Rettung für Röhrenwerke in Sicht

Von: Patrick Nowicki
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Blick in die Produktionshalle des ESW-Röhrenwerks: Das Unternehmen arbeitet im Insolvenzverfahren an einem Sanierungsplan. Foto: Nowicki

Eschweiler. Das letzte Kapitel des ESW-Röhrenwerks ist noch nicht geschrieben. Sowohl der Sanierungsberater Martin Lambrecht aus Düsseldorf als auch Martin Peters von der IG Metall Stolberg/Eschweiler bestätigten am Freitag, dass der Sanierungsplan kurz vor dem Abschluss steht.

Damit ist zumindest die nähere Zukunft des Unternehmens gesichert. Dafür muss es allerdings einen hohen Preis zahlen: Ganz ohne Jobabbau wird die Sanierung nicht gelingen. Wie viele der 298 Mitarbeiter allerdings gehen müssen, steht derzeit noch nicht fest.

Das ESW-Röhrenwerk hat einen Weg im Insolvenzrecht gewählt, den der Gesetzgeber erst seit 2012 möglich macht: Formell steht es zwar im Insolvenzverfahren, die bisherige Geschäftsführung behält allerdings größtenteils ihre Vollmachten und bleibt an der Spitze des Unternehmens.

Ihr wird ein Sanierungsbeauftragter zur Seite gestellt. In diesem konkreten Fall ist dies Martin Lambrecht aus Düsseldorf. Als erste Maßnahme beantragte die ESW-Röhrenwerke-GmbH das sogenannte „Insolvenzgeld“. Dies bedeutet, dass Löhne für drei Monate von der Arbeitsagentur übernommen werden. „Dies verschafft dem Unternehmen die Möglichkeit, sich etwas Speck für die schwierige Zeit anzufuttern“, beschreibt Lambrecht den Vorgang. Mit dem Januar enden die Insolvenzgeld-Zahlungen.

„Schwieriger Markt“

Der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter aus Düsseldorf sieht derzeit positive Signale für das Unternehmen, das sich nach seiner Aussage „auf einem derzeit schwierigen Markt“ bewege. Mit dem Ölpreis fiel nämlich auch die Auftragslage des Eschweiler Traditionsunternehmens rapide, das sich unter anderem auf Rohre für die Ölindustrie spezialisiert hat. Zwar gehe man nicht davon aus, dass sich die Situation in 2016 deutlich verbessere, aber Experten erwarten, dass der Ölpreis in 2017 wieder steigen werde, teilte Lambrecht mit.

Er legt Wert darauf, dass man bei den Gesprächen nicht nur über Jobs rede: „Der Personalabbau mag manchmal der einfachste Weg sein, ist aber keineswegs der beste.“ So stünden die Produktionsprozesse ebenso unter der Lupe wie der Einkauf von Rohmaterial. In zwei bis drei Wochen soll das Maßnahmenpaket geschnürt sein, in das „viele Gedanken einfließen werden“.

Die IG Metall und der Betriebsrat sind in die Prozesse einbezogen und im Gläubigerausschuss vertreten. Martin Peters räumt ein: „Die ESW-Röhrenwerke werden nicht mit der gleichen Belegschaftsstärke aus dem Insolvenzverfahren herauskommen wie sie hineingegangen sind.“ Man kämpfe um jeden Arbeitsplatz. Konkrete Zahlen gebe es allerdings noch nicht.

Erst im Oktober war der Anerkennungs- und Standortsicherungsvertrag mit den ESW-Röhrenwerken unterzeichnet worden. Dieser sieht vor, dass die Tarife der IG Metall angewandt werden und die Arbeitnehmer auf Weihnachtsgeld und Überstundenmehrbezahlung verzichten, um das Unternehmen zu sichern.

Ob der Sanierungsplan bessere Zeiten einläutet? „Es bleibt schwierig, aber zumindest gibt er den Röhrenwerken etwas Luft zu atmen“, sagt Lambrecht.

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