Eschweiler - Schach-Sammler: Ein bisschen „crazy” muss man sein

Schach-Sammler: Ein bisschen „crazy” muss man sein

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
Außergewöhnliche Schachspiel
Außergewöhnliche Schachspiele gehören natürlich in eine Ausstellung mit dem Thema „Faszination Schach”. Dies hier sind aus Bonze gegossene Spielfiguren aus Kamerun, das Spiel ist ein Unikat. Foto: Ebbbecke-Bückendorf

Eschweiler. Sammler seien nicht verrückt, versicherte Professor Dr. Wolfgang Angerstein. „Nur vielleicht ein bisschen crazy.” Und außerdem sind Sammler ausdauernd, hartnäckig, voller Expertenwissen und, wenn sie Glück haben, mit verständnisvollen Ehepartnern gesegnet.

Wie sein Freund Siegfried Tschinkel. Von dessen Sammelleidenschaft und ihren vielen Facetten kann sich jetzt jeder ein Eindruck verschaffen. Die Raiffeisen-Bank Eschweiler an der Franzstraße zeigt bis zum 7. Januar die Ausstellung „Faszination Schach”, die zu großen Teilen aus der Sammlung des früheren Leiters der Eschweiler Volkshochschule besteht. Anlass der Ausstellung ist ein Jubiläum. Der Eschweiler Schachclub besteht seit 90 Jahren.

Faszination ist das richtige Wort für diese Ausstellung, die deutlich macht, welche Bedeutung das Schachspiel in Kultur, Sport und Politik hatte und hat. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sich Herrscher gerne beim Schachspielen abbilden lassen. Auf das jüngste Beispiel wies Johannes Gastreich, Vorstand der Raiffeisen-Bank, in seiner Eröffnungsansprache hin. Dass auf dem Umschlag des Buches „Zug um Zug”, verfasst von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück, ein falsch aufgebautes Schachbrett zu sehen ist, war mancher Zeitung eine Schlagzeile wert. Steinbrück und Schmidt sind übrigens beide passionierte und gute Schachspieler. Was Sammler Tschinkel bestätigen kann. Zu seinen Schätzen gehört auch ein signiertes Foto, das Helmut und Loki Schmidt beim Schachspielen zeigt.

Dass Schachsammler eines „bisschen crazy” sind, versicherte auch der frühere Weltpräsident der Schachsammler-Vereinigung „Chess Collectors International”, Dr. Thomas Thomson. In seinem Grußwort berichtete er als Anekdote von einem sammelnden Freund aus dem USA, der die Menschen in drei Gruppen einteile. Da gebe es einmal die Rechtwinkligen, das seien jene langweiligen Menschen, für die zweimal Zwei stets Vier sei und nichts anderes. Auf der anderen Seite dann die Verrückten, für die zweimal Zwei jedes mögliche Ergebnis haben könne, außer der Vier. „Und dazwischen die Leute wie du und ich. Wir wissen zwar, dass zweimal Zwei Vier ist - aber wir mögen das Ergebnis überhaupt nicht.”

Auf Schach als Sport ging Ralf Niederhäuser ein. Der frühere Vorsitzende des Eschweiler Schachclubs ist jetzt Präsident des Schachbundes Nordrhein-Westfalen, in dem 19.000 Spieler organisiert sind. Sein Fazit: Schach ist Sport, und Sport ist gesund. „Schach ist kein Gehirnjogging, Schach ist ein Gehirnsturm!”

Eine andere Definition des Schachspiels, eine alte indische Weisheit, zitierte Sammler Siegfried Tschinkel: „Schach ist ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann.” Er wies auf einige Aspekte seiner Sammlung hin. Da gibt es zum Beispiel eine Vitrine in der Ausstellung, in der die Geschichte des Schachspiels in Grafikblättern dargestellt wird, von der höfischen Zeit bis hin zur Niederlage des Weltmeisters Kramnik gegen einen Schachcomputer.

Unbedingt sehenswert auch die künstlerische Visualisierung eines Schachspiels zwischen Albert Einstein und Robert Oppenheimer, geschaffen von dem Objektkünstler Ugo Dossi. Bei einer Ausstellung in Eschweiler muss natürlich auch der Aspekt Karneval vertreten sein. In einer der Vitrinen hängt ein Karnevalsorden der „Klee Oepe Jonge” aus dem Jahr 1975, darauf das Motto: „Schachmatt dem Griesgram”.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung am Dienstagabend in den Räumen der Raiffeisenbank von drei Schülerinnen der Eschweiler Musiksalonschule. Franziska Wirtz, Katharina Haas und Cara Graafen spielten unter anderem ein Menuett von Haydn und die Bearbeitung eines Adventslieds von Joszef Acs.

Eröffnet und beschlossen wurde der Start in die Ausstellung von einem Kunstwerk, das wiehern kann. Das dreidimensionale Werk von Volker Kühn, ebenfalls aus der Sammlung Tschinkel, zeigt ein Pferd, das den König matt setzt. Vergnügt zogen Gastreich und Tschinkel an einem Bändchen und setzten das zum Kunstwerk gehörende Pferdegetrappel in Gang.
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