Schranke runter: Da hilft auch kein Blaulicht auf dem Dach

Von: Stefan Herrmann
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Wenn am Langwahn die Schranken runtergehen, dann ruht die Blechlawine. Die UWG misst dreineinhalb Minuten Wartezeit, zweieinhalb Minuten stoppt die EVS. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Stellen sie sich vor, die Feuerwehr möchte zum Einsatz ausrücken, kann es aber nicht. Nicht zum ersten Mal erreicht die Zentrale am Florianweg in den letzten Wochen der Funkruf der Rettungskräfte: Nichts geht mehr - zumindest für einige Minuten.

Denn wenn die Schranken am Langwahn schließen, heißt es auch für die Blaulichtfahrzeuge: Gang auskuppeln und sich in Geduld üben. Mit den Rettungs- und Feuerwehrwagen staut sich auch der restliche Verkehr in den vergangenen Wochen immer stärker zurück. Ellenlange Karosserieschlangen reihen sich Richtung Stadt, die Röthgener Straße hinauf und auf der Talstraße. Der Knotenpunkt platzt mehrmals in der Stunde aus allen Nähten.

Nicht nur subjektiv hat sich die Geduldsprobe am Bahnübergang der Euregiostrecke verlängert. Auch objektive Messungen ergeben, dass die Zeitspanne vom ersten Signalton und dem Schließen der Schranken bis zur Öffnung des Übergangs länger geworden ist.

Dreieinhalb Minuten hat die UWG-Fraktionen die Schließungszeit gestoppt und fordert von Bürgermeister Rudi Bertram, das dringliche Thema aufzugreifen. Thomas Fürpeil spricht dagegen von rund zweieinhalb Minuten. Der Geschäftsführer der verantwortlichen Euregio Verkehrrschienennetz (EVS) Gmbh kennt die Problematik. Und verspricht Besserung. „Wir arbeiten dran”, kann er allerdings noch keine konkreten Angaben machen, wann die Schranken schneller zu- und vor allem wieder aufgehen.

Für Stadtbrandinspektor Harald Pütz kann es eigentlich gar nicht schnell genug gehen. Dem Leiter der Feuerwehr sind die Verzögerungen bekannt. Erfreut darüber ist er selbstverständlich nicht. Schließlich sind gerade Röthgener Straße und Langwahn die wichtigsten Schneisen für die Rettungskräfte Richtung Innenstadt. „Die Situation ist definitiv nicht befriedigend”, klagt Pütz. Schließlich machen zwei bis drei Minuten mehr bei einer Rettungsfrist von acht bis elf Minuten einiges aus.

Bisher sei es durch wartende Rettungswagen an den Schranken zwar noch nicht zu folgenschweren Verzögerungen gekommen, aber die Feuerwehr sieht dringenden Handlungsbedarf. „Im Interesse der Sicherheit unserer Bürger müssen wir bald wieder zu kürzeren Schließzeiten kommen”, fordert Pütz.

Das Schlagwort „Sicherheit” hat sich aber auch die EVS auf die Fahne geschrieben. Seit dem Anschluss der Euregiostrecke an Langerwehe Mitte Juni hat man ein neues elektronisches Stellwerk auf dem Streckenabschnitt Stolberg-Langerwehe in Betrieb. „Wir sind momentan dabei, die Software zu optimieren. Wir wissen, dass noch nicht alles optimal läuft”, verweist Thomas Fürpeil auf die komplizierte Technik des neuen Stellwerks, den nötigen Koordinationsarbeiten an den Schnittstellen mit der DB Netz AG, aber auch auf den neuen, erheblich höheren Sicherheitsstandard durch die Neuerungen.

Eschweilers Ordnungsamtleiter Edmund Müller weiß um das „nicht ganz einfache Problem”. Mit der EVS sei man in konstruktiven Gesprächen. Dass die Ausrückzeiten für die Rettungskräfte derzeit zu lang sind, sieht auch er. Zwar habe man schon neue Rettungsrouten erstellt, aber irgendwann führt einfach kein Weg am Bahnübergang vorbei.

Immerhin: „Am Bahnübergang an der Franzstraße konnten wir zum 1. Juli die Wartezeit bereits um knapp 40 Sekunden verkürzen”, sagt Fürpeil. Am Knotenpunkt Langwahn heißt es dagegen noch eine Weile: Geduld üben.
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