Eschweiler - Schon wieder fliegen in Eschweiler die Fäuste

Schon wieder fliegen in Eschweiler die Fäuste

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Zweimal musste die Polizei in den vergangenen Tagen Großschlägereien einen Riegel vorschieben.
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Aufgeräumt präsentierte sich am Dienstag dagegen der häufig vermüllte obere Parkplatz am Blausteinsee, am Wochenende Treffpunkt von Jugendgruppen und immer wieder wegen Lärm und Raserei in der Kritik. Hier sorgen inzwischen extra große Mülltonnen für Ordnung. In der Parkbucht dahinter Reste eines Lagerfeuers.

Eschweiler. Innerhalb von nur zwei Tagen ist die Polizei in Eschweiler zum zweiten Mal zu einer größeren Schlägerei in Eschweiler gerufen worden. Am Montagabend, kurz nach 18 Uhr, kam es am Bushof zu einer Prügelei unter mehreren Personen. Dabei sollen nach Angaben von Zeugen auch Baseballschläger zweckentfremdet worden sein.

Als die Polizei an Ort und Stelle war, hatte sich die Auseinandersetzung in die Marienstraße verlagert. Offensichtlich schlugen sich dort zwei Gruppen junger Leute, auch ein Baseballschläger fand dabei Verwendung.

Die Polizei, die mit vier Streifenwagen angerückt war, beruhigte die Situation recht schnell. An Ort und Stelle beschuldigten sich die jungen Leute gegenseitig, mit dem Streit begonnen zu haben. Gegen fünf junge Männer im Alter zwischen 17 und 30 Jahren leiteten die Beamten ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Die Beschuldigten sind überwiegend deutsche Staatsbürger mit arabischem Migrationshintergrund. Sie wohnen in Eschweiler, Stolberg und Aachen.

Drei von ihnen standen unter Alkoholeinfluss, wie Alkoholtests an Ort und Stelle ergaben. Der Baseballschläger wurde sichergestellt. Mehrere Personen trugen Schlagverletzungen und Prellungen davon. Auf ärztliche Behandlung verzichteten alle.

Ähnliches hatte sich auch am Sonntagmorgen in Dürwiß abgespielt – auf dem Parkplatz der Großsportanlage. Gegen 5 Uhr früh hatten Zeugen die Polizei informiert. Als die Beamten am Ort des Geschehens eintrafen, prügelte dort ein rundes Dutzend Leute aufeinander ein. Die meisten von ihnen suchten beim Anblick der Beamten ihr Heil in der Flucht; einige blieben zurück – mit blauen Augen, blutenden Nasen und Lippen, Rötungen und Schwellungen im Gesicht. Auch hier hatten die Verletzten – drei junge Frauen und drei junge Männer – eine ärztliche Behandlung verweigert.

Sowohl die Identifizierung der Gegenstände, als auch die Aufklärung des Geschehens war für die Beamten vor Ort fast unmöglich. Polizeisprecher Paul Kemen: „Teils verweigerte man die Aussage, teils druckste man herum oder weigerte sich, einen Strafantrag zu stellen.“

Einige der unbekannten Schläger sollen mit Teleskopschlagstöcken und Baseballschlägern bewaffnet gewesen sein; eine Person hatte ihr Gesicht hinter einer Skimaske versteckt. Am Tatort fanden die Polizeibeamten ein Reizstoffsprühgerät und Quarzhandschuhe, wie sie vor allem bei heftigen Schlägereien eingesetzt werden.

Jugendgang lahmgelegt

Opfer und Täter sind überwiegend aus Eschweiler. Die Beteiligten werden entsprechende Vorladungen bekommen. Der Polizeisprecher kündigte ferner an: „Darüber hinaus wird die Polizei in diesem Bereich die Entwicklung und ein mögliches Klientel genau im Auge behalten.“

Ob zwischen den Schlägereien am Sonntagmorgen in Dürwiß und am Montagabend in der Innenstadt ein Zusammenhang besteht, verneinte die Polizei am Dienstag. Dabei waren die Ermittlungen alles andere als einfach. „Die meisten Betroffenen hüllen sich in Schweigen und stellen noch nicht einmal einen Strafantrag. Die Vernehmungen der Beteiligten werden hoffentlich Licht ins Dunkel bringen“, erklärt Paul Kemen.

Die Polizei betrachtet die kurz hintereinander erfolgten Schlägereien mit Sorge und Argusaugen. Vor etwas über einem Jahr hatte eine mindestens 35-köpfige Jugendbande in Eschweiler unter anderem mit Schlägereien, Gewaltdelikten und Einbrüchen auf sich aufmerksam gemacht. Die Polizei verstärkte daraufhin ihre Präsenz in Eschweiler. Mit Erfolg: 14 Intensivtäter – allesamt mit Wohnort Eschweiler – konnten identifiziert werden, vier von ihnen sind inzwischen bereits zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Weitere Verfahren sind anhängig. Dass nun wieder eine Jugendgang in Eschweiler aktiv wird, ist laut Polizei nicht erkennbar.

Keine Straftaten feststellbar

Dennoch: „Wehret den Anfängen“, lautet momentan das Motto der Ordnungshüter. „Sollten die weiteren Ermittlungen tatsächlich ergeben, dass sich wieder eine solche Entwicklung abzeichnet, wird die Polizei mit einem Maßnahmenkonzept dagegen vorgehen“, betont Paul Kemen. Konzentrierte Einsätze in Uniform und Zivil standen in dem Konzept ganz oben. Dies hatte sich bewährt.

Völlig offen ist derzeit auch, ob die in Dürwiß beteiligten jungen Leute in Zusammenhang mit den Gruppen zu sehen sind, die immer wieder auf dem oberen Parkplatz am Blausteinsee für Beschwerden sorgen. Immerhin liegt das Stadion in Dürwiß, Austragungsort der ersten großen Schlägerei, ganz in der Nähe. Seit Jahren ist der Parkplatz Treffpunkt für Leute unterschiedlichster Art. „Da kommen erwachsene Menschen im fortgeschrittenen Alter mit ihren Motorrädern angerollt, um hier einen Kaffee zu trinken, da packen junge Autofahrer ihre Liegestühle und Grills aus, um den ganzen Sonntag auf dem Parkplatz zu verbringen“, weiß Stadtsprecher René Costantini.

Anwohner klagen nicht nur immer wieder über zurückbleibende Müllberge, sondern auch über Lärm und Raserei. Dass der Parkplatz auch Drogenumschlagplatz oder Treffpunkt für Konsumenten sein könnte, dafür, so Costantini, gebe es allerdings keine Anhaltspunkte. Vor wenigen Wochen erst sagte die Polizei im Rahmen eines Sicherheitsgesprächs im Rathaus der Verwaltung zu, den Parkplatz im Auge zu behalten und schwerpunktmäßig zu kontrollieren.

Das gleiche tut auch die Verwaltung selbst: Die Mitarbeiter des Ordnungsamts fahren dort fast täglich – vor allem in den Abendstunden –Streife. Zur Zeit, so der Stadtsprecher, gebe es keine Beschwerdelage. „Hier ist auch unsererseits nicht feststellbar, dass es zu Straftaten kommt“, so René Costantini.

 

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