesan,- oder Bundeskönig werden.

Wie sieht es mit einer Mitgliedschaft von Frauen aus?

Krause: Selbstverständlich sollten Frauen die gleichen Rechte auf eine Mitgliedschaft haben. Viele unserer Bruderschaften haben seit Jahren Frauen als Mitglieder, die auch Vorstandsposten innehaben.

Wie kann man heutzutage junge Leute für das Schützenwesen gewinnen?

Krause: Ich befürchtete diese Frage. Wenn ich da ein Erfolgsrezept hätte, ginge es mir besser. Auf Grund der vielfältigen Freizeitangebote haben sich Jugendliche anders orientiert. Der alte Leitsatz „Glaube, Sitte und Heimat“ zaubert da eher ein müdes Lächeln auf die Gesichter der jungen Leute. Das Schützenwesen müsste offener und toleranter werden, ohne unseren Leitsatz zu vergessen. Schützenbruderschaften sind leider überaltert, weil in früherer Zeit nur Männer zugelassen wurden. Keine Frauen, keine Kinder, kein Nachwuchs. Ein weiterer Punkt ist die Jugendarbeit, die sehr zeit-, und kostenintensiv und durch den Gesetzgeber restriktiv neu geregelt wurde.

Was machen die Schützen das ganze Jahr über (andere Aktivitäten)?

Krause: Schützenwesen bedeutet nicht nur Schützenfest und Feiern. Im Jahresverlauf gibt es jede Menge Freizeitangebote, zum Beispiel über die Schützenjugend wie: Jugendfreizeit in Österreich (Skifahren), Ausflüge zu Ferienparks, soziales Engagement im Rahmen der Integration, verschiedene Schießwettbewerbe wie Vereinsmeisterschaften, Bezirksmeisterschaften bis hin zur Bundesmeisterschaft. Ein Beispiel ist der Bundesköniginnentag, der in diesem Jahr in Erkelenz stattfindet.

Was möchten Sie als neuer Bezirks-Bundesmeister verändern?

Krause: Ich sehe meine wichtigste Aufgabe darin, die Bruderschaften in ihren Aktivitäten zu stärken im Hinblick auf Einigkeit und Zusammengehörigkeit. Kleine Bruderschaften womöglich auf die ein oder andere Weise zu einer starken Gemeinschaft zu vereinen, damit der Fortbestand gesichert ist. Ich hätte gerne, dass wieder ein „Wir-Gefühl‘„entsteht. Dabei soll jede Bruderschaft autark bleiben. Es gibt allerdings nur einen Strang und den müssen wir gemeinsam ziehen!

Mit einem Wort: Modernisieren!!

Krause: Eine Riesenaufgabe, die nicht einfach wird.

Wie viele Bruderschaften gibt es noch in Eschweiler? Wie viele Mitglieder haben die Bruderschaften? Wie ist das Durchschnittsalter?

Krause: Es gibt 13 Bruderschaften. Insgesamt gibt es 1656 gemeldete Schützen im Bezirk Eschweiler. Das Durchschnittsalter liegt bei circa 40 bis 45 Jahren.

Seit wann sind Sie Mitglied einer Schützenbruderschaft?

Krause: 1990 wurde ich Mitglied der damaligen St.-Hubertus-Schützengesellschaft Oberröthgen. Nach der Auflösung der Gesellschaft war dann erst mal Pause angesagt. Als ich 2004 dienstlich einen Schützenumzug in Bergrath begleitet habe, sprach mich der damalige Brudermeister Günter Winden an, lud mich zu einem Getränk ins Schützenheim ein. Dieser Einladung kam ich – selbstverständlich nach Dienstschluss – nach und wurde noch am selben Abend Mitglied der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Bergrath, dass ich auch heute noch bin.

Polizist, Bezirks-Schießmeister und je Bezirks-Bundesmeister, bleibt da noch Zeit für Hobbys?

Krause: Auf jeden Fall. Ich mache viel Sport, um fit zu bleiben. Dazu gehört natürlich der Schießsport, aber auch beispielsweise das Tennisspielen. Eine weitere Leidenschaft von mir ist der Flugzeug-Modellbau.

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