Eschweiler - Rudelgucken in Eschweiler fällt dieses Jahr aus

Rudelgucken in Eschweiler fällt dieses Jahr aus

Von: Patrick Nowicki
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Bestens gerüstet und voller Vorfreude auf die heute startende Fußball-Weltmeisterschaft: das Eschweiler Redaktionsteam mit Patrick Nowicki, Irmgard Röhseler und Rudolf Müller. Auf dem Bild fehlend, aber auf der Einwechselbank stets bereit: Tobias Röber.
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Für ihn scheint es keinerlei Zweifel zu geben, wer Weltmeister wird: Otto Maks mit seinem rekordverdächtig WM-mäßig aufgemotzten Mercedes. Er selbst war (noch) in Zivil unterwegs, als wir ihn am Dienstagabend in der Martin-Luther-Straße trafen.

Eschweiler. Ab Donnerstag zählt‘s: Um 17 Uhr beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft mit der Partie Russland gegen Saudi-Arabien. Die deutsche Elf wird sich dieses ebenso wie die nächsten Spiele noch genüsslich anschauen können. Ihr erstes Spiel steht erst am Sonntag im Terminplan: gegen Mexiko.

Wer die Partien bei vergangenen Fußball-Großereignissen auf der Großbildleinwand auf dem Marktplatz verfolgt hat, muss diesmal umplanen. Die Wirte laden nicht zum gemeinsamen Rudelgucken auf dem Marktplatz ein. Zu groß sei das wirtschaftliche Risiko, zu hoch seien die Auflagen, teilt Michael Esser vom „Mexi & Co.“ mit, der vor vier Jahren die Großbildleinwand organisiert hatte.

Verregnetes Finale

Mit der Weltmeisterschaft vor vier Jahren verbinden die Fußballanhänger vor allem den Finalsieg der Deutschen und das legendäre 7:1 gegen Gastgeber Brasilien. Esser denkt dann vor allem an den Gewitterregen, der sich kurz vor dem Anpfiff des Endspiels über den Marktplatz ergoss. Die große Party an der aufwendig installierten Leinwand fiel ins Wasser. 25 Sicherheitsleute, auch zahlreiche Feuerwehrleute waren an diesem Tag im Einsatz – für letztlich wenige Menschen, die dem Wetter trotzten.

Nach der Umgestaltung des Marktplatzes stelle sich ihm auch die Frage, wo die Leinwand hingestellt werden könne. „Leider war kein anderer bereit, mitzumachen“, lautet sein Fazit. Ganz auf WM-Gefühl will er jedoch nicht verzichten: An seiner Gaststätte „Mexi & Co.“ an der Ecke zur Schnellengasse ist ein LED-Bildschirm installiert, vor dem man die Fußballspiele verfolgen kann.

„Die Zeit, dass viele Menschen gemeinsam bei einer zentralen Veranstaltung Fußball gucken, scheint vorbei zu sein“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Im Rathaus liegen keine Anträge für größere Veranstaltungen im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft vor. Gleichwohl werden Ordnungsamt, Polizei und auch Feuerwehr besonders gewappnet sein. Zunächst sei eine größere Präsenz bei den Gruppenspielen mit deutscher Beteiligung geplant, sagt Bertram. Zugleich bittet der Verwaltungschef um Verständnis, wenn es auch nach 22 Uhr mal etwas lauter werden kann: „Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist ein gesellschaftliches Ereignis und damit eine besondere Zeit.“ Er hofft auf gegenseitige Rücksichtnahme. Die Nachtruhe gilt es dennoch einzuhalten.

„Natürlich dürfen Fußballfans ihr Haus zur WM dekorieren – egal ob sie Mieter oder Eigentümer sind“, berichtet Johannes Gastreich. Der 1. Vorsitzende von Haus & Grund Eschweiler gibt jedoch zu bedenken: „Fahnen, Wimpel oder Transparente müssen so angebracht werden, dass sie nicht auf die Straße fallen und dort Menschen verletzen oder zum Beispiel Autos beschädigen können.“ Wenn man zur Befestigung der Fahne einen Haken an der Fassade anbringen muss, muss man vorher den Vermieter um Erlaubnis bitten. Fenster des Nachbarn dürfen nicht verdeckt werden.

Kein besonderer Einsatzplan

Die Eschweiler Feuerwehr hat keinen besonderen Einsatzplan für die Weltmeisterschaft angefertigt. Da keine großen Veranstaltungen angekündigt sind, werde man wie an jedem Tag nach Einsatzlage entscheiden, sagt Schichtführer Marc Schmitz. Elf Feuerwehrleute werden im Wachdienst tätig sein, wenn Deutschland am Sonntag sein erstes Vorrundenspiel bestreitet.

„Ist die Lage ruhig, können wir auch das Spiel schauen, bei Einsätzen haben wir Pech gehabt“, sagt er. Der Plan sieht vor, dass in der Eschweiler Feuerwache für die Feuerwehrleute alle drei Tage eine 24-Stunden-Schicht ansteht. Dass jemand seine Schicht tauschen wollte, um die Deutschland-Spiele ungestört gucken zu können, sei ihm nicht bekannt. „So fußballverrückt ist hier niemand“, betont er.

Die Fußball-Weltmeisterschaft wirbelt den Veranstaltungskalender durcheinander. Wenn die Neu-Lohner am Wochenende an die Umsiedlung des Kirchspiels vor fünf Jahrzehnten erinnern, endet die Feier am Sonntag – natürlich – mit Fußball. In der Gaststätte Rinkens wollen sich die Umsiedler und ihre Gäste das Auftaktspiel der deutschen Elf anschauen.

Im Rathaus ist man für das Turnier gewappnet. Und der Weltmeistertipp des Bürgermeisters? „Deutschland hat die Riesenchance, den Titel zu verteidigen und etwas Besonderes zu schaffen“, sagt Bertram. Allerdings fordert er auch alle auf, sich auf Fußball zu konzentrieren und nicht die Politik in den Vordergrund zu rücken: „Wenn man ein Problem mit den politischen Verhältnissen in Russland hat, dann darf man die Weltmeisterschaft nicht dahin vergeben.“ Spätestens wenn der Ball rollt sollte es wieder um die wichtigste Sache im Fußball gehen: um Tore.

 

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