Schräge Typen, jecke Töne, flotte Klänge

Von: mic
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Urkomische Typen: Herr Schultz
Urkomische Typen: Herr Schultze und Herr Schröder sind das Wallstreet-Theatre, das am Sonntag für viele Lacher sorgte. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Beste Unterhaltung zum Nulltarif bekamen all jene geboten, die am Sonntag beim Herbstfest im Talbahnhof zu Gast waren. Der Kleinkunstförderverein präsentierte eine hochkarätige Mischung aus Musik, Kabarett und Comedy.

Den Opener machte Martin Zingsheim, der im Oktober den begehrten Kabarett-Nachwuchspreis „Eschweiler Lok” gewonnen hatte. Auch am Sonntag hatte der quirlige Kölner am Klavier, der im Nebenerwerb Doktorarbeiten schreibt, das Eschweiler Publikum im Nu im Griff. Er kommt eben gut an und kennt Frauen, die sein „Promotion”-Studium so toll finden, dass er überlegt, eine Rehabilitation nachzulegen. Und er schreibt Liebeslieder, deren Titel schon den Namen der Angebeteten verraten - so wie es Beethoven mit seiner „Neunten” tat und Bach mit einem Stück, das Zingsheim als Ode an die gleichgeschlechtliche Liebe sieht: „Bach hat einem Matthäus, den ich nicht kenne, sogar eine ganze Passion geschrieben.”

Ebenso viel Applaus wie Martin Zingsheim erntete ein anderer Mann am Klavier: Heinz Küppers, der sein Publikum mit Boogie, Blues und Balladen aufs Beste unterhielt. „Er sieht aus wie Keith Richards und singt wie Tom Waits”, hatte ihn Dr. Eberhardt Schneider angekündigt, der das Herbstfest moderierte.

Küpper vertont gekonnt seine Texte, die manchmal Liebeserklärung sind, manchmal aber auch wie verzweifelte Abgeklärtheit (oder abgeklärte Verzweiflung?) klingen: „Sag, Du liebst mich, es muss nicht stimmen. Sag´s einfach so, dass es stimmen könnt´”.

Einmal mehr brüllend komisch war das, was das Wallstreet-Theatre am Sonntag auf die Bühne zauberte. Mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Slapstick und Artistik ernteten Herr Schultze und Herr Schröder viele Lacher und blieben dabei natürlich immer eines: very british.

Und alle Achtung: Wer - warum auch immer - schon einmal versucht hat, durch einen unbespannten Tennisschläger zu schlüpfen, sollte sich von den beiden Gentlemen beraten lassen. Sie können es, wie das Publikum am Sonntag höchst vergnügt feststellen durfte.

Vor elf Jahren war sie als „Coco Camelle” das erste Mal im Talbahnhof zu Gast gewesen, zum Herbstfest kehrte Nina Klopschinski als Nina in ihr Eschweiler Wohnzimmer zurück und hatte ihre Band mitgebracht: Bernd Kistemann am Kontrabass und Schlagzeuger Sebastian Gross, der am Sonntag mit Minimal-Equipment auftrat und seine Drums vergessen ließ.

Nina Klopschinski macht deutsche Popmusik und sie macht es gut. Mal ist sie witzig, mal nachdenklich in ihren Texten, und manchmal plaudert oder ulkt sie mit dem Publikum wie mit alten Freunden. So auch am Sonntag. Ihr Auftritt war natürlich viel zu kurz, aber keine Sorge: Im März kommt sie wieder. Und dann hat Sebastian Gross auch sein ganzes Schlagzeug dabei.

Den humoristischen Schlusspunkt des Herbstfestes setzten Walter Danz und Stéfan Horn, die mal solo, mal im Dialog bestens bekannte Loriot-Sketche als witzige szenische Lesung darboten: vom „Ei”, über die Rede des ebenso partei- wie hirnlosen Abgeordneten Werner Bornheim bis hin zum urkomischen TV-Interview mit einem vermeintlichen „Raumpiloten”, der sich als Verwaltungsmensch entpuppt und seine Maximalentfernung von der Erde im 3. Stock erlebte.

Vor der Tombola am Sonntag nutzte Peter Adrian als Vorsitzender des Fördervereins die Gelegenheit, den Künstlern und den „guten Geistern” im Kulturzentrum Talbahnhof für ihr ehrenamtliches Engagement und das schöne Fest zu danken.
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