Richard Rogler: Die Droge Politik lässt ihn nicht los

Von: Michael Cremer
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Was braucht es eine Frau Merkel, wenn es einen Herrn Rogler gibt, der sie bestens imitiert? Der Altvater des politischen Kabaretts bot am Samstag zwei Stunden lang beste Unterhaltung. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Nein, der Richard Rogler mag die Frau Merkel nicht wirklich. Und überhaupt sind ihm Politiker ein Gräuel. Ob es daran liegt, dass er wegen ihnen der Droge Politik verfallen ist und an der Theke seiner Stammkneipe mittlerweile Selbstgespräche führen muss, weil keiner dort mehr mit ihm reden mag?

Seine (zum Glück vergeblichen) Versuche, der Politiksucht zu entrinnen, mündeten am Samstag im proppenvollen Talbahnhof in einen zweistündigen Lach-Marathon. Herrlich!

Von der Politik sei er endgültig los, offenbarte er sich gleich zu Beginn seinem Eschweiler Publikum. Und nicht nur er: Die Deutschen erwarteten schon lange nichts mehr von den Politikern und umgekehrt. Entsprechend dem Titel seines aktuellen Programms schilderte der Wahlkölner und Altmeister des politischen Kabaretts im Folgenden, wie sich der Deutsche an sich ersatzweise in „Stimmung” hält: mit Urlaub, Sport und Heimwerken. „Die Deutschen wollen alles selbst machen.”

Ob das Akademikerpärchen aus der Eifel, das seine Mitmenschen mit selbstgemachter Marmelade und selbst gemalten Bildern traktiert, die genauso geschmacklos sind wie die Marmelade. Oder der deutsche Mann, der in seinem Gartenhäuschen zum Trapper mutiert und nach dem zwanzigsten Bier Brüderschaft mit dem Rasenmäher trinkt: Das alles kann den armen Richard nicht wirklich der Droge Politik entreißen.

Merkel beim Torjubel

Die Politiker sind aber auch zu komisch! Köstlich, wie Rogler die Kanzlerin im Stile eines Stand-up-Comedians beim Torjubel im Fußballstadion imitiert und heftig händeklatschend in die Höhe springt! Und erst das Abschreiten des Ehrenformation! Das Publikum kreischte vor Vergnügen. Und dann der Horsti, der Seehofer: Auf seiner Homepage lasse er verlauten, dass er in seiner Freizeit am liebsten mit der Eisenbahn spiele und erst neulich seinen ersten Tunnel selbst gebaut habe. Nein, das ist ja nicht zu fassen!

Fast niemanden ließ Rogler am Samstag aus: zu Guttenberg ebenso wenig wie seine Vorgänger als Verteidigungsminister wie etwa Scharping: „Sein höchster militärischer Orden war das Seepferdchen-Abzeichen.” Oder Niebel und Pofalla („Manchmal frage ich mich, wo nehmen die immer diese Leute her?”) und die Familienministerin, „die kleine Schröder”: „Es gibt doch so schöne Berufe. Sie könnte doch ein Käsegeschäft aufmachen.”

Mit Sport, Streching etwa, habe er versucht, dem Politikdilemma zu entkommen, verriet Rogler. Die Verletzungsgefahr ist hoch: „Ich habe mich so gestreckt, dass mein Kopf und meine Füße zwischenzeitlich unterschiedliche Postleitzahlen hatten.” Wenn der Sport nicht des Rätsels Lösung ist, dann bleiben zwei Alternativen: Zum einen der Gang zu den „Fleischtemplern”, die ihr Leid in Bier und Wodka ertränken und dem hilfesuchenden Richard mit einer bodenständigen Philosophie begegneten: „Wenn Sie saufen, sterben Sie. Wenn Sie nicht saufen, sterben Sie auch. Also saufen Sie!”

Der zweite Ausweg, dem Richard Rogler am Samstag den Vorzug gab, ist der verzweifelte Blick auf das, was Mitmenschen treiben. Und dies ist sehr ernüchternd. 30 Prozent der Eltern hielten ihre Kinder für hochbegabt. Dabei seien es nur fünf Prozent. Weil bekannt sei, dass Hochbegabte wegen Unterforderung mit schlechten Noten nach Hause kämen, zögen viele Eltern falsche Schlüsse: „Unser Alexander hat schon wieder eine 6 in Mathe geschrieben. Ich glaube, unser Kind ist hochbegabt.” Und manche denken, dass ihr Kind dreisprachig aufwächst, „nur weil der Junge Francois Benedetto Holzapfel heißt”.

Spätgebärende Eltern

Überhaupt die Eltern, vor allem die spätgebärenden: „Sie 49, er 60. Dann stellen die plötzlich fest, dass Designerküche und Weinkeller nicht alles im Leben sind. Und friemeln dann mit letzter Kraft noch so´n Kind zusammen. Mit lahmen Spermien, die lange die Mindesthaltbarkeit überschritten haben.”

Zwei Stunden beste Unterhaltung, die das Publikum mit langem und kräftigem Applaus dankte, endeten abrupt mit dem Satz: „Meine Damen und Herren, wir kommen zur Zugabe.” Diese war bewusst kurz und mündete in der Erkenntnis: „Wenn man was fallen lässt, muss man es wieder aufheben.” Nur gut, dass er die Politik nicht fallen lassen kann.
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