Schiedsmann: Der „Bulle van Rüh“ schlichtet Streit

Von: Sonja Essers
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Reinhard Danowski ist Schiedsmann und schlichtet Streit. Foto: Sonja Essers, Stock/Westend61

Eschweiler. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres möchten Sie nutzen, um einige Stunden auf Ihrer Terrasse zu verbringen. Wäre da nicht der Baum des Nachbarn, der auf das eigene Grundstück ragt und Schatten spendet. Ihr Nachbar wiederum weigert sich allerdings partout, die störenden Äste zu stutzen. Also was tun?

Dass Streitereien wie diese auch in der Indestadt nicht gerade selten vor Gericht landen, weiß Reinhard Danowski. Er ist seit zehn Jahren Schiedsmann. Seine Aufgabe: Zwischen beiden Parteien vermittlen und versuchen, eine Lösung zu finden. Doch nicht immer ist dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt. Und das ist nicht das einzige Problem, mit dem die Schiedsleute zu kämpfen haben.

Was kann man sich eigentlich unter diesem Amt vorstellen und wer ist dafür geeignet? Grundsätzlich kann jeder Indestädter Schiedsmann oder -frau werden, der folgende Bedingungen erfüllt: Eine Schiedsperson muss zwischen 30 und 70 Jahre alt sein, darf nicht unter Betreuung stehen, muss in seinem Schiedsamtsbezirk wohnen und muss in der Lage sein, ein öffentliches Amt zu bekleiden.

Darüber hinaus darf keine gerichtliche Verfügung über ihn vorliegen, die aussagt, dass derjenige nicht selbst über sein Vermögen verfügen darf.

Oft Unwissen

„Viele wissen heute gar nicht mehr, was ein Schiedsmann überhaupt ist“, sagt Danowski. Der Rentner hat vor zehn Jahren mit diesem Ehrenamt begonnen. Bereits in seinem Beruf – Danowski war 35 Jahre lang bei einer Leiharbeitsfirma tätig – habe er sich oft mit dem Lösen von Problemen auseinandersetzen müssen. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, genau wie der Umgang mit Menschen. Den habe ich gesucht, gefunden und den finde ich gut.“

Nachdem die Stadtverwaltung eine Stelle ausschrieb, meldete er sich und wurde vom Rat der Stadt Eschweiler gewählt und zunächst für fünf Jahre vereidigt. Es folgten weitere fünf Jahre.

Die Aufgaben von Reinhardt Danowski: Er kümmert sich um Fälle aus dem Zivilrecht, aus dem Nachbarschaftsrecht und aus dem leichten Strafrecht. „Die schweren Fälle sind für uns natürlich tabu“, stellt der Rentner klar und fügt hinzu: „Es ist auch wichtig zu wissen, dass unser Wort nicht in der Form gilt. Wir sind keine Juristen, sondern gewöhnliche Bürger und wir wollen nur zwischen den beiden Parteien vermitteln.“

Und mit welchen Problemen kommen die Indestädter zu Danowski und seinen Kollegen? Oft gleichen die Fälle dem eingangs genannten Beispiel. „In diesem Fall würde die Person, die sich gestört fühlt, einen Antrag stellen und der Gegner würde eine amtliche Vorladung erhalten, der er auch folgen muss“, erklärt Danowski. Während des Gesprächs übernimmt der Rentner die Aufgabe des Moderators.

20 bis höchstens 30 Minuten dauert ein solches Gespräch. „Alles, was darüber hinausgeht, hat keinen Sinn mehr“, sagt Danowski. Im besten Fall kann eine Einigung erzielt werden, ist dies nicht der Fall, landet der Streit vor Gericht. Manchmal ist jedoch auch der umgekehrte Weg der Fall.

„Manche Dinge, die erst zur Anzeige kommen, gibt das Amtsgericht an uns zurück“, berichtet der Rentner. Der Vorteil für die Streithähne: Ein Schiedsverfahren kostet maximal 50 Euro. „Die Kosten für ein normales Gerichtsverfahren mit Anwalt sind da deutlich höher“, so Danowski.

Nicht zufriedenstellend

Im vergangenen Jahr wurden sieben Anfragen an den Schiedsmann gestellt. Außerdem gab es sechs Verfahren, die das Amtsgericht an ihn weiterleitete. Zwei Verfahren und noch keine Anfrage sind in diesem Jahr bei dem Rentner eingegangen.

„Das Interesse hat in den vergangenen Jahren abgenommen, die Antragsflut beim Amtsgericht ist in der Zeit aber trotzdem größer geworden“, sagt Danowski. Woran das liegt, kann der Rentner nicht sagen.

Das sei jedoch nicht das einzige Problem. „Wir finden keinen Nachwuchs“, sagt er. Das könnte auch daran liegen, dass Schiedspersonen, obwohl sie ehrenamtlich tätig sind, einige Fortbildungen zu den Themen Straf-, Zivil- und Nachbarschaftsrecht besuchen müssen.

Neuer Spitzname

Gibt es einen Fall, der Danowski besonders im Gedächtnis geblieben ist. „Ich hatte mal einen Fall, bei dem ich Unterstützung von der Polizei beantragt habe. Passiert ist nichts, aber da ging es hoch her. Streitereien zwischen Familienmitgliedern sind meistens am schlimmsten“, sagt er. In seinem Freundeskreis hat ihm sein Ehrenamt einen Spitznamen eingebracht. „Hier nennen mich alle nur den Bullen van Rüh“, sagt er und lacht.

Zum 1. April dieses Jahres sucht die Stadtverwaltung neue Schiedspersonen bzw. Vertreter für die Bezirke I und II. Wer sich dafür interessiert, kann sich schriftlich oder zu Protokoll bis zum 26. Februar beim Rechtsamt der Stadt Eschweiler, Johannes-Rau-Platz 1, Zimmer 183, unter Vorlage des Personalausweises bewerben.

Danowski hofft auf zahlreiche Bewerber. „Das Schiedsamt ist eine schöne Sache. Die Leute sollen wissen, dass wir für sie da sind und nicht für das Gericht.“

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