Schenkungsvertrag erspart Erben viel Ärger

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Der Vorsitzende der Eschweiler Vereinigung „Haus und Grund“, Hans Graaf (links), bedankte sich nach dem Vortrag herzlich bei Günther Wopperer. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Wer seine Erbschaftsangelegenheiten von einem Fachmann regeln lässt, der kann seinen Erben eine Menge Ärger ersparen. Foto: Stock

Eschweiler. Wie lassen sich Erbschaftssteuern verringern oder ganz vermeiden? Tipps dazu erhielten Mitglieder der Eschweiler „Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund“ am Montag im Talbahnhof von dem Eschweiler Notar a.D. Günther Wopperer. Er beschrieb die „Vorweg genommene Erbfolge als Königsweg zur Vermögensnachfolge“ – so der Titel seines Vortrags.

Wopperer, früher Notar in Eschweiler und Nettetal, ist nach dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze für Notare in die Indestadt zurück gekehrt und hat sich als Rechtsanwalt und Steuerberater hier niedergelassen. Er erläuterte den rund 40 anwesenden Haus- und Grundeigentümern die drei verschiedenen Arten der Vermögensnachfolge: die gesetzliche Erbfolge, die Erbfolge durch ein handschriftliches oder ein notarielles Testament und die vorweg genommene Erbfolge durch einen Vertrag zwischen dem Erblasser und seinen Erben.

Wenn man die Vermögensnachfolge selber gestalten will, komme die gesetzliche Erbfolge nicht in Betracht, so Wopperer. Beispielsweise seien bei der gesetzlichen Erbfolge Ex-Ehepartner, Schwägerverwandte und Stiefverwandte vom Erbe ausgeschlossen. Wopperer: „Ich empfehle, es nicht zur gesetzliche Erbfolge kommen zu lassen, sondern die Erbfolge zu regeln“.

Bei einem Testament habe man bereits einige Gestaltungsmöglichkeiten, müsse aber die Pflichtteilsregelungen beachten. Bei der vorweggenommenen Erbfolge sei man auch darin frei – es sei im Grunde eine Variante des Schenkungsvertrages. Der Redner führte eine Reihe von Vorteilen auf. So verhindere man mit der vorweg genommenen Erbfolge Streitigkeiten, da der Vertrag ja von allen Beteiligten akzeptiert wurde: „Die können dann nicht mehr dagegen angehen“. Pflichtteile entstehen bei einem solchen Vertrag nicht. Und schließlich, als wohl wichtigster Grund für eine solche Regelung: „Die Erbschaftssteuer lässt sich verringern, manchmal gar ausschließen“.

Günther Wopperer dröselte die verschiedenen Möglichkeiten, sein Vermögen vorzeitig an die nächste Generation weiter zu geben, an Beispielen auf und wies auch auf Fußangeln hin. So können etwa Sozialbehörden zehn Jahre lang auf das bereits übertragene Vermögen zugreifen, wenn der Erblasser bedürftig wird und aus den Sozialkassen unterstützt werden muss. Nicht nur wegen dieser Regelung, sondern auch aus steuerlichen Gründen sei es sinnvoll, Vermögen in Teilen zu übertragen. Hat zum Beispiel der Haus- und Grundbesitz, der übertragen werden soll, einen Nettowert von zwei Millionen Euro, dann wird das erbende Kind (bei einem Freibetrag von 400.000 Euro) 304.000 Euro Erbschaftssteuern zahlen müssen. Da sich die Freibeträge aber alle zehn Jahre erneuern, sei es sinnvoll, das Vermögen aufzuteilen. Die Steuerlast sinke dadurch in dem gewählten Beispiel auf 180.000 Euro. Bei Erbschaft und Schenkung sei die Steuerhöhe gleich.

Patchwork mit abstrusen Folgen

In diesem Zusammenhang warnte Wopperer vor dem so genannten Berliner Testament, bei dem sich die Eheleute gegenseitig als Erben einsetzen und die Kinder als Schlusserben bestimmen. Das sei nur bei kleinen Vermögen sinnvoll: „Die Freibeträge der Kinder gehen verloren!“ Jedenfalls beim ersten Erbfall. Sinnvoller sei es, das Vermögen auf viele Köpfe zu verteilen und dabei die Zehn-Jahres-Regelung zu nutzen. Durch geschickte Kombination – etwa, indem ein Alleineigentümer zuerst die Hälfte des Vermögens seinem Ehepartner schenkt und dann beide Ehegatten jeweils Teile des Vermögens den Kindern schenken – lasse sich so die Steuer gegen Null reduzieren.

Natürlich, so fügte Wopperer an, sei ein solcher notariell geschlossener Vertrag zunächst einmal teurer – die gesetzliche Erbfolge koste ja nichts, außer vielleicht den Gebühren für einen Erbschein. Allerdings könne man mit einem soliden Schenkungsvertrag nicht nur Steuern, sondern den Erben auch viel Ärger ersparen. Das gelte besonders für so genannte Patchwork-Familien: „Da gibt es bei gesetzlicher Erbfolge die abstrusesten Folgen, je nachdem, wer als erster stirbt“.

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