Eschweiler - Ruhe beim Schrauben - doch auf der Strecke gibts nur Vollgas

Ruhe beim Schrauben - doch auf der Strecke gibts nur Vollgas

Von: Patrick Nowicki
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Ort der Entspannung: Zwischen den alten Karts fühlt sich Siegfried Suthau junior pudelwohl. Sämtliche Schrauben zieht er in seiner Weisweiler Werkstatt selbst an. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. In der Garage neben dem Familiensitz in Hücheln findet Siegfried Suthau junior Ruhe vom Alltag. Dort stehen mehrere Rotax- und Parilla-Motoren in den Regalen, dort sind Reifen gestapelt wie in einer Formel-1-Box. Es riecht nach Öl und Benzin. Bis zu zehn Stunden in der Woche verbringt Suthau junior dort und „schraubt”, wie er es selbst nennt, an seinen historischen Karts.

Schon als Jugendlicher drehte er auf den Kartstrecken seine Runden, schaffte es sogar bis zum Landesmeistertitel 1985, ehe der Beruf ihn zur Pause zwang. Vor sieben Jahren kehrte der Kartsport in sein Leben zurück.

20 PS, 100 ccm Hubraum

Auf dem Gelände an der Hüchelner Stadionstraße widmet sich Siegfried Suthau mit Muße den bis zu 140 Stundenkilometer schnellen Gefährten. Auf der Rennstrecke kennt er jedoch nur eins: Vollgas. Selbst bei den historischen Rennen, bei denen die Runden gleichmäßig bewältigt werden müssen, drückt er stets auf den Gashebel. Und meistens sitzt er in dem gleichen Kart, das ihm schon als junger Mann so manchen Pokal bescherte: Einem Allkart mit Petri-Motor, 20 PS stark und mit 100 Kubikzentimeter Hubraum.

Vater Siegfried Suthau senior ermöglichte seinem Sohn den Weg in den Kartsport. „Wir fuhren in Düren an einer Tankstelle vorbei, im Schaufenster daneben war ein Kart ausgestellt”, erzählt Suthau junior. Irgendwann habe man das Kart gekauft und sei nach Kerpen gefahren.

Kerpen? Da hupt es im Ohr der Motorsportfans. In der Tat lernte der 14-jährige Siegfried Suthau ziemlich schnell einen gewissen Michael Schumacher kennen. Allerdings ist der spätere Formel-1-Weltmeister drei Jahre jünger, sodass es nie zum direkten Duell kam. Auch Heinz-Harald Frenzen und Michael Bartels, der vor allem als Freund von Steffi Graf auf sich aufmerksam machte, drehten dort ihre Runden.

Dass es trotz Landesmeisterschaft in der Klasse N und Platz 5 bei der Deutschen Meisterschaft in Dahlem nicht zur großen Motorsport-Karriere reichte, hat für Siegfried Suthau junior, den alle nur „Siggi” nennen, einfache Gründe: „Ich bin zu groß und dadurch auch zu schwer.”

Zudem rief ihn der väterliche Betrieb, schließlich sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er absolvierte darum eine Lehre zum Metallbauer, die er wenig später mit dem Meistertitel ergänzte. Und so verschwand der Kartsport für lange Zeit aus seinem Alltag. Während Michael Schumacher die ersten Weltmeistertitel einheimste, übernahm Siegfried Suthau junior die Geschäfte seines Vaters und verbrachte auch einige Zeit in der Nähe von Leipzig, wo eine „Filiale” des Weisweiler Unternehmens betrieben wurde.

Leidenschaft kehrt zurück

Aber die Leidenschaft für den Motorsport kehrte zurück. Im Jahr 2003, als in einem Fachmagazin zu einem historischen Rennen aufgerufen wurde, holte Suthau sein altes Kart wieder aus der Garage. Dieses Treffen war der Zündfunke: Seitdem greift er wieder regelmäßig zu Schraubendreher und -schlüssel. Und seine Kart-Sammlung wuchs auf fünf Stück. Mindestens. Denn in den Regalen liegen zahlreiche Ersatzteile. Und jede Schraube zieht er selbst an: „Dann weiß ich auch, dass alles funktioniert”, schmunzelt der 43-Jährige. Nur die Motoren überlässt er anderen.

Woher er die Fähigkeit hat, die Fahrzeuge in ihre Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzufügen? „Ich habe mir schon in jungen Jahren viel abgucken können.” Von den Technikern oder „Schraubern”, wie er sie nennt. Im Gegensatz zu den heutigen Autos stößt man bei den alten Karts nicht auf Elektronikelemente. Der Motor überträgt die Kraft noch direkt auf die Kette - ohne Kupplung oder Getriebe. „Darum muss man die Karts auch anschieben und reinspringen”, so Suthau junior. Stehen die Räder, geht der Motor aus.
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