Eschweiler/Stolberg - Schöne Flitzer beim internationalen BMW-Treffen

Schöne Flitzer beim internationalen BMW-Treffen

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
Auch mit 13 PS ist man ein BMW
Auch mit 13 PS ist man ein BMW-Fahrer: Der Indestädter Franz-Josef Hansen am Steuer seiner Isetta 300, Baujahr 1959, beim BMW-Treffen rund ums Industriemuseum. Foto: H. Eisenmenger

Eschweiler/Stolberg. Ein BMW mit rosa lackiertem Außenspiegel und farblich passendem Handtäschchen als neckisches Accessoire - dieser Anblick schmerzt Eckhard Braun aus tiefster Seele. Nicht, dass der Stolberger das Tuning in der Kategorie „Girls Cars” - das sind BMW, die von Frauen gefahren und entsprechend „designt” werden - nicht zu würdigen wüsste.

Damit nämlich würde man dem Vorsitzenden des BMW Clubs Aachen unrecht tun.

Es ist einfach so, dass hier die Geschmäcker weit auseinanderdriften und es für den 50-Jährigen schwer nachzuvollziehen ist, dass die Außenspiegel eines Fahrzeugs der Bayerischen Motoren Werke Pink sind und obendrein Mini-Handtäschchen dran baumeln. Oder auch Spoiler mit Glitzersteinchen, die wie Discokugel blinken, sind ihm ein Graus. „Sie glauben ja nicht, was ich schon gesehen habe”, raunt er über den Tisch hinweg.

Beim „Internationalen BMW-Treffen” in Stolberg jedoch bleibt Braun von extremen „Blink-Blink”-Eskapaden und rosa Außenspiegeln verschont. Dafür gibt es einen BMW mit sprudelendem Springbrunnen unter der Motorhaube und eine Tuning-Bessenheit, die einen Autofahrer, der sein Fahrzeug als reines Fortbewegungsmittel betrachtet, gefühlsmäßig schwer zu vermitteln ist.

Es lebe die Individualität und die Vielfalt - das ist die Parole. Für den Deutschen liebstes Kind ist nichts zu teuer, obwohl der Ausspruch nicht ganz richtig ist: An dem Treffen rund um das Museum Zinkhütter Hof nehmen auch viele Niederländer und Belgier teil. Eigens aus Rotterdam angereist sind Richard Allaart und sein Sohn Robert. Und zwar in einem knallorangen BMW.

Fahrzeug in Nationalfarben

Dass ihr Fahrzeug in der Nationalfarbe der Niederlande lackiert ist, hat weniger mit der Verehrung für das Königshaus als damit zu tun, dass Orange die Farbe von Jägermeister, jenem Kräuterlikör mit Hirsch als Erkennungszeichen, ist.

Vater und Sohn haben es sich im „Open-Air-Wohnzimmer” gemütlich gemacht: Auf Campingstühlen sitzend, betrachten sie glücklich ihren BMW E 30, Baujahr 1992. Ein Bierchen schmeckt bei dieser Aussicht noch besser. Obwohl Bier genau genommen einen Stilbruch darstellt, prangt doch auf der Motorhaube der Jägermeister-Hirsch und damit müsste eigentlich der Kräuterlikör das Getränk der Stunde sein. Im Jahr zuvor hätte Bier aber bestens gepasst: „Damals hatten wir Warsteiner als Logo, jetzt ist es Jägermeister und im nächsten Jahr wird unser Auto im Stil eines Energie-Drinks umlackiert”, sagt Richard Allaart.

Bei gutem Wetter ist es bei Treffen dieser Art durchaus ratsam, eine Sonnenbrille einzustecken, denn einige BMW-Besitzer haben die Felgen ihrer Flitzer so auf Hochglanz gewienert, dass man schier geblendet wird. Auch die Felgen des BMW E 46 von Vincenzo Santamaria funkeln tüchtig in der Sonne. Fürs Funkeln tut der 23-Jährige einiges. Zwei- bis dreimal die Woche, je nach Witterung, wird poliert. Warum er sich die viele Arbeit macht? Die Antwort ist simpel: „Ich liebe Autos.” Seiner schwarzen Limousine hat der junge Kölner eine M3-Optik verpasst. Der BMW M3 ist ein Sportmodell aus der 3er-Reihe und ein schicker Flitzer.

Wer hat den schönsten, den besten und schnellsten BMW? Das wird beim „2. Internationalen BMW-Treffen” durch eine Jury festgestellt. Bewertet werden das Gesamtpaket, die schönste Lackierung oder die beste Hi-Fi-Anlage, um nur einige Kategorien zu nennen. Dann gibt es da ja noch die Kategorie „Girls Cars”. Wie unterschiedlich die Geschmäcker sind, zeigt die Reaktion von Vincenzo Santamaria. Angesprochen auf rosa Außenspiegel und Lippenstifthalterung, findet er nichts dabei, einem Auto einen femininen Touch zu verleihen. „Es ist doch schön, wenn das Auto zu meiner Freundin passt. Die Farbkombination Schwarz und Pink oder auch nur Pink sieht doch gut aus bei einer Frau ”, sagt der 23-Jährige und seine blonde Begleiterin nickt.

Es ist viel los beim Treffen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die modernen Boliden. Aber ein wirklich altes Schätzchen, das mit 13 PS maximal 80 Kilometer die Stunde schafft, ist dann doch dabei. Eine Isetta 300, ein sogenanntes Rollermobil, Baujahr 1959. Die Zahl 300 steht für das Volumen des Hubraums. Mit der Isetta schaffte BMW den Sprung in die Automobilindustrie, denn von zu Haus aus war das Unternehmen vor dem Zweiten Weltkrieg auf die Herstellung von Motoren und dann Zweirädern spezialisert.

Das Besondere an diesem Fahrzeugtyp ist, dass man über die Front einsteigt. Öffnet der Fahrer die Frontür, klappt auch das Lenkrad mit zur Seite, denn das Armaturenbrett ist an der mitschwenkenden Lenksäule befestigt.

Fernab von jedem Luxus, strahlt dieses Auto einen besonderen Charme aus, der auch Franz-Josef Hansen aus Eschweiler gefangen genommen hat. Vor zehn Jahren entdeckte er seine Isetta, das Auto war in einem miserablen Zustand. Hansen restaurierte das Fahrzeug eigenhändig. 2000 Isettas seien weltweit angemeldet, resümiert der 55-Jährige. „Noch mal so viele können Sie rechnen, die irgendwo in einem Schuppen stehen.” Es ist kaum zu glauben, aber das 13-PS-Motörchen verbraucht fünf Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Ein kleiner Schluckspecht angesichts des Gewichts und der doch sehr begrenzten Leistung.

Aber ein solches Auto rein vom ökonomischen Gesichtspunkt zu betrachten, wäre unfair. „Ende der 1950er war die Automobilindustrie noch jung. Sicherheit gab es damals im heutigen Sinne nicht. Bei einem Unfall ist nichts, was Sie in diesem Auto schützt”, sagt der Isetta-Fahrer und klopft auf die dünne Blechwand. „Sicherheit, wie sie heute im Autobau Standard ist, gab es früher nicht. Die Automobilindustrie war noch vergleichsweise jung, und es waren weniger Fahrzeuge unterwegs”, resümiert der 55-Jährige. Nebenan dröhnt die Hi-Fi-Anlage eines modernen BMW. Gehörschäden sind bei dieser Lautstärke wahrscheinlich, aber man muss neidlos anerkennen, dass selbst ein Megafon keine Schnitte gegen diesen Sound hätte.

Nun, wie heißt es doch so schön - die Welt ist bunt und groß und jeder „Jeck” ist anders.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert