Schockierende Details deutscher Kinderarmut

Von: jrd
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Ob Erschütterung oder Erheiterung: Die Werke der Lehrerin und Autorin Doro May ließen ihre Zuhörerinnen nie kalt. Foto: Jessica Deringer

Eschweiler. Es war erst einmal still im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in Dürwiß, als Doro May die Lesung aus ihrem Jugendroman „Unkaputtbar” beendet hatte. Den Zuhörerinnen war die Ergriffenheit deutlich anzusehen.

Denn die Aachener Lehrerin und Autorin liefert mit ihrem Roman ein genaues Bild davon, was es für Kinder in Deutschland heißt, arm zu sein - trotz des offenen Endes schonungslos und in all seinen schockierenden Details. Dass am Monatsende zum Beispiel das Geld noch nicht einmal mehr für das Pausenbrot reicht, ganz zu schweigen von Kleidung oder Schulsachen.

Man beschäftige sich zu wenig mit der Armut, die eben „nicht nur weit weg, sondern vor unserer Tür” passiere, stellten die Zuhörerinnen - zum großen Teil Teilnehmerinnen des Dürwisser und Stolberger Literaturkreises des Helene-Weber-Hauses - im anschließenden Austausch fest.

Genauso wie Mays Mobbingroman „Abgelästert” dient auch „Unkaputtbar” als Unterrichtsmaterial. „Die Bücher über Armut handeln von Pedro aus Mexiko, aber nicht von Kim aus Deutschland”, begründet die gebürtige Essenerin ihre Entscheidung, ein Buch über die Situation in Deutschland zu verfassen. Dass bis zu dreißig Prozent der Kinder in Aachen von Hartz 4 lebten, sei Berechtigung genug.

Schreiben als Sucht

Einen ebenso präzisen Blick auf die deutsche Realität wirft die Lehrerin für Deutsch, Musik und Pädagogik in „Elisabeths Pakt”. Dort erzählt sie die Geschichte einer vereinsamten 50-Jährigen, die sich - angetrieben von der Lektüre eines soziologischen Werkes - den Alltag in einem Sozialzentrum anschaut und erst einmal erschüttert über Umgangsform und -ton ist. Fast hofft man, dass Doro May damit übertreibt.

„Wir dachten, Sie hätten bei uns am Tisch gesessen”, bestätigten zwei in der Hausaufgabenbetreuung tätige Frauen allerdings, wie sehr die Dialoge der Realität entsprechen.

Drei Bücher der Autorin sind bereits veröffentlicht, das vierte und fünfte erscheinen noch in diesem Jahr, und weitere sind in Arbeit - „Ich muss mich richtig bremsen”, sagt Doro May und bezeichnet das Schreiben selbst als „Sucht”. Dabei schrieb sie zuerst nur für sich - erst später entschloss sie sich zur Veröffentlichung.

Die Zuhörerinnen in Dürwiß werden es ihr danken. Denn ob es nun ein erschütternder Roman oder die heitere Kurzgeschichte „Allergie” war, mit der May die vom Helene-Weber-Haus finanzierte Lesung beendete - ihre Werke berührten ihr Publikum. Elisabeth Nelles, Leiterin der beiden Literaturkreise, bezeichnete Mays Stil als „von den Formulierungen her äußerst bemerkenswert”. „Und wir lesen viel!”, setzte sie hinzu.
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