Schüler fühlen beim Projekt „Das geht“ Politikern auf den Zahn

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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So beurteilen Erstwähler in Eschweiler das Angebot an Freizeitmöglichkeiten. Ein Bild von der Diskussion mit Kommunalpolitikern gestern in der Eichendorff-Halle. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Viele Ideen für die Zukunft der Stadt Eschweiler sammelten Rüdiger Nebendahl (rechts) und Andor Schmitz von der Friedrich-Ebert-Stiftung beim Workshop „Pimp my Town“. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Dialog zwischen Jugend und Politik? „Das geht“ hieß es am Freitag für über hundert Schüler in Eschweiler, die sich in Workshops, auf einem „Markt der Möglichkeiten“ und in Diskussionen mit Politikern von sieben Parteien und Wählergruppen erfuhren, wie man sich gesellschaftlich und politisch engagiert und mit hilft, die eigene Stadt zu gestalten. „Das geht nicht“ signalisierten hingegen beide Eschweiler Gymnasien.

Die Liebfrauenschule lehnte eine Befreiung vom Unterricht für die sechsstündige Veranstaltung generell ab. Die Bedenken beim Städtischen Gymnasium führten dazu, dass nur ganz wenige Schüler von dort kamen. Und das Berufskolleg der Städteregion Aachen hatte den Veranstaltern (nämlich der Städteregion Aachen) angeblich nicht einmal geantwortet.

„Ein voller Erfolg“

So kam es, dass statt der erwarteten 300 Schüler nur 120 kamen. Dennoch, versicherte Florian Weyand vom Organisationsteam, sei „Das geht!“ auch in Eschweiler ein großer Erfolg: „Die Workshops liefen Klasse, beim Markt der Möglichkeiten war enorm viel los.“ Und auch die Diskussion mit den Eschweiler Politikern brachte engagierte Stellungnahmen von beiden Seiten und viel Erkenntnis über die oft auch begrenzten Möglichkeiten der Kommunalpolitik.

Sowie ein deutliches Ergebnis bei der abschließenden Probeabstimmung, welcher der Kandidaten die Erstwähler am meisten überzeugt hatte: Bürgermeister Rudi Bertram war es. Die Städteregion Aachen war der offizielle Veranstalter, organisiert worden war der Aktionstag für Erstwähler im alter von 16 bis 18 von engagierten Jugendlichen selber.

Sie übernahmen auch die Moderation bei der zweistündigen Diskussionsrunde am Nachmittag in der Halle Eichendorffstraße, wo Muizzat Onashokun, Stefan Franken und Enver Demirak die mal skeptischen, mal wissbegierigen Fragen der Schüler und die Anregungen aus den Workshops weitergaben.

Die Anregungen hatte sich schon bei dem Workshop „Pimp my Town“ am Vormittag herauskristallisiert. Es gibt einige Felder, auf denen die Stadt besser werden kann und bei denen sich Eschweiler Jugendliche auch engagieren würden: Mehr Parks und Freizeitmöglichkeiten wurden genannt – die Skaterbahn an der Indestraße reiche nicht aus.

Treffpunkte, die nicht gleich mit Verzehr von Speisen und Getränken verbunden sind, seien notwendig. Ein besserer Busverkehr (zum Beispiel zum Blausteinsee) sei ebenfalls erwünscht. Das dreckige Flussbett der Inde wurde moniert. Warum verödet das City-Center, warum steht die Eishalle über Jahre leer? Und: Warum dauern Sanierungen in den Schulen so lange?

Oft Übereinstimmungen

Auf die letzte Frage gab es Antworten vom Bürgermeister: Eschweiler habe in den vergangenen Jahren bereits 50 Millionen Euro in die Schulen gesteckt. Durch die Einführung der Ganztagsschulen und den dadurch notwendigen Bau von Schulmensen habe man das Sanierungsprogramm strecken müssen. Und die Waldschule sei erst ganz am Schluss – aber demnächst eben doch endlich – an der Reihe.

Ohnehin gab es bei den sieben Lokalpolitikern, die sich den Fragen der Schüler stellten – Marc Salgert von der Piratenpartei, Erich Spies von der UWG, Albert Borchardt von den Linken, Franz-Dieter Pieta (Grüne), Christian Braune von der FDP, CDU-Bürgermeisterkandidat Wilfried Berndt und Rudi Bertram für die SPD – oft Übereinstimmung. Nur bei wenigen Fragen gingen die Ansichten auseinander: Die FDP ist gegen den Rückbau der Indestraße zugunsten einer Flaniermeile entlang der Inde.

Und für die Freigabe von Haschisch als weicher Droge waren nur die Piraten und die Linke. Dagegen waren nicht nur die anderen Politiker, sondern auch – jedenfalls nach der Lautstärke des Beifalls zu schließen – die Mehrheit der Schüler. Was den Aachener Piraten Marc Selgert heftig erstaunte. Er habe, versicherte er, in anderen Orten ganz andere Reaktionen erfahren.

Nicht nur die Kommunalpolitik beschäftigt junge Menschen aus Eschweiler. „Keine Abschiebung von Asylanten mehr!“ war eine Forderung. Die Eschweiler Kommunalpolitiker zeigten viel Verständnis für Asylbewerber, aber verwiesen auf die Bundespolitik. Völlig einig waren sich Politiker und Schüler beim Thema Rechtsextremismus: Mit aller Kraft dagegen! Mehrfach wurde an die Zivilcourage der jungen Leute appelliert: Nicht wegschauen, nicht den Mund halten. Sondern aktiv werden, Flagge zeigen. Und auch den Mut haben, sich bei rechtsextremer Gewalt an das Jugendamt oder direkt an den Bürgermeister zu wenden.

Rechtsextremismus war eines der Themen, die in den Workshops am Vormittag behandelt wurden. Ein anderes: „Wenn Du rappst, Rap4Respekt!“ Das Ergebnis, ein eigener Rap, soll auf der Website www.dasgeht.de vorgestellt werden. Bei „Pimp my Town“ zeigten Rüdiger Nebendahl und Andor Schmitz von der Friedrich-Ebert-Stiftung, wie sich junge Leute in die Kommunalpolitik einmischen und ihre Interessen vertreten können.

Globalisierung und Welthandel machte die Eschweilerin Petra Röllicke (BiNE e.V.) mit dem gemeinsamen Spiel Globupoly greifbar. Wenn ein Papierkreis der wertvollste Handelsartikel ist, aber das Entwicklungsland Quintenburg keinen Zirkel hat – wie kann man da auf einen grünen Zweig kommen? Andere Workshops befassten sich mit Poetry Slam, mit dem Drehen eines Werbespots oder auch mit dem Thema Datenschutz.

Viele Appelle

Appelle gab es am Aktionstag viele. Die jungen Leute appellierten an die Politiker, der Jugend mehr Mitwirkungsmöglichkeiten anzubieten und bei Entscheidungen die Interessen von Schülern nicht gering zu schätzen. Die Politiker appellierten an die Schüler, erstens am Sonntag unbedingt zur Wahl zu gehen und zweitens sich auch nach der Wahl gesellschaftlich zu engagieren. Für diesen Wunsch gibt es offene Ohren: „Ich würde mich gern mehr in der Politik einsetzen, wie geht das?“ war eine Frage von den Zuhörer-Rängen in der Eichendorff-Halle.

Und die Organisatoren von „Das geht!“ waren sich schon vor dem Aktionstag einig, dass dieser Ansatz, junge Menschen zum Mitdenken, Mitreden und Mitmischen einzuladen, mit dem einen Tag nicht beendet sein soll. Der Dialog zwischen Jugend und Politik soll weiter gehen – und vielleicht machen demnächst auch die Schüler von Liebfrauenschule, Städtischem Gymnasium und Berufskolleg mit.

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