Schüler lernen, was Bier und Wein mit dem Körper machen

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
6668268.jpg
Plötzlich 0,8 Promille: Mit der Rauschbrille fallen Dinge des täglichen Lebens plötzlich ziemlich schwer. Selbst eine SMS zu verschicken, wird zur echten Herausforderung. Foto: Daniel Gerhards

Eschweiler. Was alles passieren kann, wenn man zu viel Alkohol trinkt – darüber macht sich Celine Kistermann schon jetzt Gedanken. Die 14-Jährige trinke noch keinen Alkohol, sagt sie. Aber wie sie später damit vernünftig umgehen möchte, bewegt sie schon jetzt.

Mit ihren Freundinnen Iman Touil und Mignonne Ndombasi testet sie im Jugendtreff „Check In“, wie Alkohol Motorik, Gleichgewichtssinn und Feingefühl beeinträchtigt.

Natürlich lassen sie dabei die Finger von Bier, Schnaps und Wein. Sie setzen einfach eine Rauschbrille auf – die simuliert einen Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille. Mit der Brille sollen sie auf einem Handy eine SMS verschicken, über eine Linie laufen, ein Schloss öffnen und Geld aus einem Portemonnaie holen. Das Ergebnis des Tests beeindruckt die Mädchen: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, so rumzulaufen“, sagt Celine Kistermann.

Fünf Stationen

Insgesamt hat der Alkoholparcours fünf Stationen - mit einem Ziel: Jugendlichen zu zeigen, was der Alkohol mit dem Körper macht. Das testen in dieser Woche 18 Schulklassen von allen weiterführenden Schulen in Eschweiler. Der spielerische Informationszirkel ist ein Kooperationsprojekt der Mobilen Jugendarbeit des Jugendamts und der Fachstelle für Suchberatung der Städteregion, die auch eine Beratungsstelle an der Bergrather Straße unterhält.

Für die meist 14- oder 15-Jährigen kommt der Parcours genau zur rechten Zeit. Denn ihren ersten Alkohol trinken Jugendliche im Schnitt schon mit 14 Jahren, obwohl das verboten ist. Den ersten Vollrausch erleben sie mit knapp 16 Jahren. Deshalb wolle man ein Bewusstsein für den vernünftigen Umgang mit Alkohol schaffen, sagt Nicole Hillemacher von der Mobilen Jugendarbeit.

„Der Konsum von Alkohol ist in der Gesellschaft total verbreitet. Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger sagen, ihr dürft nie Alkoholtrinken“, sagt sie. Aber man wolle erreichen, dass die Jugendlichen verstehen, dass man auch ohne Alkohol feiern kann. Ziel sei auch, dass Jugendliche verzichten oder länger mit dem „Erstkonsum“ warten. Und wenn man trinkt, gilt eins: „Man muss sich im Griff haben“, sagt Hillemacher.

Lothar Horndt, Schulsozialarbeiter an der Waldschule, findet, dass man offen mit den Jugendlichen über das Thema reden solle. „Wir verteufeln den Alkohol nicht. Nicht die Droge ist das Problem, sondern der Umgang damit“, sagt er. Diese Einstellung erleichtere das Gespräch mit den Schüler. „Seitdem wir das so angehen, kommen mehr Jugendliche zu uns und reden über das Thema.“

Zwar gehe es bei der Aktion nicht um extreme Formen des Alkoholtrinkens, aber Phänomene wie „Koma-Saufen“ existierten, sagt Elke Koch von der Fachstelle für Suchtvorbeugung. Besorgniserregend ist, dass die Zahl der alkoholbedingten Krankenhauseinweisungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Im Jahr 2011 kamen mehr als 26 000 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhaus.

Damit es nicht so weit kommt, „wollen wir mit den Jugendlichen über Alkohol ins Gespräch kommen“, sagt Koch. Das machen sie zum Beispiel mit der Frage, welche Rolle der Alkohol beim Flirten spielt. Das Ergebnis: Wer trinkt, gefällt dem anderen Geschlecht nicht mehr so gut. „Normalerweise bekommt man zwar mit, was in solchen Situationen passiert, aber man reflektiert das nicht. Wir wollen eine Plattform bieten, darüber nachzudenken“, sagt Koch.

Heute zieht der Alkoholparcours weiter. Allerdings gibt es ein Wiedersehen im kommenden Jahr. In dieser Woche konnte man nicht alle Anfragen Eschweiler Schulen und Institutionen erfüllen. Die Rauschbrille kommt also wieder.

Wie Celine Kistermann, Iman Touil und Mignonne Ndombasi mit Alkohol umgehen wollen, wissen sie schon ganz genau: „Man darf es nicht übertreiben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert