Risiko Sonnenbrand: Aachener Experte informiert über Hautkrebs

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Hautärzte und Wissenschaftler, aber auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), lehnen die Sonne auf Knopfdruck inzwischen komplett ab. Der Trend zur gebräunten Haut ist tückisch. Denn eine Studie der International Agency for Research into Cancer hat gezeigt, dass Menschen, die schon in jungen Jahren ins Solarium gehen, ihr Risiko für maligne Melanome um 75 Prozent erhöhen.t. Foto: ddp

Langerwehe. Im Rahmen der halbjährlich an der Gesamtschule Langerwehe stattfindenden Vortragsreihe „Schule im Dialog” sprach Professor Dr. med. Albert Rübben, Oberarzt an der Hautklinik der RWTH Aachen, zum Thema „Hautkrebs”.

Der Mediziner begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass eine Krebserkrankung im Grunde mit einem Lotteriespiel zu vergleichen sei, denn vor plötzlichen Veränderungen des Erbguts, zum Beispiel durch verschiedene Umwelteinflüsse, sei niemand wirklich gefeit.

Dass aber seit Jahren die Zahlen der Hautkrebserkrankungen stark anstiegen, habe nicht nur mit dem Ozonloch zu tun, sondern vor allem mit dem Freizeitverhalten der Bevölkerung, deren Hang zum Urlaub bei Sommer, Sonne, Strand und Meer die Höhe der individuell genossenen UV-Strahlungs-Dosis in die Höhe schnellen ließ.

Das Schönheitsideal eines braun gebrannten Körpers war nicht immer Bestandteil der menschlichen Ästhetik, sondern entstand erst in der Zeit der Aufklärung, wo die Ursprünge des modernen Körpergefühls zu finden sind: Schon Jean-Jacques Rousseau räsonierte über „Die Wertschätzung des Natürlichen”, und die Romantik der 1780er und 90er Jahre erhob das stimmungsgetragene Erleben der Landschaft zum Vorbild. Mit dem zunehmenden Wohlstand des Bürgertums in Folge der Industriellen Revolution entstand in Deutschland schließlich um das Jahr 1900 die erste Freikörperkultur.

Hautkrebs, so Rübben, zähle heutzutage in Deutschland zu den am häufigsten vorkommenden Tumoren bei beiden Geschlechtern, gefolgt von denen der Prostata bei Männern und denen der Brustdrüse bei Frauen. Der Schwarze Hautkrebs (Maligne melanom) sei der gefährlichste, weil früh streuende Krebs, der von den Pigmentzellen ausgehe und auch an inneren Organen vorkommen könne. In 30 Prozent der Fälle habe er gutartige Vorläufer, die Muttermale, die dann entarteten und vielgestaltige Formen annähmen.

Früherkennung hilft

Wie lässt sich nun die Zahl der Melanom-Todesfälle reduzieren? Vor allem, so Rübben, komme es auf die Vermeidung übermäßiger UV-Strahlung an. Besonders während der ersten fünf Lebensjahre, im Kleinkindalter, sei dies sehr wichtig, denn diese sehr früh entstandenen Strahlungsschäden „merke sich der Körper für später”.

Auch bei der „intermittierenden” UV-Exposition, also dem Kurzurlaub mit intensivem Sonnenbaden nach monatelanger Bürotätigkeit und dementsprechend blassem Teint, bekomme die Haut mehr Strahlung ab, als sie verkraften könne.

Wer nun meint, dass regelmäßiges „Vorbräunen” auf der Sonnenbank hier Abhilfe schaffen könne, irrt, denn laut einer Studie erhöht das Baden auf der Sonnenbank das Risiko an Hautkrebs zu erkranken um den Faktor 1,75. Besser sei es da, den Grad der UV-Exposition an den individuellen Haut- und Muttermaltyp anzupassen, sprich: hellhäutige Menschen und Personen mit vielen Muttermalen sollten häufiges Sonnenbaden vermeiden.

Diese „primäre Prävention” müsse gegebenenfalls ergänzt werden durch eine frühzeitige Entfernung von Krebsvorläufern (zu entarten drohende Muttermale), durch Früherkennung und operative Entfernung des Hautkrebses (sekundäre Prävention) und schließlich durch engmaschige Nachsorge nach Entfernung des Hautkrebses (tertiäre Prävention). Diese Früherkennung könne durch Selbstinspektion, besser jedoch durch eine regelmäßige ärztliche Untersuchung der Haut, das so genannte „screening”, erfolgen.

Nach seinem Vortrag beantwortete Professor Rübben noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Eltern, Schüler und Lehrer bedankten sich mit einem lang anhaltenden Applaus und freuten sich schon auf den nächsten Vortragsabend, bei dem es um Erkrankungen der Bewegungsorgane gehen wird.
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