Schaltsekunde: Wenn die Uhren kurz den Atem anhalten

Von: Nina Leßenich und Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
Schaltsekunde
Sieht komisch aus, existiert in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch aber – zumindest rein theoretisch. In der Realität bleiben die Uhren zwischen 01.59.59 Uhr und 2 Uhr deutscher Zeit einfach für eine Sekunde stehen. Grafik: Hans-Gerd Claßen

Eschweiler. Die gute Nachricht zuerst: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch können wir alle länger schlafen. Die schlechte Nachricht: Dieser Vorteil ist nur von kurzer Dauer, denn er dauert lediglich eine Sekunde. In dieser Nacht gibt es eine sogenannte Schaltsekunde: Die Zeit von 01.59.59 bis 2 Uhr deutscher Zeit wird dann zwei Sekunden statt einer dauern.

Mit einer solchen Schaltsekunde wird ausgeglichen, dass die Erde für eine Umdrehung etwas länger braucht, als unsere rechnerischen 24 Stunden. Ohne die Schaltsekunde würden die immer gleich schnell tickende Zeit der Atomuhren und die am Stand der Sonne gemessene astronomische Zeit daher immer weiter auseinanderdriften. Die Folge: Würde man diese Differenz nicht anpassen, würde die Sonne eines Tages erst mittags aufgehen.

Die aktuelle Schaltsekunde ist die 26. seit deren Einführung 1972. Wann eine Schaltsekunde notwendig wird, legt der Internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) in Frankfurt fest.

2012 gab es Probleme

Bei der letzten Schaltsekunde im Jahr 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt. „Manche Computersysteme haben mit der zusätzlichen Sekunde ein Problem“, erklärt Alexander Willkomm, Web-Entwickler bei dem Eschweiler IT-Unternehmens „aixITem“.

2012 beispielsweise habe es insbesondere bei den Buchungssystemen von Fluggesellschaften Probleme gegeben. „Solche Systeme berechnen mehrere Buchungen pro Sekunde“, erklärt der Fachmann. „Jede Buchung wird einem ganz genauen Zeitpunkt zugewiesen“, sagt er. Wenn es plötzlich eine Sekunde mehr gebe, als in unserer Zeitrechnung eigentlich vorgesehen, würden die Systeme durcheinanderkommen und abstürzen. Und das wirke sich dann natürlich auch für die Nutzer solcher Dienste aus. „Die Systeme müssen dann neu gestartet werden und das dauert natürlich seine Zeit“, sagt Willkomm.

Neben Buchungssystemen könne so etwas beispielsweise auch bei cloudbasierten Datensystemen passieren, erklärt der Experte. Sorgen, dass man seine in der Cloud gespeicherten Daten verliere, müsse man sich laut Willkomm jedoch nicht machen. „Die entsprechenden Websites sind zwar eine Weile offline und nicht erreichbar, es gehen aber keine Daten verloren“, sagt er. Nichtsdestotrotz empfiehlt er jedoch, wichtige Daten immer noch einmal zusätzlich zu sichern. Das gleiche gelte für Passwörter. „Das gilt allerdings nicht nur für den Tag mit der Schaltsekunde, sondern ist ein grundsätzlicher Ratschlag“, sagt er.

Auch Angst davor, dass Privatcomputer wegen der Schaltsekunde Probleme bekommen könnten, muss laut Willkomm niemand haben. „Die Probleme mit der Schaltsekunde betreffen in der Regel nur große Systeme“, sagt er. „Normale“ Endanwender müssten sich daher keine Gedanken machen. Zwar gehe die Zeit nach der Schaltsekunde möglicherweise eine Sekunde falsch, das störe ja aber vermutlich niemanden.

Auch die Gefahr für erneute Abstürze größerer Systeme schätzt Willkomm als gering ein. „Wir haben ja gesehen was 2012 passiert ist und haben jetzt schon Übung“, sagt er.

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