Rund ums „Hotel de Ville“ gibt’s viel zu tun

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
12970443.jpg
Südfranzösisches Flair am Rande der Eschweiler Altstadt: Hoteldirektorin Anita Kloth war vom Garten des Hotels und Bistros de Ville sofort begeistert. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Wenige Tage ist es her, dass die Pressestelle des Landes einen Blick auf die touristische Szene im Land warf und die jüngsten Übernachtungszahlen bekanntgab. In den 13 Eschweiler „Beherbergungsbetrieben“, die mindestens zehn Gästebetten bieten, waren die insgesamt 310 Betten demnach in der ersten Jahreshälfte zu durchschnittlich 37 Prozent ausgelastet.

Eine Zahl, mit der die Indestadt Nachbarstädte wie auch Eifelgemeinden deutlich hinter sich lässt. Eine Zahl, über die Anita Kloth dennoch nur staunen kann: Ihr zur Best-Western-Gruppe gehörendes „Hotel de Ville“ an der Dürener Straße bringt es auf Auslastungen von bis zu 74 Prozent.

Mit der Hoteldirektorin, die gelernte Buchhalterin ist, in einer Steuerkanzlei, bei der AOK, in der Modebranche und in einem Softwareunternehmen tätig war, ehe sie sich überreden ließ, die Buchhaltung des Hotels zu übernehmen, sprachen wir über Eschweilers Ist, Muss und Soll in Sachen Fremdenverkehr.

Seit gut sechs Jahren sind Sie Direktorin des „Hotel de Ville“. Seither hat sich hier einiges geändert...

Anita Kloth: Als ich 2005 hier in der Buchhaltung anfing, habe ich mich sofort in das Hotel verliebt. Die Tätigkeit im Hotel hat zwar ein gewisse Leichtigkeit, ist aber auch sehr viel Arbeit. Als ich 2010 die Leitung des Hotels und des Restaurants übernahm, schrieben wir sehr schlechte Zahlen. Als sparsamer und umweltbewusster Mensch habe ich sofort einiges geändert, habe zum Beispiel auf Energiesparlampen umgestellt und hausgemachte Marmelade und frische Smoothies eingeführt – Qualität in kleinen Mengen, nicht wahllos eingekauft.

Mein Motto: Hier darf nichts weggeworfen werden. Ich habe täglich selbst in der Restaurantküche gearbeitet, hatte einen 16-Stunden-Tag. Aus dem Urlaub auf Ibiza habe ich gute Musik mitgebracht, deren Bedeutung für eine Wohlfühlatmosphäre im Haus auch nicht zu unterschätzen ist. Ebenfalls aus dem Urlaub mitgebracht habe ich die Idee, unsere Speisekarten mit Klemmleuchten auszustatten, und aus einem Türkei-Urlaub resultiert die breite Palette an Eiervariationen, die wir zum Frühstück anbieten – frisch auf den individuellen Wunsch des Gastes zubereitet. Ich möchte meine Gäste immer wieder überraschen. Als Hundebesitzerin habe ich zum Beispiel dafür gesorgt, dass Gäste, die mit Hunden anreisen, auf ihrem Zimmer Hundeleckerli vorfinden.

Nun macht das allein aber sicher nicht den Erfolg eines Hotels aus. Da gehört einiges mehr dazu.

Anita Kloth: Natürlich. Ein angenehmes, sauberes Umfeld zum Beispiel. Ich höre meinen internationalen Gästen immer zu und versuche das, was an uns herangetragen wird, sofort umzusetzen. Bei manchen Dingen aber ist das nicht möglich. So weiß ich, dass unsere Gäste ein ordentliches Eschweiler vorfinden wollen. Ich habe selbst einen Hund, aber überhaupt kein Verständnis dafür, dass man überall über deren Hinterlassenschaften stolpert. Ich höre immer wieder, wie wichtig Sauberkeit für unsere Besucher ist. So werde ich immer wieder gefragt, wie es denn möglich sei, dass gleich neben dem Hotel, mitten in der Stadt, ein Abbruchgelände ewig brachliegen kann. Das Umfeld sollte ein schönes Bild bieten, keine Rattenlöcher.

Was sollte in Sachen Stadtverschönerung vorrangig getan werden?

Anita Kloth: Hauptthema ist, wie gesagt, die Sauberkeit. Ich war gerade eine Woche auf Ibiza. Da sah man kaum eine Zigarettenkippe auf der Straße, aber alle paar Meter gab es Mülleimer. Hier muss ich jeden Tag Flaschen und anderen Müll aus unseren Grünanlagen klauben. Was fehlt, ist auch ein einheitliches Erscheinungsbild der Stadt, eine einheitliche Bepflanzung zum Beispiel mit Buxbäumen, dazu mehr Ruhebänke im öffentlichen Raum. Die Stadt braucht mehr Aufenthaltsqualität, die auch mehr Leben in die City bringt. Hier ist abends alles leer, da werden die Bordsteine hochgeklappt. Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin gerne hier, ich wollte nie aus Eschweiler weg. Eschweiler ist schön – aber einiges hier ist durchaus zu verbessern.

Was sind auf der anderen Seite die Pfunde, mit denen Eschweiler wuchern kann?

Anita Kloth: Da ist in erster Linie der Blausteinsee. Aber auch Veranstaltungen wie das Eschweiler Music Festival. Allerdings kommen die wenigsten unserer Gäste aus touristischen Gründen nach Eschweiler. 80 Prozent der Besucher sind Geschäftsreisende. Die weitaus meisten davon kommen aus den USA, gefolgt von Franzosen und Chinesen. An den Wochenenden sind es häufig Hochzeits- oder Geburtstagsgäste, die zu uns kommen. Und auch Hospitalpatienten und -besucher sind oft unsere Gäste. Natürlich merken wir auch das CHIO in Aachen, das Autorennen in Spa und Messen in Düsseldorf und Köln. Wenn dort die Preise explodieren, kommen die Leute gerne zum uns. Wir verändern unsere Preise nicht.

Seit 1. September hat Eschweiler einen neuen Marketingmanager, der das Image der Stadt aufpolieren soll. Was erwarten Sie von ihm?

Anita Kloth: Eschweiler könnte durchaus noch etwas attraktiver werden. Das gilt übrigens für die gesamte Region. Mehr Attraktionen in der Region insgesamt wären wünschenswert. Da hätten alle etwas von. Vom historischen Jahrmarkt in Kornelimünster etwa profitiert auch Eschweiler. Ich habe der Stadt übrigens mehrfach angeboten, einen Fragenkatalog aufzulegen, den ich dann in unseren Hotelzimmern auslegen würde. Ein paar simple Fragen: Was fehlt Ihnen in Eschweiler, was gefällt, was sollte verbessert werden? Von der Stadt kam aber keine Reaktion.

Und was erwarten Sie von der bevorstehenden Neubebauung des City-Center-Areals?

Anita Kloth: Auf jeden Fall mehr Attraktivität für die Innenstadt. Nötig wäre, hier ein Areal zu schaffen, das Leute anzieht, das andere Geschäfte bietet als die ohnehin in der Stadt schon vorhandenen. Schön wäre zum Beispiel ein Delikatessenladen und ein kleines Kaufhaus. In das Quartier muss Atmosphäre rein, Stimmigkeit, ein einheitliches Erscheinungsbild. Insgesamt gilt: Der Kunde muss König sein.

Und in Handel und Handwerk ist in Eschweiler mehr Miteinander nötig. Ich gebe unseren Gästen, die hier immer wieder nach bestimmten Einkaufsmöglichkeiten fragen, gerne Tipps und Hinweise auf bestimmte Geschäfte in der Stadt. Und ich versuche zum Beispiel bei allen Einkäufen und Dienstleistungen Eschweiler Firmen zu nehmen. Unsere frühere Hausverwaltung kam aus Aachen, die nahm natürlich auch nur Aachener Firmen. Das habe ich geändert. Natürlich würde ich mich freuen, wenn da auch etwas zurückkäme. Wenn sich die Atmosphäre und Qualität unseres Restaurants zum Beispiel nicht nur unter Auswärtigen herumsprechen würde.

Abgesehen von den kreativen Einfällen, mit denen Sie Ihre Gäste überraschen: Was müssen Sie tun, um das Niveau des Hotels zu halten?

Anita Kloth: Best Western unterzieht uns jedes Jahr einer Qualitätsprüfung und gibt bestimmte Standards vor. So werden wir jetzt neue, größere Flachbildfernseher anschaffen. Wenn wir diese Vorgaben nicht erfüllen, kann das den Ausschluss aus der Best-Western-Gruppe bedeuten. Bisher aber hatten wir noch nie Probleme. Und die Vorgaben der Gruppe setzen auch der eigenen Kreativität keine Grenzen.

Im Gegenteil: Manche meiner Ideen sind inzwischen von anderen Häusern übernommen worden. Wir investieren große Summen in Brandschutz, in die Modernisierung der 66 Zimmer, in bessere Matratzen für unsere 94 Betten. Das sind ständig laufende Kosten und Maßnahmen, von denen der Gast nichts mitbekommt. Auch unsere vier Sterne, die der Hotel- und Gaststättenverband uns verliehen hat, stehen jährlich auf dem Prüfstand. Ein Team des Verbands überprüft uns regelmäßig.

Und den wissen auch viele prominente Gäste zu schätzen. Wer steht denn alles in Ihrem Gästebuch?

Anita Kloth: Da finden sich unter anderem Mungo Jerry, Bernhard Brink, Bata Illic, Till Brönner, Grit Böttcher, Patrick Lindner, Chris Thompson, Fritz Rau, Barclay James Harvest, Santiano, Jochen Busse, Kai Pflaume, Ottfried Fischer, Konstantin Wecker und Wolfgang Niedecken samt BAP.

Nena war schon zweimal mit gesamter Crew Ihr Gast. In Magdeburg machte sie Schlagzeilen, weil ein Hotel sie wegen angeblich übertriebener Forderungen abwies.

Anita Kloth: Als ich das im Fernsehen erfuhr, habe ich laut gelacht. Was auf Nenas Liste stand, waren eigentlich nur Kleinigkeiten – Bio-Essen, weiße Laken, nichts Besonderes. Soll ich mir dafür 20 Gäste vergraulen? Nena war eigentlich ganz unkompliziert. Ich bin stolz darauf, dass sie sich hier zum wiederholten Mal wohlgefühlt hat.

Das liegt wohl nicht nur am Haus, sondern auch an den Mitarbeitern.

Anita Kloth: Stimmt. Ich habe ein so tolles Team – das ist traumhaft. Aber weitere gute Mitarbeiter sind kaum zu bekommen. Ich suche dringend Zuwachs: im Housekeeping, im Nachtdienst, im Service. Wer Interesse hat: bitte melden!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert