Eschweiler - Schüleraustausch: 18-jährige Chiara möchte nicht nach Hause

Schüleraustausch: 18-jährige Chiara möchte nicht nach Hause

Von: zsa
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Die von Uschi Schmalbrock (1. v.r.) betreuten Gastschüler und ihre Gastfamilien sowie ihre eigene Familie sind froh, das Abenteuer Schüleraustausch erlebt zu haben. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Einmal in den USA, Kanada, Neuseeland oder Australien leben – diesen Traum hegen viele Jugendliche. Und er lässt sich verwirklichen: Mit einem Austauschschuljahr in einem dieser oder zahlreicher anderer Länder.

Gleichzeitig entscheidet sich jedes Jahr auch eine Vielzahl ausländischer Schüler, für ein halbes oder ganzes Jahr in Deutschland zu leben und hier die Schule zu besuchen. Austauschorganisationen bringen Gastschüler und Familien in den jeweiligen Ländern zusammen und machen somit den Traum wahr. Dabei profitieren nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Gastfamilien vom kulturellen Austausch.

Im Garten von Uschi Schmalbrock herrschte am Sonntagabend reges Treiben: Sie hatte vier Gastfamilien mit ihren Austauschschülerinnen aus Italien und Brasilien zu Besuch. Denn Schmalbrock ist regionale Jugendbetreuerin für die Austauschorganisation Stepin aus Bonn und kümmert sich um die Vermittlung von ausländischen Jugendlichen an Gastfamilien in der Region zwischen Aachen und Düren.

Alles begann damit, dass Uschi und Ralf Schmalbrocks älteste Tochter Anne, heute 20 Jahre alt, 2013 für ein halbes Jahr nach Kanada ging. Dadurch kam die Familie in Kontakt mit der Austauschorganisation Stepin. Noch bevor Anne dann nach Vancouver reiste, nahmen die Schmalbrocks ihren ersten eigenen Gastschüler auf, einen jungen Slowaken, der ein halbes Jahr mit der vierköpfigen Familie in Röhe lebte.

Seitdem folgten jedes Jahr weitere Gastschüler. Unter anderem auch Francesca aus Italien, die nun ebenfalls zu Besuch bei den Schmalbrocks war, da sie die Firmpatin der 15-jährigen Lena Schmalbrock wurde. Lena wiederum ist am 17. Juli selbst als Austauschschülerin für ein halbes Jahr nach Neuseeland aufgebrochen.

Aufgrund der positiven Erfahrungen als Gastfamilie und mit dem Auslandaufenthalt ihrer Tochter Anne entschied sich Uschi Schmalbrock dann 2014 dazu, Stepin als Jugendbetreuerin zu unterstützen. Sie besucht die Familien in Eschweiler und Umgebung, welche Schüler aufnehmen möchten, und prüft, ob diese als Gastfamilie in Frage kommen. „Dies ist meist der Fall, aber natürlich gibt es auch hier und da Familien, die wir leider ablehnen müssen“, erklärt Uschi Schmalbrock.

Sobald eine Familie in das Programm aufgenommen wird, schlägt ihr Uschi Schmalbrock drei Austauschschüler zur Auswahl vor. Diese werden bereits im Vorfeld von ihr unter anderem nach möglichen gemeinsamen Interessen ausgesucht. „Aber ich frage die Familien auch immer, ob sie eine bestimmte Nationalität oder ein Mädchen oder einen Jungen bevorzugen würden“, sagt Schmalbrock.

Als Gastfamilie kann sich grundsätzlich jeder melden. Egal ob mit oder ohne eigene Kinder, im eigenen Haus oder in einer Wohnung wohnend. Auch das Alter der Gasteltern sei nicht entscheidend. Neben heterosexuellen Paaren kommen auch gleichgeschlechtliche Paare und alleinerziehende Mütter in Frage. Ein Beispiel ist hier die Alleinerziehende Ute Kaesmacher aus Dürwiß, die Alice aus Italien aufnahm.

Die Schulen für die Gastschüler suchen dann die Gastfamilien, gegebenenfalls mit Unterstützung von Uschi Schmalbrock, aus. Die Gastschüler von Familie Schmalbrock besuchen dabei beispielsweise die Liebfrauenschule. Aber einige ihrer Schützlinge in anderen Familien gehen auch auf das Städtische Gymnasium.

Beim gemeinsamen Grillen tauschten sich am Sonntag die drei italienischen Gastschülerinnen Alice, Chiara und Matilde gemeinsam mit der Brasilianerin Laura aus. Hinter ihnen liegen schöne Monate, die sie in Gastfamilien in Eschweiler, Kreuzau und Übach-Palenberg verbringen durften.

„Ich möchte nicht zurück nach Hause“, sagte beispielsweise die 18-jährige Chiara. Sie lebt seit September 2016 bei Familie Bünten in Röhe. „Die Büntens waren die perfekte Gastfamilie“. Aber auch Gastmutter Maren Bünten, die zusammen mit ihrem Mann Jochen und den Söhnen Til und Kaj den Reitstall Buschfuhrer Hof in Röhe betreibt, ist ganz begeistert: „Chiara hat unsere Familie bereichert. Sie ist so tierlieb, nahm an unserem täglichen Leben auf dem Hof teil und half auch mit.“

Auch Sandra Schmitz und Manfred Mocken aus Kreuzau-Winden blicken positiv auf die sich dem Ende neigende Zeit mit ihrer italienischen Gasttochter Matilde zurück. Das Paar hat insgesamt selbst vier Kinder, jeder jeweils zwei aus vorherigen Beziehungen, aber diese sind alle über 20 Jahre alt und leben nicht mehr zu Hause. Somit sammeln Sandra Schmitz und Manfred Mocken bereits seit 2013 Erfahrungen als Gastfamilie.

Zu ihrem damaligen ersten Gastschüler Enrico aus Brasilien hat das Paar noch heute Kontakt und besucht ihn regelmäßig. „Wir haben nur Positives erlebt. Aber jeder Schüler ist anders und man muss sich auf ihn einstellen“, erklärt Sandra Schmitz. „Wenn man Gastfreundlichkeit weitergibt, wird man auch so empfangen“, sagt Manfred Mocken über die herzlichen Besuche in Brasilien bei der Familie von Enrico. Aber auch Matildes Eltern werden zum Abschluss des Schuljahres und des Gastaufenthalts ihrer Tochter zehn Tage nach Kreuzau kommen.

Die Gründe, weshalb sich die Schüler für Deutschland als Gastland entschieden, sind sehr unterschiedlich. „Ich wollte vor allem mein Deutsch verbessern“, sagt die 17-jährige Matilde. Sie besucht in Italien eine Sprachschule, auf der sie neben Italienisch und Englisch auch Chinesisch und Deutsch lernt. Chiara sprach ebenfalls schon ein wenig Deutsch und wollte es noch besser können, damit sie sich mit ihren in der Schweiz lebenden Verwandten besser verständigen kann.

Aber auch die deutsche Kultur sagte den Schülerinnen zu: „Ich werde auf jeden Fall nochmal zu Karneval wieder kommen, das hat mir gut gefallen“, sagt Chiara. Die mittlerweile 21-jährige Francesca, welche vor drei Jahren bei den Schmalbrocks Gastschülerin war, bestätigt: „Obwohl Italien und Deutschland beide in Europa liegen, ist vieles anders. Zum Beispiel das Essen oder die Schule. Die Schule war hier viel besser, man entwickelt mehr Kompetenzen. Die Erfahrung hat mir geholfen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.“

Neue Erfahrungen, viele Freundschaften und besondere Erlebnisse – dies macht den Reiz des Auslandsaufenthalts aus. So sagt Chiara: „Es war das beste Jahr meines Lebens. Italien ist meine Realität, aber das hier in Deutschland, das ist mein Traum“. Dazu tragen hauptsächlich die Gastfamilien bei. „In welche Stadt ich komme, war mir egal, Hauptsache in eine gute Familie“, bestätigt auch Laura aus Brasilien.

Sie verbrachte die zweite Hälfte ihres Austauschjahrs bei Lisa und Klaus Friedeheim aus Übach-Palenberg. Über eine Bekannte kamen Friedeheims in Kontakt mit Uschi Schmalbrock. Und auch, wenn das Paar nicht unbedingt von Anfang an Gastfamilie sein wollte, ist es nun bereits mehrmals gerne „eingesprungen“. So kommt es trotz sorgfältiger Auswahl auch mal vor, dass Gastschüler leider unerwartet die Familie wechseln müssen. Bei Laura war es allerdings anders: Hier ermöglichten Lisa und Klaus Friedeheim dem Mädchen, dass sie von einem ursprünglich halbjährigen geplanten Aufenthalt auf ein ganzes Schuljahr verlängern konnte.

Dennoch: Uschi Schmalbrock sucht händeringend Gastfamilien. Für das nächste Schuljahr gibt es viele Anmeldungen von Gastschülern aus Europa, Mexiko, China und Südamerika. Rund 30 Jugendliche warten noch darauf, ab Ende August für fünf oder zehn Monate in einer netten Familie aus Eschweiler oder Umgebung tolle Erfahrungen in Deutschland machen zu können. Interessierte Familien dürfen daher gerne Kontakt zu ihr aufnehmen – siehe Kasten.

Als Jugendbetreuerin wird Uschi Schmalbrock jeden Schüler und jede Familie begleiten, so viel wie nötig. „Ich versuche, nicht ständig präsent zu sein, aber helfe bei Fragen und Problemen“, erklärt sie. Über eine Whatsapp-Gruppe hält sie regelmäßig Kontakt zu den aktuellen Gastschülern und ihren Gasteltern. Und so kommen dann auch zwanglose Treffen wie das am Sonntagabend zustande.

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