Romantisch, virtuos, witzig: Herbstfest im Bahnhof

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Einfühlsame Lieder boten die
Einfühlsame Lieder boten die „Romantischen Rebellen” Daniela Gölden und Sascha Pütz beim Herbstfest des Fördervereins Talbahnhof. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Zehn Jahre lang war Anne Quilitz (10) das jüngste Mitglied des Fördervereins Eschweiler Talbahnhof. Jetzt gibt es ein neues jüngstes Mitglied: Konstantin Danz. Der drei Wochen alte Sohn von Kulturwirt Walter Danz und seiner Frau Agnes ruhte selig schlafend im Arm seines Vaters, als dieser beim Herbstfest des Fördervereins auf die Bühne stieg. Auch der Beifall aus dem Saal konnte ihn nicht stören.

Es gab viel Beifall bei diesem Herbstfest der Kleinkunst am Sonntag im Kulturbahnhof. Der Saal war voll, die Stimmung grandios. Mal galt der Beifall dem Kulturzentrum selber, das in diesem Jahr volljährig wird: „18 Jahre Talbahnhof!” freute sich Peter Adrian, der Vorsitzende des Fördervereins, bei der Begrüßung.

Mal galt der Beifall den Mitgliedern des Vereins und den fleißigen Helfern, die die vielen Gäste mit (gespendetem) Kuchen, mit herzhaften Speisen und Getränken versorgten. Alles ehrenamtlich. Mal, wie erwähnt, dem jüngsten Neumitglied - da bekommt das Wort Kleinkunst ganz neue Aspekte. Dann wieder galt der Beifall den Gewinnern der Tombola und den Stiftern der Tombolapreise aus der Eschweiler Geschäftswelt wie auch aus den Reihen der Mitglieder. Aber am häufigsten galt er den Künstlern, die wie in jedem Jahr unentgeltlich auf dem Herbstfest auftraten.

„Schön ist er ja nicht. Aber lustig!” Die ältere Besucherin im Saal des Talbahnhofs meinte damit den Kabarettisten Hubert vom Venn, der den Nachmittag moderierte, und sie war sich da mit ihrem Mann einig: „Eigentlich sind wir nur wegen ihm gekommen!” Da konnte sie ja von Glück sagen, dass Kabarettist Christian Macharski („Hastenraths Will”) erkrankt abgesagt hatte und Hubert vom Venn zusätzlich zu seiner Moderation mit Stücken aus seinem aktuellen Programm einsprang.

Das Publikum rutschte vor Lachen fast von den Stühlen. Wie der Mann ganz allein eine komplette „diesjährige Jahreshauptversammlung” eines Dorfvereins auf die Bühne brachte, vom hypernervösen Vorsitzenden über den notorischen Querulanten bis zur ebenso resoluten wie schlecht gelaunten Bedienung - das war unglaublich gut. Und unglaublich echt. Da müssen sich Jahre quälender Erfahrung Bahn gebrochen haben.

Eine unterhaltsame Mischung aus Musik und Kabarett hatte der Förderverein zusammengestellt. Als „Romantische Rebellen” interpretierten das Duo Daniela Gölden (Gesang) und Sascha Pütz (Gitarre) einfühlsam Lieder wie „Moonshadow” von Cat Stevens und „Time after Time” von Cyndi Lauper. Wenig Rebellion, aber viel Romantik! Und dankbarer Beifall. Daniela Gölden ist eigentlich gelernte Schauspielerin, ihr musikalischer Begleiter ursprünglich Kirchenmusiker. Beide sind jetzt aber Lehrer am Berufskolleg in Eschweiler.

Wenn manche Besucher wegen Hubert vom Venn zu diesem Fest kamen, dann kamen andere sicher wegen Jacques Stotzem. Wann kann man schon mal bei freiem Eintritt einen Weltklasse-Gitarristen live erleben? Der sympathische Belgier tritt seit Jahren unentgeltlich bei den Festen des Fördervereins auf. Sein virtuoses Spiel auf der akustischen Gitarre begeistert das Publikum immer wieder.

Eine Überraschung, sogar für die Veranstalter des Herbstfestes, war das Kabarett-Duo „Fußpflege Deluxe” aus Köln. Eine positive Überraschung. Carolin Seeger und Christoph Schlewinski waren auf eine Empfehlung hin eingeladen worden, aber gesehen hatte sie noch niemand vorher. Wer am Sonntag da war, hofft nun, dass man sie demnächst öfter sieht. Jemand, der so überzeugend das Nicht-schauspielern-können schauspielert, wie dieses Duo in seiner Interpretation des Hamlet („Im Original!”), der braucht sich um Zuspruch nicht zu sorgen. Das Publikum war hingerissen.

Wie auch beim Auftritt der a-cappella-Gruppe „Stimmt so” aus Kreuzau. Die acht Sängerinnen und Sänger boten mitreißende Interpretationen von Liedern wie „Drück die Eins” von Annett Louisan, „Perfekte Welle” der Band Juli und Grönemeyers „Ich drehe schon seit Stunden...”. Dass zwei Mitglieder der Gruppe, Silke und Alexander Mohnfeld, vor wenigen Tagen als Duo „Poppyfield” Europameister der Countrymusik geworden sind, verrieten sie den Zuhörern nicht. Glückwunsch dazu von hier aus!
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