Eschweiler - Schnupperstunden um in die Tennis-Welt einzutauchen

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Schnupperstunden um in die Tennis-Welt einzutauchen

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Szenen der Schnupperstunden: Die Teilnehmer unserer Sommer-Aktion hatten sichtlich Spaß, kamen aber auch gehörig ins Schwitzen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto wurde die Reaktionsgeschwindigkeit ebenso trainiert, wie die Schlagtechnik. Und anschließend musste der Platz selbstverständlich wieder aufbereitet werden. Foto: Patrick Nowicki
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Szenen der Schnupperstunden: Die Teilnehmer unserer Sommer-Aktion hatten sichtlich Spaß, kamen aber auch gehörig ins Schwitzen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto wurde die Reaktionsgeschwindigkeit ebenso trainiert, wie die Schlagtechnik. Und anschließend musste der Platz selbstverständlich wieder aufbereitet werden. Foto: Patrick Nowicki
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Im Kampf mit der Ballmaschine: Der Apparat verstreut die Bälle übers ganze Feld – wenn man ihn entsprechend einstellt. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Werner Willerscheidt kann man über Tennis nichts Neues mehr erzählen. Der Mann ist 70 Jahre alt und seit über 40 Jahren hauptamtlicher Tennistrainer. Im Gegensatz zu mir, der im Leben nur einmal kurz einen Schläger in der Hand hatte und dabei feststellen musste, dass ein Aufschlag mit über 100 Stundenkilometern eine schier unlösbare Herausforderung ist.

Zumindest dann, wenn der Ball irgendwann ins Feld springen soll. Der Tennis-Schnupperkurs im Rahmen unserer Ferienaktion „Sieben mal Sommer“ war eine passende Gelegenheit für unsere Leser, einmal selbst zum Schläger zu greifen – und für mich als Selbstversuch.

Die Platzanlage des Tennisclubs Blau-Gelb liegt zwar im Herzen der Stadt, aber doch etwas abgelegen an der Inde. Dort ist der Treffpunkt mit unseren Lesern und den beiden Tennislehrern Werner Willerscheidt und Moritz Volk. Dass letztlich weniger Menschen kommen, als sich angemeldet haben, ist wohl der Hitze geschuldet. Über 30 Grad lassen einen ja schon schwitzen, wenn man sich die Schuhe bindet. Geschweige denn, einen Schläger schwingt und dabei über einen Ascheplatz rennt. Naja, laufen ist eigentlich nicht geplant. Trainer Willerscheidt macht schnell klar, dass es nicht zu anstrengend werden soll. Zum Glück. Zur Einstimmung stiftet der Verein Blau-Gelb, der an diesem Tag unser Kooperationspartner ist, eine runde Mineralwasser und Apfelschorle. Jetzt kann‘s losgehen.

300 Gramm schwerer Schläger

Ach ja, der Schläger. Ein ganzes Sammelsurium an unterschiedlichen Schläger liegt für uns bereit. Welcher der richtige ist? „Normalerweise wählen Frauen gerne Schläger aus, die etwas weniger kopflastig sind“, erläutert Werner Willerscheidt. Dadurch müssen die Spielerinnen weniger Kraft aufbringen, der Schlag verliert aber auch etwas an Schwung. Man kann halt nicht alles haben, auch nicht beim Tennis. Bespannt sind die Schläger in der Regel mit 20 Kilogramm, das bedeutet, die Saite ist so gestrafft, als hinge ein Gewicht mit 20 Kilogramm daran. Das Gesamtgewicht des Schläger liegt bei 300 Gramm. Klingt wenig, wird aber irgendwann trotzdem schwer.

Dann geht es an die erste Übung auf dem Platz. Die beiden Jüngsten gehen mit Moritz Volk, der gerade die Prüfung zum C-Trainerschein bestanden hat, auf Platz zwei, der Rest der Gruppe über auf Platz eins. Wir sollen ein Gefühl für den Ball bekommen. Das bedeutet, die gelbe Filzkugel soll auf den Boden titschen und immer wieder mit dem Schläger gespielt werden. Später sollen wir den Ball in die Luft werfen und fangen. Das deutet den Aufschlag an. Klingt einfach, ist aber dennoch schwer. Der Ball springt in viele Richtungen, nur selten dahin, wo ich ihn haben möchte. Gedanklich habe ich meine Karriere als Tennis-Profi bereits abgehakt, obwohl ich noch keinen Schlag über das Netz gemacht habe.

Dahin geht es bei der nächsten Übung. Natürlich nach einen Trinkpause. Das muss wohl beim Tennis so sein, schließlich setzen sich bei den großen Turnieren die Cracks auch immer nach zwei Spielen hin und trinken. Boris Becker hat bei dieser Gelegenheit auch manchmal eine Banane ausgepackt. Die fehlt heute. Werner Willerscheidt nutzt die Gelegenheit, einige Getränketipps zu geben. Fazit: Wasser ist in Ordnung, Fruchtschorle verdünnt auch. Cola und Limo allerdings enthielten zu viel Zucker.

Ab zur nächsten Übung. Diesmal stehen wir am Netz und müssen den Ball mit einer Hand fangen und gleichzeitig dorthin schauen. Auch das ist eine wichtige Bewegung beim Tennis, denn „als Spieler muss man immer den Blick auf den Ball haben, um ihn mit dem Schläger richtig zu treffen“. Gut, also fangen wir Bälle. Dummerweise verrät uns Trainer Willerscheidt nicht, wohin er wirft. Mal rechts, mal links. Zum Glück fängt jeder Teilnehmer mindestens einen Ball. Das hebt die Motivation und Stimmung.

Endlich dürfen wir die Schläger in die Hand nehmen. Wer das Spielgerät lässig an einer Hand baumeln lässt, kassiert einen charmanten Rüffel. Der Schläger soll immer senkrecht vor einem sein und beide Hände halten ihn fest. Die Schlaghand – in meinem Fall die rechte – am Griff, die andere leicht darüber. So könne man schneller reagieren und die Richtung wechseln. Was ich auch noch nicht wusste: Beim Tennis springen die Spieler in dem Moment leicht ab, wenn der Schläger des Kontrahenten auf den Ball trifft. Das ist mir so noch nie aufgefallen. Werner Willerscheidt meint sogar, die hüpfen an die zehn, zwanzig Zentimeter hoch. Das soll die Spannung in der Beinmuskulatur erhöhen und so schnelle Antritte nach beiden Seiten erleichtern. So ein Quatsch, denke ich noch. Aber der Mann hat völlig Recht. Selbst Boris Becker sprang immer deutlich ab. Ich dachte immer, der schlägt auf, rennt ans Netz und Ende. Aber selbst in diesem Fall ist immer ein Hüpfer dabei.

Ganz schön kompliziert, so ein Tennisspiel. Aber es macht Spaß. Auch unsere Leser lachen viel, wann hat man schließlich Gelegenheit, mit so einem erfahrenen Trainer zu üben. Werner Willerscheidt, dessen Schule sich in Merzenich befindet, betreut viele Spieler beim Tennis-Club Blau-Gelb. Aber auch Profis. Allerdings gestalte sich die Übungseinheit dann anders, wie er berichtet. „Ich selbst spiele dann nicht mit, sondern schaue nur zu, um zu korrigieren“, sagt er. Profis schlagen die Bälle nämlich mit über 100 Stundenkilometern über das Netz. Da könne er nicht schlagen und schauen. Ach ja, da war ja was: Immer den Blick auf den Ball.

In unserer Übungseinheit hat er weniger Probleme. Den Ball spielt er leger über das Netz und gibt immer wieder Tipps. Nun gut, wir erreichen mit unseren Schlägen allenfalls zehn „Sachen“. Vielleicht sind es auch acht. Dabei bewegen wir uns immer an der sogenannten T-Linie. Das ist die Markierung am Netz. Sie endet 6,40 m dahinter. Die Breite des Feldes beträgt 8,23 m. Klingt wieder wenig, kann aber eine weite Strecke sein. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, der Ball bewegt sich immer weiter von einem weg. Immerhin schaffe ich es, einen Ball mit höherer Geschwindigkeit zu schlagen. Einziges Manko: Er segelt in die Höhe. Ob er jemals wieder auf die Erde getroffen ist, kann ich nicht sagen.

Etwas neidisch gehen die Blicke rüber zu den beiden Jungs, die schon seit langem Ballwechsel mit Moritz Volk üben. Der fünfjährige Linus hat sichtlich Spaß. Wir auch, denn jetzt wird die neue Ballmaschine in Betrieb genommen. An dem Apparat kann man die Ballgeschwindigkeit einstellen, aber auch die Höhe und den Streuwinkel. Wie wichtig letzterer ist, bekommen die Ersten bei der abschließenden Übung zu spüren. Sollte bei manchen das Klischee vorherrschen, Tennis sei ein Altherrensport, dann sollte man denen eine Schnupperstunde ans Herz legen. Das geht ganz schön in die Beine und in die Arme. Werner Willerscheidt geht noch weiter: „Manche Fußballer stöhnen über drei Spiele in einer Woche, darüber würden Tennisspieler nur lachen.“ Moment! Der Rafael Nadal stöhnt doch auch immer. Und zwar bei jedem Ballwechsel. Aber der Trainer ist sich sicher und verweist auf Ergebnisse der Sporthochschule Köln.

Anstrengend ist es in jedem Fall. Und Tennis macht gute Laune. Das ist auch nach den letzten Ballwechseln zu spüren. Abschließend muss nur noch der Platz abgezogen werden. Auch die Linien müssen freigekehrt werden. Fertig. Nach der Schnupperstunde verspürt der ein oder andere Lust auf mehr. Bei mir mir vor allem nach mehr Getränken. Die gibt es im Vereinsheim von Blau-Gelb. Dort kann man sich melden, wenn man mehr als eine Schnupperstunde Tennis erleben will. Ich denke auch darüber nach. Aber erst, wenn der Muskelkater auskuriert ist. Tennis strengt ganz schön an.

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