Schüler glänzen mit einem Kreuzfahrt-Theaterstück

Von: jlm
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Der Kapitän, Stufenleiter Rolf Schwoll, brachte am Ende wieder Ordnung auf das Schiff. Foto: Julia Meuser-Romano

Eschweiler. Der Literaturkurs 2 der Bischöflichen Liebfrauenschule bringt ein abwechslungsreiches Stück auf die Bühne.

„Einige von euch kenne ich noch aus dem Matheunterricht in der siebten Klasse – wie ihr nun alle heute aufgespielt habt, das ist einfach toll“, fand Bert Schopen, Schulleiter der Bischöflichen Liebfrauenschule. Gemeinsam mit ihrem Kursleiter Willy Jung hatten sie, genauer der Literaturkurs 2, in diesem Schuljahr an dem Stück „Die Kreuzfahrt“, einer Komödie nach H. Schoppmann, gearbeitet und gefeilt.

Eberhard ist seekrank und torkelt unbeholfen über Deck. „Alles dreht sich. Mir ist schlecht“, klagt er noch, während die im Liegestuhl sonnende Patti sich bei Victoria über deren Mann Oliver beschwert, der sie die ganze Zeit nur angaffen würde. Ein Vorwurf, den die Frau von Welt nicht lange auf sich sitzen lässt. Aufregung herrscht auch wegen des Kapitäns, den niemand bisher kennt oder gesehen hat.

Während Victoria und Charlotte ein Foto von ihm, ausgerissen aus einer Zeitschrift, bestaunen („Was ein Mann!“), üben sich die Herren der Schöpfung in Zurückhaltung, schließlich haben sie noch gar keinen Kapitän gesehen. Franz-Josef lenkt dann jedoch schnell das Interesse der Reisenden auf sich, als er mit einem Gewehr bewaffnet übers Deck schleicht. Die Entrüstung der anderen will er nicht so recht begreifen, schließlich sei er Jäger, auf der Jagd nach Möwen.

„Das hat richtig Stil“, meint Oliver, die Frauen scheinen weniger begeistert. Und dann wird es spannend. Das Publikum belauscht ein Gespräch zwischen Patti und dem Steward, der ihr gesteht, jemanden erschlagen zu haben, der zwischen ihnen gestanden habe. Er habe ihn im Teppich eingerollt und in die einzige freie Kabine gelegt, Zimmer 120. Doch wer ist dieser anonyme Mann? Da die Kabinentür nicht verschlossen ist, findet der Bademeister den Blutenden rasch und bringt ihn auf die Krankenstation.

Das Rätsel wird erst einmal nicht aufgelöst, sein Gesicht wird von einer Mütze verdeckt. Doch zum Grübeln gibt‘s keine Zeit: Bruce stürzt auf die Bühne. Er ist Sänger und soll die Leute an diesem Abend unterhalten. Blöd nur, dass er keine Lust mehr auf die ganze Show hat. Und überhaupt, immer wenn er „Möwen im Wind“ singe, ziele der Jäger mit seinem Gewehr auf ihn.

Schnell macht auch das erste Gerücht seine Runde auf dem Schiff, denn bei dem Versuch, das verdächtige Paket verschwinden zu lassen, werden Patti und der Steward gleich mehrmals erwischt und reden sich um Kopf und Kragen. Doch was ist nun drin in dem Paket? Diebesgut? Oder doch eine Leiche?

„Eine ganz schlechte Schwingung“, stellen Irene, Marlene, Gerline und Jolinde fest, deren einzige Beschäftigung das Meditieren zu sein scheint. Bruce wolle das Zimmer wechseln, der eine sehe Möwen, wo keine sind, der andere sehe Leichen, wo keine sind – die Schwingungen müssten sie jetzt erst mal „weg atmen“ und beginnen mit ihrer Meditation – zur Freude des Bademeisters, der besonders Irene im Auge hat.

Doch was ist das? Das Schiff bewegt sich nicht mehr. Kurz darauf folgt jedoch eine Durchsage, und der Kapitän gibt Entwarnung – das Schiff habe nur einen kleinen Motorschaden, jeder solle bleiben, wo er gerade ist. „An Deck – mit diesen ganzen Leuten?“, macht Charlotte ihrer Verzweiflung Luft. Auch Bruce kommt wieder an Deck – wutentbrannt.

Er schwamm eine Viertelstunde im offenen Meer, bis sie es endlich geschafft hätten, ihn mit dem Rettungsring wieder herauszufischen. Patti versucht verzweifelt, das Paket mit ihrer Sammellust zu erklären: Sie liebe Folie, die fühle sich so toll an, wie gefrorene Luft. Zuhause habe sie alles mit Folie ausgelegt. So richtig scheint ihr niemand glauben zu wollen.

Bruce‘s Manager verursacht dann erneut Panik, als er erzählt, man habe die Zugänge zur Vorratskammer verbarrikadiert, nur einen Sack Haferflocken habe er retten können. Eberhard hat seine Liebe zum Reisen immer noch nicht gefunden und wird immer missmutiger, und auch Bruce macht seinem Ärger wieder einmal Luft, als er gesteht, dass er nur Playback singt. Die Leute würden doch nur die Illusion suchen, das perfekte Leben und sich dabei von der Realität entfernen.

Eberhard, der das ganze Gerede nicht mehr hören kann, erteilt allen Sprechverbot, der Jäger ruft wütend nach dem Kapitän, dem „feigen Hund“, und weitere Gerüchte kursieren. Ist Patti vielleicht die „verwöhnte und freche“ Tochter des Kapitäns? Für Oliver ist jedoch gleich klar, dass sie unschuldig ist und der Steward sie nur ausnutze, wahrscheinlich, um Opium zu transportieren. Und überhaupt – ist vielleicht sogar der Steward selbst der Kapitän?

Schließlich stottert er bei der Durchsage genauso wie der Angestellte, wenn dieser aufgeregt ist. Zu allem Übel sitzen sie in einem Funkloch fest, während sich ihre Lebensmittelvorräte langsam aber sicher dem Ende neigen.

Als der erste auf die Idee kommt, dass in dem ominösen Paket ja vielleicht auch Nahrungsmittel sein könnten, fallen die Reisenden schließlich übereinander her – und werden alle wieder aufgeschreckt, als plötzlich der Kapitän vor ihnen steht und sie anschreit: „Ihr habt alle den Entschuldigungszettel für Mai noch nicht abgegeben!“ „Du bist kein Lehrer. Du hast einen Schlag auf den Kopf bekommen. Du fährst das Schiff hier“, erklärt ihm der Bademeister.

Spätestens da hielt es keinen mehr auf seinem Stuhl, denn der Kapitän war niemand anderes als Rolf Schwoll, Stufenleiter der Q1. Standing Ovations und schallender Applaus folgten. Und auch Kursleiter Willy Jung schien erleichtert und glücklich, als sein Kurs ihn auf die Bühne holte und ihm für seine hervorragende Arbeit dankte.

Keine Rolle sei zugeschnitten gewesen, „hier hat niemand sich selbst gespielt“, erklärte er dem begeisterten Publikum. Alles sei hart erarbeitet worden. Auch habe der Kurs von Anfang an sehr gut harmoniert, lobte er seine Schüler stolz. Der Schwerpunkt des Unterrichts habe in diesem Jahr auf dem Schauspiel gelegen, was man an der Sprache und der Agitation gesehen habe – es sei faszinierend, was in nur einem Jahr möglich sei.

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