Eschweiler - Schminken ohne übertriebene Ideale

Schminken ohne übertriebene Ideale

Von: ran
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Konnte in vertrauenerweckender Atmosphäre und offenen Gesprächen „mädchenspezifische“ Themen behandeln: die Mädchengruppe der Willi-Fährmann-Schule mit Michaela Kobalay (stehend, 2. v. l.) und Brigitte Hermanns-Spilles. Foto: Andreas Röchter
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Eschweiler. Während der Pubertät verändert sich die Welt. Und dies nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich. Dann ist es sowohl für Mädchen als auch für Jungen besonders wichtig, Gesprächspartner zu finden, die vor allem zuhören können, aber durchaus auch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

So wie Michaela Kobalay, die im Rahmen ihres Studiums der Sozialen Arbeit an der Katholischen Fachhochschule Aachen noch bis Ende Januar ein Semester als studentische Mitarbeiterin an der Willi-Fährmann-Schule verbringt. Sie rief dort das Projekt „Mädchengruppe“ ins Leben, an dem acht Schülerinnen der Jahrgangsstufen neun und zehn teilnahmen. Einmal pro Woche kamen die jungen Damen für jeweils eineinhalb Stunden zusammen, um „mädchenspezifische“ Themen zu behandeln.

„Wir haben über die sich verändernde Körperwahrnehmung gesprochen, über Aufklärung, aber auch darüber, Grenzen zu setzen“, blickt Michaela Kobalay zurück. Natürlich kam der Spaß auch nicht zu kurz. So stand unter anderem eine Schminkstunde mit „Vorher-Nachher-Fotos“ auf dem Programm. „Doch auch dies hatte einen durchaus ernsten Hintergrund, denn der moderne Körperkult sowie übertriebene Schönheitsideale setzen junge Frauen unter erheblichen Druck“, verdeutlicht die Studentin.

Während des gesamten Projekts stand die Gruppe in engem Kontakt zu Brigitte Hermanns-Spilles von der Awo-Beratungsstelle für Sexualität, Schwangerschaft und Familienplanung. Zwei Treffen fanden in der Beratungsstelle (Grabenstraße 76) selbst statt. „Es ist wichtig, dass die Mädchen erfahren, dass es eine Institution wie die unsere überhaupt gibt.

Und natürlich sinkt die Hemmschwelle, wenn der erste Kontakt zu uns, also das Kennenlernen, innerhalb einer Gruppe stattfindet“, betont die Diplom-Sozialpädagogin, die unterstreicht, dass in diesem Themenbereich eine vorübergehende Geschlechtertrennung nicht nur von Vorteil, sondern unabdingbar sei. Dies bestätigen auch die Schülerinnen: „Ohne die Jungen ist es leichter gefallen, offen zu reden“, macht Alina klar. Und erhält Zustimmung von ihren Altersgenossinnen. „Sowohl Mädchen als auch Jungen brauchen einen Schutzraum.

Getrennt vom anderen Geschlecht erhalten ihre Fragen eine wesentlich größere Akzeptanz“, weiß Brigitte Hermanns-Spilles aus Erfahrung. Schulleiter Karlmartin Eßer würde sich eine Fortsetzung des Projekts über den Januar hinaus wünschen. „Eine Schulsozialarbeiterin befindet sich natürlich in einer anderen Position als eine Lehrerin und kann solche Themen ganz anders angehen“, ist ihm bewusst.

Michaela Kobalay, deren Praxisanleiterin in den zurückliegenden Monaten Schulsozialarbeiterin Carolin Emonds-Seeger war, zieht zum Ende ein positives Fazit: „Wir haben viel gesprochen und die Mädchen haben sich darauf eingelassen“, lobt sie das Engagement ihrer Schützlinge. Auf Nachahmer hofft Brigitte Hermanns-Spilles: „Der Bedarf an Beratung ist auf jeden Fall groß“, macht sie deutlich.

Kontakt zur Beratungsstelle kann unter 37212 oder per E-Mail unter schwangerschaft@awo-aachen-land.de aufgenommen werden.

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