Eschweiler - Schützen in Sorge: Schießstand-Prüfung bald unbezahlbar?

Schützen in Sorge: Schießstand-Prüfung bald unbezahlbar?

Von: Tobias Röber und Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Was wären Schützen ohne Schießstätten? Sorgen in Reihen der Vereine um rechtzeitige Begutachtung und Verlängerung der jeweiligen Betriebserlaubnis scheinen unbegründet zu sein.. Foto: stock/IPON

Eschweiler. Die Nachricht des Bundes der Historischen Deutschen Schützen (BHDS) sorgte bei vielen Bruderschaften für Aufsehen oder zumindest Verunsicherung. Zum 1. Januar wurde eine Änderung der Schießstandsrichtlinien für die Abnahme von Schießständen wirksam. Diese – so der BHDS – habe „nach unserer Einschätzung eine Explosion der Kosten“ zur Folge.

Alles halb so wild, sagt der Eschweiler Bezirksschießmeister Rolf Krause. Und darum geht’s: Fortan sollen nur noch „öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Fachgebiet ‚Sicherheit von nichtmilitärischen Schießständen‘, die auf der Grundlage der Schießstandsrichtlinien in der jeweils geltenden Fassung von Lehrgangsträgern ausgebildet sind“, prüfungsberechtigt sein, wie es im Paragraph 12 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung nun heißt.

Die bislang tätigen Gutachter waren zumeist anerkannt, aber nicht unbedingt vereidigte Schießstandsachverständige. Der BHDS führte weiter aus: „Die einzig vorstellbare Lösung ist die Fortführung der bisherigen Regelung. Eine regelmäßige Überprüfung aller Schießstätten, wie sie das Waffengesetz fordert, ist bei Beschränkung auf vereidigte und öffentlich bestellte Sachverständige nicht zu leisten.“

3000 Schießstätten bundesweit

Je nach eingesetzten Waffen müssen die Schießstätten alle vier (kleinere Kaliber bzw. Luftgewehre; „erlaubnisfrei“) oder sechs Jahre (größere Kaliber; „erlaubnispflichtig“) von der jeweiligen Kreispolizeibehörde geprüft werden.

Walter Finke, BHDS-Bundesschießmeister, sagte auf Nachfrage, dass die Änderung bei der Schießstättenüberprüfung schon seit Jahren seitens des Gesetzgebers anstehe, das Inkrafttreten aber mit Blick auf das Schützenwesen und die dort laufende Diskussion bislang aufgeschoben worden sei. In einem speziellen Arbeitskreis, dem der BHDS aber nicht angehöre, sei jedoch bislang nicht die vom Ministerium gewünschte Übereinstimmung hergestellt worden.

Finke untermauerte die Befürchtungen der Schützen mit dem Hinweis auf die geschätzte durchschnittliche Zahl der jährlich zu überprüfenden Schießstätten bundesweit: 3000! Dies sei durch die ab 2015 zugelassenen Gutachter nicht zu schaffen. Er rechnet nicht damit, dass sich eine nennenswerte Zahl der nun nicht mehr prüfberechtigten Gutachter zeitnah weiterqualifiziere, um wieder für Schießstätten zugelassen zu werden. Zum einen sei der entsprechende Personenkreis zu einem Drittel über 60 Jahre alt, zum anderen wäre eine entsprechende Fortbildung nebst IHK-Prüfung recht teuer. Allerdings werde die Diskussion mit Jahreswechsel nicht beendet sein. Der Arbeitskreis werde weiter tagen. Die Evaluierung der Schießstättenrichtlinien dauere an.

Rolf Krause glaubt vorerst nicht, dass es große Probleme gibt. Allerdings nur, wenn sich alle Brudermeister rechtzeitig um Prüfungstermine kümmern. Höhere Kosten sieht er jedoch auch auf die Vereine zukommen. Eine Prüfung koste schon jetzt 1000 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für eventuelle Reparaturen oder Verbesserungen. Müssen künftig Sachverständige aus größerer Entfernung anreisen, werden etwa die Reisekosten natürlich steigen. Zudem könne es sein, dass die Zahl der Schießplätze an dem einen oder anderen Stand reduziert werde.

Eine Prüfung dauere etwa drei Stunden, so Krause. Allerdings reiche ein Termin so gut wie nie aus. Die Änderungswünsche des Sachverständigen werden nach der Umsetzung wieder geprüft.

Dem Alsdorfer Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt (CDU), als Jurist gewohnt, Gesetze und Richtlinien zu deuten, hat unsere Zeitung den Musterbrief des BHDS vorgelegt. Brandt sieht nach Lektüre und Fachrecherche „kein drängendes Problem“. Der entscheidende Hinweis aus seiner Sicht: Nur wenn es Anhaltspunkte für Defizite bzw. Sicherheitsmängel bei Schießstätten gebe, komme ein Gutachter ins Spiel – nicht von vornherein und automatisch.

Gegenüber unserer Zeitung verweist Brandt auf die entsprechende Einschränkung in der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (siehe Info). Zudem habe es eine jahrelange Vorlauffrist gegeben, so dass sich die Schützenvereine darauf vorbereiten konnten. Der Abgeordnete könne nicht erkennen, dass jetzt in großer Zahl Stilllegungen von Schießstätten anstehen.

So wird es wohl auch in der Tat nicht kommen, wie Regierungsamtsrat Gunter Nürnberger, Abteilung Organisation, Recht und Datenschutz beim Polizeipräsidium Aachen, gegenüber unserer Zeitung deutlich machte. Er und sein Team sind unter anderem für die Überprüfung von Schießstätten und die Erteilung der jeweiligen Betriebserlaubnis zuständig.

Durch jahrelange Arbeit und regelmäßigen Kontakt mit den Schützenvereinen und dank vertrauensbildender Maßnahmen kennt seine Behörde die Handelnden und Verhältnisse vor Ort, betont er. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums gibt es laut Nürnberger 201 Schießstätten. In Eschweiler gibt es 15 sogenannte Vogel- und Luftgewehrstände, wie Gunter Nürnberger erklärt, und zwei Schießstände für Kleinkaliber. Einen davon betreibt die Stadt Eschweiler.

Strenge Vorgaben eingehalten

„Wir gehen immer sehr sorgfältig bei den Überprüfungen vor.“ Aber: „Gutachten werden nur fällig, wenn Zweifel bestehen.“ Nürnberger zollt den Betreibern der Anlagen großes Lob: „Bislang haben wir mit keinem Verein jemals ein gesteigertes Problem gehabt!“ Bei aller Gefahr, die von vor allem großkalibrigen Waffen auch auf Schießstätten ausgehen können, wirbt er angesichts der Erfahrungen mit den betreibenden Vereinen dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen“, solange die strengen Vorgaben eingehalten werden. Man müsse berücksichtigen, dass es um Vereinsarbeit und um die Pflege von Brauchtum geht. Zugleich lädt Nürnberger alle Schießsport betreibenden Vereine ein, sich bei Fragen vertrauensvoll an seine Behörde zu wenden. Das gelte beim Waffenrecht natürlich für alle Bürger.

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