Schlaue Mittel für Senioren, um sich Ärger und Leid zu ersparen

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Wer seine Angelegenheiten selbst in die richtigen Bahnen lenken möchte, sollte frühzeitig unter anderem an das Ausfüllen einer Betreuungsverfügung denken. Foto: Imago/Westend61
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Sie stellten am Mittwoch im Seniorenzentrum die Vorsorge-Mappe und die Notfallkarte vor: Dr. Wolfgang Joussen (links) und Seniorenbeauftragter Peter Toporowski. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Die meisten Menschen möchten selber bestimmen, was geschieht, wenn sie plötzlich schwer erkranken. Zwei hilfreiche Mittel dazu wurden im Seniorenzentrum Marienstraße vorgestellt, bei einem Informationsabend im Rahmen der Eschweiler Seniorenwoche. Es sind die Notfallkarte, die es seit 2009 in Eschweiler gibt, und die Vorsorge-Mappe der Städteregion Aachen.

In dieser Mappe sind Vordrucke für eine generelle Vollmacht, eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungsverfügung, eine Patientenverfügung und ein Notfallausweis zusammen – ein Rundum-Paket, das den Angehörigen viel Ärger und den Erkrankten auch Leid ersparen kann.

Angehörige oft hilflos

Wenn plötzlich ein naher Angehöriger erkrankt und nicht mehr in der Lage ist, selbst seine Angelegenheiten zu regeln, sind Angehörige oft hilflos. Zwar hat der Gesetzgeber für solche Fälle vorgesorgt – ein Betreuer oder eine Betreuerin kann gerichtlich eingesetzt werden. Aber auch Betreuer können dann nicht mehr ergründen, was denn der Betroffene in diesem Fall eigentlich wollte.

Manche Menschen möchten zum Beispiel bei sehr schweren Erkrankungen keine lebensverlängernden Maßnahmen. Aber ohne eine genaue vorherige Festlegung durch den Betroffenen selbst, mit einer Patientenverfügung, entscheiden dies dann andere. „Die Patientenverfügung ist Selbstbestimmung“, formuliert der Eschweiler Seniorenbeauftragte Peter Toporowski bei dem Themenabend „Notfallkarte – Patientenverfügung“.

Zur Unterstützung von Rettungsdiensten und Ärzten wurde in Eschweiler bereits 2009 die Notfallkarte eingeführt. Das hatten damals Gerd Becker, ehemals Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Männer (SkM), und der frühere Seniorenbeauftragte der Stadt Eschweiler Winfried Effenberg angeregt. Diese Karte unterstützt bei einem Notfall die Rettungsdienste, sie haben so einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Gesundheitsdaten einer Patientin oder eines Patienten.

Auf der Notfallkarte können alle wichtigen Informationen über Erkrankungen und die aktuellen Medikamente eingetragen werden. Das macht man am besten gemeinsam mit seinem Hausarzt. Wichtig bei der Notfallkarte ist auch eine kontinuierliche mindestens halbjährliche Aktualisierung der Daten durch den Patienten und seinen behandelnden Arzt.

Damit die Karte auch wirklich im Notfall gefunden wird, sollte sie am besten in einem verschlossenen Briefumschlag gut sichtbar in der Wohnung deponiert werden. Zum Beispiel kann man sie an der Innenseite der Wohnungstür befestigen. Der Rettungsdienst kann dann den Umschlag mit der Notfallkarte leicht finden, zu der akuten Behandlung nutzen und auch an die behandelnden Ärzte im Krankenhaus weitergeben.

Auf der Notfallkarte lässt sich außerdem eintragen, ob der Betroffene weitere Verfügungen für diesen Notfall getroffen hat. Dazu gehört auch eine Betreuungsverfügung, so Dr. Wolfgang Joußen vom Team des Projekts „Altengerechtes Quartier Eschweiler-Zentrum“. Mit dieser Betreuungsverfügung kann festgelegt werden, wer im Fall der Fälle für den Erkrankten die wichtigen Dinge des Lebens regeln soll. Ist dies nicht vom Betroffenen selbst vorher festgelegt worden und muss im Notfall eine Betreuung angeordnet werden, so muss der Betreuer oder die Betreuerin durch das Gericht bestimmen werden. Um festzulegen, wer im Notfall die Dinge für den Betroffenen regeln soll, zum Beispiel ein Verwandter oder ein anderer naher Angehöriger, kann auch eine Vorsorgevollmacht genutzt werden.

Viele Menschen möchten auch festlegen, welche Behandlungen im Falle lebensbedrohlicher Erkrankungen noch gewollt sind und welche nicht. Dazu benötigt man eine Patientenverfügung, so Joußen weiter. An diese Patientenverfügung hat der Gesetzgeber inzwischen sehr genaue und strenge Anforderungen gestellt, damit sicher ist, dass auch tatsächlich dem Willen des Betroffenen in diesem Fall entsprochen werden kann und Rechtssicherheit für alle besteht.

Um nun all diese Regelungen im Vorfeld zu erleichtern, hat die Städteregion Aachen eine Vorsorgemappe entwickelt, die über die wichtigsten Aspekte zu den Themen Vollmacht/Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung informiert. Die Vorsorgemappe enthält auch Musterverfügungen, die dann jeder, der solche Verfügungen machen möchte, für sich individuell ausfüllen kann, so dass für den Fall der Fälle wirklich vorgesorgt ist.

Kostenlos erhältlich

Die Notfallkarte samt vorgedrucktem Umschlag gibt es kostenlos im Rathaus, im Städtischen Seniorenzentrum Marienstraße 7 sowie in der Sparkasse Marienstraße 15. Die Vorsorge-Mappe, die gerade nachgedruckt wird, ist ebenfalls im Rathaus und im Seniorenzentrum erhältlich, sie kann auch über die Städteregion (Zollernstraße 10 in Aachen, das frühere Kreishaus) bezogen werden. Notfallkarte und Vorsorge-Mappe können ebenfalls von der Internetseite www.eq50.de des Eschweiler Quartiers-Projektes und von der Internetseite der Stadt Eschweiler heruntergeladen werden.

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