Eschweiler - Rheinkalk schließt Hastenrather Kalkwerke drei Tage vor Heiligabend

Rheinkalk schließt Hastenrather Kalkwerke drei Tage vor Heiligabend

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
4683808.jpg
Ein Weihnachtsbaum im Pausenraum: Dennoch will in Hastenrath festliche Stimmung nicht so recht aufkommen. Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Zum letzten Mal sitzt eine handvoll Männer gemeinsam im Pausenraum der Hastenrather Kalkwerke. Es ist Freitag, der 21. Dezember. In drei Tagen ist Weihnachten. Die Männer frühstücken zusammen, lachen und erzählen – von alten Zeiten. Denn zu denen gehört die Arbeit im Kalkwerk bei Eschweiler ab morgen auch. Besitzer Rheinkalk hat den Standort dichtgemacht.

Warum? Das weiß keiner der Mitarbeiter so ganz genau. Die offizielle Version: Der Betrieb sei nicht wirtschaftlich und es gebe Probleme beim Arbeitsschutz. Von einem anderen Grund weiß ein Angestellter zu berichten: „Die sagen, der Bruch ist ausgekalkt“. Viel reimt sich nicht, als der nächste sagt: „Bei meiner Einstellung 1996 hieß es, die Vorkommen reichen bis 2080“.

„Von der Vorstellung von Rheinkalk im November 2011 bis Mitte Mai, als sie verkündet haben, dass sie schließen wollen, hat jeder hier im Betrieb gedacht, dass es weiter geht“, erzählt ein anderer Mitarbeiter. Die Frage, wer einen Millionenbetrag für ein Kalkwerk ausgibt, um nur sechs Monate später dessen Schließung zu verkünden, ist berechtigt. Schließlich sollte sich das Unternehmen Rheinkalk im Metier auskennen.

„Die haben am Anfang zum Beispiel ein Geländer am Förderband und eine Abdeckung neu gemacht. Das hat alles nach viel ausgesehen, so, als ob es weitergeht“, meint einer. Und: „Wir könnten weitermachen. Die wollen aber 98-prozentigen Kalk und wir können maximal 96-prozentigen brennen“. Einer erwidert: „Das haben die aber gewusst, weil sie unseren Kalk über Jahrzehnte bekommen haben“.

Auf der Straße sitzt keiner der zuletzt noch 21 Mitarbeiter. Viele haben neue Jobs gefunden und jeder hatte das Angebot, für Rheinkalk in einem anderen Werk weiterzuarbeiten. Fünf Angestellte haben sich dafür entschieden. Die bekommen eine sogenannte Mobilitätshilfe, zum Beispiel um den Umzug zu bezahlen. Die anderen Werke sind nämlich nicht gerade in der Nachbarschaft. Und es gibt weitere Gründe, warum das Angebot von vielen abgelehnt wurde.

„Jetzt soll ich, der ich noch nie in meinem Leben Wechselschichten gemacht habe, drei Schichten fahren – und das mit über 60“, merkt einer der Männer sichtlich bewegt an. Wer nicht wegziehen will oder kann und sich für einen Wechsel des Arbeitgebers entschieden hat, bekommt eine Abfindung. Finanzielle Einbußen müssen sie aber alle hinnehmen. Eine traurige Bescherung, die da unterm Baum liegt.

Jetzt, am letzten Vormittag im Betrieb, gibt jeder der Arbeiter seine Schlüssel ab. Seit dem fünften September standen nur noch Sicherungsmaßnahmen auf dem Plan: rundherum einzäunen, die Motoren der Maschinen trockenlegen und alles vergittern – wegen der Einbruchgefahr. Produktionsschluss war am 19. Juli, seitdem wurde kein Kalkstein mehr im Ofen zusammen mit Kohle zu Kalk gebrannt. „Jetzt ist der Ofen endgültig aus“, sagt ein Arbeiter.

Es sind die traurigen Worte eines Mannes, der seit 41 Jahren in den Hastenrather Kalkwerken beschäftigt war. Nach einem Andenken gefragt schütteln sie alle den Kopf. Niemand möchte sich ein Stück Kalkstein als Erinnerung oder etwas anderes mitnehmen. „Es ist vorbei, dass muss man akzeptieren“ ist zu hören, oder „An dem Rad drehste nix mehr dran“.

Dennoch wird viel gelacht. „Eines lassen wir uns nicht nehmen: unseren Humor“, verkündet ein Arbeiter und fügt an: „Die Nerven haben sich mittlerweile dran gewöhnt“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert