Roter Freudentaumel im Eschweiler Rathaus

Von: Rudolf Müller und Patrick Nowicki
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Von seinen „Fans” bejubelt, von seinen Gegnern beglückwünscht: Wahlsieger Rudi Bertram, hier mit SPD-Stadtverbandschef Stefan Kämmerling, holte erneut über 71 Prozent der Stimmen. Rechts strahlt Bertrams Ehefrau Hedi. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Dieses Ergebnis hatte Rudi Bertram selbst am wenigsten erwartet: Souverän wiederholte der Bürgermeister das Traumergebnis der vorangegangenen Kommunalwahl, zog 71,95 Prozent derer, die zur Wahl gegangen waren, auf seine Seite und ließ seinem CDU-Kontrahenten Christoph Herzog gerade mal 22,16 Prozent der Wählerstimmen übrig.

Grüne-Kandidaten Gabriele Pieta brachte es auf 3,01, Linke-Bewerber Albert Borchardt auf 2,88 Prozent.

In seinem Amtszimmer hatte Rudi Bertram im Kreise seiner Familie und einiger Freunde das Eintreffen der einzelnen Stimmbezirksergebnisse erwartet. Als er gegen 21 Uhr runter ins aus allen Nähten platzende SPD-Fraktionszimmer ging, empfing ihn tosender Beifall. Seine Dankesworte drohten zunächst im allgemeinen Beifall unterzugehen. Aber Bertram wäre nicht Bertram, hätte er nicht die Forderung „Rudi, kletter´ auf den Tisch!” mit einem prompten „Nee, ich bleibe lieber auf dem Teppich!” beantwortet.

Dank an Mitstreiter

Bertrams Dank richtete sich an alle Mitstreiter: „So etwas kann keiner alleine - das habt Ihr alle gemacht!” Auch wenn es in der Nervosität und Hektik des Wahlkampfs ab und zu untereinander heftig gekracht habe: „Wir können uns alle in die Augen sehen; wir haben uns nicht kaputtgemacht. Und das ist der größte Erfolg dieser SPD!” Rudi Bertrams besonderer Dank galt Ehefrau Hedi, „die das alles mit erträgt”, dem „jungen Hai” Stefan Kämmerling, der als Stadtverbandsvorsitzender den Wahlkampf hervorragend geleitet habe, seinen langjährigen Weggefährten Stefan Kaever und Georg Urbach sowie dem „lieben Leo”, wie Bertram im Überschwang der Gefühle den SPD-Fraktionschef Leo Gehlen titulierte, mit dem er durchaus nicht immer einer Meinung ist.

Bertram dankte aber auch der gesamten Rathausmannschaft: „Die Eschweiler Bevölkerung kann sich auf dieses Team verlassen! Gemeinsam werden wir die vor uns liegende Probleme lösen!”

Dass Max Krieger und seine musikalischen Mitstreiter Bertram ausgerechnet das traditionelle „Glückauf, der Steiger kommt” als Ständchen darbrachten, war in diesem Fall leicht zweideutig zu verstehen: CDU-Kandidat Christoph Herzog ist bekanntlich zu Karneval als „Steiger” in der Bütt unterwegs. Für ihn war und seine CDU-Kollegen war der Sonntag ein rabenschwarzer Tag. In keinem einzigen Eschweiler Wahlbezirk behielten die Christdemokraten die Oberhand, überall wurden sie, teils deftig, von den Wählern abgestraft. Vor fünf Jahren zogen noch drei Direktmandate. Diesmal votierten nur 27,58 Prozent der Wähler für die Union.

Und so war es nicht verwunderlich, dass im CDU-Zimmer Tristesse herrschte: „Das ist ein Desaster für die CDU”, rang Fraktionschef Bernd Schmitz nach Fassung. Nach Gründen für den Einbruch gefragt, zucken an diesem Abend nur die Schultern. 5,36 Prozent und zwei Sitze im neuen Stadtrat hatte die Union verloren. Was noch schwerer wiegt: Mit großer Wahrscheinlichkeit reichen die 49,79 Prozent der SPD zur absoluten Mehrheit.

Herzog nicht überrascht

Der CDU-Spitzenkandidat Christoph Herzog konnte mit seinem Ergebnis nach eigenem Bekunden leben: „Ich habe nicht damit gerechnet, Rudi Bertram schlagen zu können”, räumte der Christdemokrat ein. Allerdings habe er sich ein Paar Prozent mehr erhofft. „Aber ich bin bei Null gestartet”, gab er sich sportlich. Am Ende wurden es 22,16 Prozent und damit fast das gleiche Ergebnis, das sein Vorgänger Manfred Groß vor fünf Jahren erzielte. Herzog will nun als Stadtratsmitglied in der CDU weiterarbeiten.

Obwohl sie die schärfsten Attacken gegen die rot-grüne Mehrheit fuhren, zählten sie zu den Verlierern des Wahltages: die UWG. Sie büßte 1,36 Prozent der Stimmen ein und kam letztlich auf 6,94 Prozent. „Wir hatten ein zweistelliges Ergebnis im Visier”, gestand UWG-Fraktionschef Erich Spies. Am Ende habe man sich eingestehen müssen, dass man die Bürger nicht erreicht habe. Lediglich in Röthgen-Ost langte die UWG hin: Die 15,6 Prozent von Walter Rauchenberger bildeten die Ausnahme.

Grüne-Fraktionschef Franz-Dieter Pieta nahm das Ergebnis äußerlich gelassen. „Im Großen und Ganzen haben wir unser Ergebnis vom vorherigen Mal gehalten. Für den kleinen Partner in einer Koalition ist dies durchaus erfreulich. Ich sehe den Koalitionsverhandlungen, die jetzt sicher folgen werden, mit Freude entgegen.” Ob die SPD allerdings überhaupt einen Partner benötigt, ist nach Sonntagabend mehr als fraglich. Es ist mit Überhangmandaten zu rechnen, die den Sozialdemokraten wahrscheinlich die absolute Mehrheit im Stadtrat beschert.

Sollte es im roten Jubeltaumel noch einen weiteren Gewinner geben, so war dies am Sonntagabend die FDP: 7,17 Prozent der Stimmen vereinten die Liberalen auf sich. „Wir haben einen Sitz hinzugewonnen und damit ein gutes Ergebnis erreicht”, freute sich Ulrich Göbbels im Kreise seiner Parteifreunde. Dazu zählte auch Volker Willms, der mit 16,24 Prozent in seinem Wahlkreis Kinzweiler/Hehlrath so viele Stimmen holte wie kein anderer FDP-Kandidat. Allerdings herrschte bei den Liberalen lange Unklarheit, ob es wirklich für vier Sitze im neuen Stadtrat reicht. Um 22.51 Uhr herrschte dann Gewissheit, entsprechend groß war die Freude.

Bei allem Jubel - für einen derjenigen, die im SPD-Sitzungsraum das Endergebnis erwarteten, war dies bei weitem nicht der spannendste Abend der Woche. „Mittwoch ist für mich viel spannender”, gestand Marco Zimmermann. Dann steht er nämlich selbst zur Wahl. Nicht zum Bürgermeister und auch nicht im Rathaus, sondern zum Eschweiler Prinzen für die Session 2009/2010 im Talbahnhof.
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