Eschweiler - Röthgener Burg: Badezimmer ab dem 13. Jahrhundert

Röthgener Burg: Badezimmer ab dem 13. Jahrhundert

Von: ran
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Wissenswertes aus erster Hand: Marie-Theres Kugel (2. v. l.) wusste im Schatten „ihrer“ Röthgener Burg historische Fakten und auch so manches Anekdötchen zu berichten. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Alt-Röthgener bezeichnen sie nach wie vor kurz und prägnant als „Os Burg“. Und für wohl jeden geschichts- und heimatinteressierten Menschen in der Indestadt strahlt das altehrwürdige Gemäuer eine nur schwer in Worte zu fassende Faszination aus: Die nachweislich im Jahr 1250 urkundlich erwähnte Röthgener Burg stellt ein außergewöhnliches Baudenkmal dar.

Der Initiativkreis „St. Marien aktiv“ hatte nun nun zu einer Führung um eben diese Röthgener Burg eingeladen. Dabei gab es sowohl historische Fakten als auch das eine oder andere Anekdötchen aus erster Hand zu hören. Denn wer hätte besser berichten können als Marie-Theres Kugel, die die Röthgener Burg seit 1961 bewohnt, sich als Geschäftsführerin des Eschweiler Geschichtsvereins der Historie ihrer Heimatstadt verschrieben hat und im Jahr 2014 ein nahezu 100 Seiten starkes Buch über die Burg veröffentlichte?

Rheinische Wasserburg

„Die Röthgener Burg gehört zu den rheinischen Wasserburgen, die ursprünglich immer als Festungsanlagen angelegt wurden und damit älter als die sogenannten Schlösser sind“, sagte die Hausherrin. Durch die Entwicklung von Handfeuerwaffen während des 15. Jahrhunderts seien diese „Verteidigungsburgen“ im Hinblick auf ihren eigentlichen Zweck jedoch wertlos geworden und nach und nach zu Wohnburgen oder eben zu Schlössern um- und ausgebaut worden.

„Zum Schloss haben wir es aber auch nach dem Umbau im Jahr 1514 nie geschafft“, erklärte Marie-Theres Kugel augenzwinkernd, bevor sie auf die Bedeutung des Ortsnamens Röthgen zu sprechen kam.

„Im Rheinland existieren rund 25 Ortschaften, die Namen wie Röthgen, Roetgen oder Rott tragen. Diese Bezeichnungen stammen alle vom Wort roden´ ab. Denn für die Burg wurde jede Menge Holz benötigt. Vor allem Eichenholz, das im Laufe der Jahre härter als Eisen wird“, wusste die Referentin zu berichten. Wobei sich der Besitz der Burgherren bei weitem nicht ausschließlich auf die eigentliche Burg beschränkte, sondern etwa von der heutigen Talstraße bis zum Beginn von Stolberg sowie von Nothberg über den Bereich Pumpe-Stich bis Röhe reichte.

„Erster Besitzer der Burg war Edmund von Meroitgen. Es folgten die Adelsgeschlechter von Engelsdorf, von Harff, von der Horst und von Bourscheidt“, blickte Marie-Theres Kugel teilweise bis weit in das Mittelalter zurück, um aus diesem vermeintlich „dunklen Zeitalter“ erstaunliches zu berichten. „Bereits im 13. Jahrhundert hat diese Burg wohl über ein Badezimmer verfügt. Ein zweiter Ausguss unweit der Küche legt diese Vermutung nahe, wie mir der Landeskonservator während der umfangreichen Restaurierungsarbeiten Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erklärte.“

Der 20 Meter tiefe Brunnen im Innenhof der Burg habe die Bewohner bis zum Jahr 1905 mit Wasser versorgt, bevor Leitungen diese Aufgabe übernahmen. Während der französischen Besatzung Ende des 18. Jahrhunderts habe die Burgherren das gleiche Schicksal ereilt wie ihre Standesgenossen: „Der Adel wurde enteignet. Und als Röthgen und Eschweiler wieder zu Preußen gehörten, erhielten die Adligen bei weitem nicht mehr allen ehemaligen Besitz zurück.“

Dabei seien die „feinen Herrschaften“ manchmal recht nette Menschen gewesen. So etwa die von Bourscheidts, die für Armenspeisungen verantwortlich zeichneten und auch „Schuld daran sind, dass Schulen in Eschweiler Einzug hielten“, wie Marie-Theres Kugel berichtete. Denn im Jahr 1715 kaufte die damalige Freifrau von Bourscheidt für 315 Reichsthaler ein Haus in direkter Nachbarschaft der Kirche St. Peter und Paul und ließ darin eine Mädchenschule aufbauen.

Das Teehaus

Aufmerksam verfolgten die Zuhörer auch die Ausführungen zum ebenfalls restaurierten „Teehaus“ im ehemaligen „Barockgarten“ der Röthgener Burg, das vermutlich im Jahr 1705 für den damaligen Burgherren Freiherr Dietrich Engelbert von Bourscheidt, kaiserlicher und kurpfälzischer Generalfeldwachtmeister, erbaut wurde. „Durchaus standesgemäß“, betonte die Geschäftsführerin des Eschweiler Geschichtsvereins.

„Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam Japan in Mode. Seeleute brachten von dort Tee mit und berichteten von Gärten mit Wasserläufen und kleinen Häuschen, in denen Tee getrunken wurde. Ein Vorbild auch für die Röthgener Burg.“

Am heutigen Burgweiher, dem früheren vor Feinden schützenden Wassergraben vorbei, ging es zurück zum Ausgangspunkt der Führung. Knappe zwei Stunden waren wie im Flug vergangen. Für die Verantwortlichen des Initiativkreises „St. Marien aktiv“ ein Grund, ein weiteres Mal auf historische Spurensuche in „Alt-Röthgen“ zu gehen. Im kommenden Frühjahr sollen unter der Leitung von Käthe Keubgen die Bereiche „Oberdorf“ und „Ober-Röthgen“ unter die Lupe genommen werden.

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