Eschweiler - Schiedspersonen bieten schnelle und kostengünstige Vermittlung

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Schiedspersonen bieten schnelle und kostengünstige Vermittlung

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Nachbarschaftsstreitereien können skurrile Formen annehmen. Damit‘s wieder klappt, helfen Schiedspersonen. Auf unserem Bild von links: Josef Kochs, Klaus Tiede, Wolfram Markus, Bürgermeister Rudi Bertram, Hermann-Josef Schmitz, Herbert Best, Rechtsamtsleierin Marie-Antoinette Breil (hinten), Angelika Köhler, Katharina Erkens und Willi Stiel. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Diese Einsicht stammt nicht etwa von Roland Kaiser, der sie einst besungen hat, sondern von Friedrich von Schiller. Und „böse Nachbarn“ gibt es reichlich.

Mitmenschen, die ihre Bäume und Sträucher über anderer Leute Grundstücke wuchern lassen, die den Bewohnern des Nachbarhauses den Feierabend durch dichte Schwaden von Grillkohlequalm vernebeln, denen das Ruhebedürfnis anderer völlig egal ist, wenn sie ihre Musikanlage aufdrehen oder den Laubbläser zu Höchstleistungen bringen, die sich nicht um Grundstücksgrenzen scheren und auch nicht vor Hausfriedensbruch, Beleidigungen, übler Nachrede, Verleumdung, Bedrohung, Sachbeschädigung und gar Körperverletzungen zurückschrecken.

Was tun, damit mit dem Nachbarn wieder klappt? Vor Gericht gehen? Das kann teuer werden. Es geht auch einfacher. Und günstiger – für 25 bis 50 Euro Gebühr: mit der Hilfe von Schiedspersonen. Schiedsmänner und -frauen, die als neutrale Vermittler und Streitschlichter auftreten. Und das ehrenamtlich. Männer und Frauen, die vom Stadtrat gewählt und vom Amtsgericht vereidigt werden.

Der Eid verpflichtet sie zur Verschwiegenheit. Was verhindert, dass wir an dieser Stelle so manches Anekdötchen aus wild bewegtem nachbarschaftlichen Gegeneinander erzählen können. Von Nachbarn, die sich mit Eiern bewerfen, und Kühen, die keiner vom Eis kriegt. Schiedspersonen, wie die offizielle – geschlechtsneutrale – Bezeichnung inzwischen lautet, verstehen sich als Vermittler.

Sie fällen keine Urteile, sondern versuchen, streitende Parteien zu einer einvernehmlichen Lösung zu bringen. Und vielen Fällen gelingt das auch, wie Hermann-Josef Schmitz, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Aachen des Bundes Deutscher Schiedspersonen, mit Zahlen belegt: So bearbeiteten die 221 Schiedspersonen im Bezirk des Oberlandesgerichts Köln anno 2014 897 Anträge, zu 750 Terminen erschienen beide Partien, 479 Streitigkeiten wurden durch Vergleich erledigt.

Hinzu kamen 1150 „Tür-und-Angel-Fälle“. Fälle, die „zwischen Tür und Angel“ mit einem Telefonat oder einer kurzen Beratung formlos erledigt werden konnten. „Manchmal reicht es schon, den Leuten zu sagen: ,Schlafen Sie mal drüber!‘“ erläutert Hermann-Josef Schmitz. Und auch 125 von 297 Strafsachen wurden erfolgreich abgeschlossen.

„Mann muss ein Händchen für die Leute haben“, sagt Schmitz. Das unterstreicht auch Josef Kochs, der seit Jahrzehnten das Schiedsmannsamt in Stolberg bekleidet. „Erst einmal in aller Ruhe zurücklehnen und warten, bis die Kontrahenten kräftig Dampf abgelassen haben“, beschreibt er den Verlauf seiner Vermittlungsgespräche, an denen beide Parteien teilnehmen müssen – sonst droht ein Ordnungsgeld.

„Nicht dazwischenfunken, keine Vorschläge machen. Erst hinterher fragen: ,Wie haben Sie sich das denn vorgestellt?‘“. Schiedspersonen brauchen Nerven. Nicht nur, wenn die Kontrahenten gleich mit Anwälten zum Vermittlungsgespräch anrücken – die Rechtsschutzversicherung zahlt‘s ja. „Da darf man sich nicht von beeindrucken lassen“, sagt Schmitz. „Die haben sich zurückzuhalten.“ Schwieriger, so ergänzt Kochs, wird es, wenn Männer ihre Frauen mitbringen. „

Wenn die Männer sich einig sind, schießen die Frauen oft quer. Dann kann‘s länger dauern.“ Bei Hermann-Josef Schmitz nahm das gegenseitige Beharken zweier Streithähne einmal nahezu kein Ende. „Nach einer Stunde war ich‘s leid. Ich habe denen gesagt: ,Ich gehe jetzt raus. Nach fünf Minuten komme ich wieder. Bis dahin habt ihr euch geeinigt!‘ Und so war es auch.“

„Unser Ziel ist es, beide Parteien mit dem Gefühl einer Win-win-Situation aus der Sache herauszubringen. So, dass die beide nachher an der Theke auch wieder ein Bier trinken können“, betont Schmitz.

Fünf Schiedsbezirke gibt es in Eschweiler. Gemeinsam mit Hermann-Josef Schmitz, Bürgermeister Rudi Bertram, Rechtsamtsleiterin Marie-Antoinette Breil und Josefs Kochs trafen sie sich jetzt im Rathaus zu einem Erfahrungsaustausch. Wobei deutlich wurde, dass den Ehrenamtlern vor allem die Fortbildung wichtig ist, Seminare und Workshops gibt es zu vielen Themen: Zivilrecht, Strafrecht, Nachbarschaftsrecht, EDV, Mediation.

Alle fünf Jahre werden die Schiedspersonen neu gewählt. Die Tätigkeit kann ausüben, wer die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter besitzt, nicht unter Betreuung steht, zwischen 30 und 70 Jahre alt ist, in dem Schiedsamtsbezirk seinen Wohnsitz hat und nicht in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Die 70er-Grenze dürfte bald fallen, meint Schmitz. Schon jetzt gilt: Auch über 70 darf man das Amt ausüben – „wenn kein anderer Kandidat da ist und die Kommune meint: Dä hätt dat joot jemaat!“

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